Einfamilienhäuser und Resthöfe: Markt zieht spürbar an

Preise kennen nur eine Richtung: Nach oben

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Stuhr/Weyhe/Syke - Von Heinrich Kracke. Zwischenzeitlich hatte er schon ein bisschen den Mut verloren. „Die Kinder sind aus dem Haus, wir wollten zurück nach Bremen ziehen,“ sagt der 74-jährige Airbus-Pensionär aus Seckenhausen, „eine Eigentumswohnung, das reicht uns, möglichst mitten in der Stadt.“

Das Problem blieben jedoch die vier Wände, die sie noch bewohnten, und die sie vor 30 Jahren mit einem finanziellen Kraftakt emporgezogen hatten. „Niemand interessierte sich für unsere Immobilie, und wenn doch, dann wollte er zu wenig zahlen.“ Inzwischen hat sich die Miene des rüstigen Rentners deutlich erhellt. Plötzlich zieht er wieder an, der Markt für Einfamilienhäuser. „Wir stehen kurz vor einem guten Abschluss,“ sagt er.

Seckenhausen ist kein Einzelfall. „Im Nordkreis fehlt es inzwischen häufig sogar an Angeboten, so dass Einfamilienhäuser im Normalfall kurzfristig verkauft werden können,“ sagt Florian Brauer vom Gutachterausschuss des Katasteramtes Sulingen. Auch die Preise kennen nur eine Richtung: Nach oben. „In den Nordgemeinden kletterten die Verkaufserlöse seit 2009 um 20 Prozent, in den übrigen Gemeinden immerhin noch um zehn Prozent.“ Aktuell setzt sich dieser Trend fort. „Insbesondere neuere Ein- und Zweifamilienhäuser verzeichnen deutliche Preissteigerungen, wenig modernisierte Altbauten aus den fünfziger Jahren haben dagegen eher Wertverluste.“

Eine Sonderentwicklung erleben die Resthöfe, deren Vermarktung stark schwankte. Mal erfreuten sie sich hoher Beliebtheit und gingen wegen ihrer Alleinlage und der schönen Natur, die sie umgeben, weg wie warme Semmeln, mal gehörten sie zu den Ladenhütern, dann nämlich, wenn sich schon eine ganze Generation Nicht-Landwirte an der Sanierung versucht hatte, und Dielen und Scheunen vollgestellt waren mit irgendwelchen Baumaterialien. Auch gegenwärtig sei eine generelle Einschätzung schwierig, sagt Florian Brauer. „Die Objekte fallen von ihrer Lage und Ausstattung sehr unterschiedlich aus. Insgesamt sind die Kaufpreise hier aber auch etwa zehn bis 15 Prozent über dem Wertniveau von 2010 einzuordnen.“

Dabei sind es längst nicht mehr nur Einfamilienhäuser oder Resthöfe, die Interesse auslösen. Auch jene Spezies, die vor zehn Jahren noch ein Mauerblümchendasein führte, erlebt ein erstaunliches Comeback, die Eigentumswohnung. Allein im vergangenen Jahr wechselten rekordverdächtige 621 Etagenwohnungen den Besitzer, und zur Hälfte des laufenden Jahres deutet sich eine nächste Bestmarke an. Mehr als 330 Eigentümerwechsel schlugen bisher zu Buche. Deutlich auch hier im Vorteil: Der Nordkreis Diepholz mit Stuhr, Syke und Weyhe. Für guten Wohnraum und einem Baujahr seit dem Jahr 2000 wurden im Schnitt 180.000 Euro gezahlt. Schnäppchen sind allerdings auch die Preise im restlichen Landkreis nicht mehr. Rund 150.000 Euro sind hier fällig.

Angesichts dieser Preisentwicklungen abwarten, bis sich vielleicht doch irgendwo noch einmal ein niedriger Preis in die Landschaft verirrt? Gutachter Brauer winkt ab. „Schnäppchen sind generell schwierig, da preiswerte Immobilien meistens auch Nachteile in der Lage und im Bauzustand haben.“ Käufern und Verkäufern rate er immer zu einem Verkehrswertgutachten des Gutachterausschusses, da sie hierdurch ein objektives Bild über den Zustand und den Wert ihrer Immobilie erhielten.

Bliebe als letzte Alternative noch die Mietwohnung. In diesem Punkt könne der Gutachterausschuss allenfalls eine Trendmeldung abgeben, sagt Brauer, da im Gegensatz zu Kaufverträgen die Mietpreise nicht vollständig in die Datensammlung des Gutachterausschusses übernommen werden könnten. „Aus unserer Marktbeobachtung ergibt sich aber insbesondere in den nördlichen Gemeinden, sowie in Diepholz und Sulingen eine spürbar steigende Tendenz. In den ländlichen Gemeinden scheint das Mietniveau seit Jahren gleich zu sein.“

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