22. Eintrag ins Strafregister

Schwarzfahren als Akt der Verzweiflung

Syke - Von Dieter Niederheide. Seriös, redselig und reumütig gab sich der Angeklagte vor dem Amtsgericht. Das nutzte ihm wenig: Seine Richterin verurteilte ihn wegen dreier Schwarzfahrten zu einer Geldstrafe von 1500 Euro. Für den Handwerksmeister ist das der 22. Eintrag ins Strafregister.

Die ihm vorgeworfenen Straftaten stammten aus dem Jahr 2013. Damals lebte der Mann noch in Syke. Weil er danach mehrfach den Wohnort gewechselt haben soll, dauerte es so lange, bis nun die Hauptverhandlung angesetzt werden konnte. Der heute 61 Jahre alte Angeklagte reiste aus seinem jetzigen Wohnort Celle an.

Insgesamt hatte die Deutsche Bahn damals sechs Schwarzfahrten zur Anzeige gebracht, aber nur drei davon wurden strafrechtlich relevant. Der Mann soll ohne Ticket mal von München nach Braunschweig, mal von München nach Bremen, mal von Leipzig Richtung Süden oder Braunschweig gefahren sein. Den Zugbegleitern gegenüber hatte er für seine Fahrten ohne Ticket meist eine glaubhafte Erklärung parat: Mal sei ihm seine EC-Karte abhanden gekommen, mal habe er seine Geldbörse vergessen, und mal schilderte er den Bahnbediensteten eine desolate finanzielle Lage. Die Fahrtkosten, die er der Bahn noch schulden soll, machen insgesamt rund 350 Euro aus.

„Man fährt diese Strecken nicht mit der Bahn, um spazieren zu fahren“, sagte er vor Gericht aus. „Ich war auf Arbeitssuche.“ Und das sei in seinem Alter gar nicht mehr so einfach. „Es war eine Verzweiflungstat.“

Dass man ohne Fahrkarte nicht in einen Zug steigen darf, sei ihm ja bekannt, aber betrügen? Das habe er nicht gewollt.

Als der Staatsanwalt Zweifel an diesen Erklärungen hören ließ, warf der Angeklagte ein: „Es gibt eben Geschichten, die kann man nicht erfinden.“ Und dann fast beschwörend: „Nehmen Sie mir bitte ab, ich wollte gar nicht schwarzfahren.“

Aus seinem Strafregister war zu entnehmen, dass der Mann hauptsächlich wegen Betruges verurteilt worden war und deshalb auch schon gesessen hat. Deutlich machte der Staatsanwalt klar: „Sie können hier sagen, was Sie wollen, Sie sind ein Betrüger, versuchen hier einen seriösen Eindruck zu erwecken und geben sich als Unschuldslamm.“ Der Mann mogele sich durchs Leben, sagte der Staatsanwalt und forderte 2400 Euro Geldstrafe.

Der Angeklagte widersprach dem Anklagevertreter nur in einem: „Ich weiß, ich bin kein Unschuldslamm, weiß Gott nicht.“ Von Gerichtssälen habe er jetzt aber wirklich die Nase voll.

Der Angeklagte akzeptierte das Urteil, das auf 150 Tagessätze zu je zehn Euro lautete. Diese Größenordnung ist seinem derzeitigen Einkommen angepasst: Er lebt von staatlicher Unterstützung. Die Geldstrafe darf er abstottern.

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