Bereitschaftsdienst nicht immer erste Wahl

Lebensgefahr oder nicht? Im Zweifel lieber die Notruf-Nummer 112 wählen

+
Die 112 sollte nur „in lebensbedrohlichen Fällen“ gewählt werden.

Der Tod kam in der Nacht. Vermutlich war es Herzversagen, denn noch am Abend zuvor hatte der Syker starke Schmerzen in der Brust und im Rücken verspürt. Der Arzt des allgemeinmedizinischen Bereitschaftsdienstes war zwar vor Ort, überprüfte Blutdruck und Puls, konnte aber keine Unregelmäßigkeiten feststellen.

Syke - „Vielleicht hätten wir besser die 112 rufen sollen“, meint ein guter Freund. Mit Vorwürfen gegen den behandelnden Arzt, ein Chirurg aus dem Raum Achim, hält er sich zurück, aber so ganz nachvollziehen kann er nicht, weshalb der Mediziner seinen Freund nicht ins Krankenhaus überwiesen hat.

Genaue Diagnose bei Hausbesuchen schwierig

Wenn Menschen am Wochenende oder abends erkranken, stehen sie immer wieder vor der Frage, ob sie warten können, bis ihr Arzt am nächsten Tag seine Praxis öffnet, ob sie den medizinischen Bereitschaftsdienst anrufen oder lieber gleich die 112. Dieser Notruf sollte zwar nur „in lebensbedrohlichen Fällen“ gewählt werden, aber wie kann Otto Normalverbraucher schon beurteilen, wann eine Erkrankung oder zum Beispiel eine Schnittverletzung tatsächlich lebensbedrohlich ist?

Zum tragischen Tod des Sykers möchte und kann sich Angela Schütze-Buchholz als zweite Vorsitzende des Ärzteverbundes Nord nicht konkret äußern, gleichwohl verweist sie darauf, dass es immer wieder Erkrankungen gibt, die man „nicht unbedingt sofort erkennen kann“. Und bei einem Hausbesuch eine genaue Diagnose zu stellen, sei immer schwer.

Ärzteverbund Nord organisiert Bereitschaftsdienst

Der Ärzteverbund Nord als eingetragener Verein organisiert in Stuhr, Weyhe, Syke, Bassum, Twistringen, Bruchhausen-Vilsen, Emtinghausen und Riede quasi im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung den hausärztlichen Bereitschaftsdienst. Bis auf zwei Mediziner sind alle niedergelassenen Ärzte des Bezirks Mitglied im Ärzteverbund Nord – immerhin etwa 140 Kolleginnen und Kollegen. Trotzdem kommt es vor, dass zwischendurch auch Mediziner von außerhalb den Bereitschaftsdienst übernehmen. Wie oft das passiert, kann Schütze-Buchholz nicht sagen, aber „es ist schon ein gewisser Prozentsatz“.

Gerade in ländlichen Gebieten sei es häufiger an der Tagesordnung, dass niedergelassene Ärzte ihre Dienste zum Beispiel an Krankenhausärzte abgeben, die sich dadurch etwas dazu verdienen wollten, betont Detlef Haffke als Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Verantwortlich für die Vertretung sei immer derArzt, der eigentlich für den Bereitschaftsdienst eingetragen werde. Er müsse auch sicherstellen, dass seine Vertretung über einen sogenannten „Facharztstandard“ verfüge. Dadurch sei schließlich gewährleistet, dass jeder Bereitschaftsarzt auch qualifiziert sei. Todesfälle aber seien natürlich trotzdem nie grundsätzlich auszuschließen.

Beschwerden „glücklicherweise ausgesprochen selten“

Beschwerden oder sogar höchst offizielle Verfahren gegen Ärzte des allgemeinmedizinischen Bereitschaftsdienstes seien „glücklicherweise ausgesprochen selten“, sagt Schütze-Buchholz. Auch der oben geschilderte Fall habe keine Beschwerde nach sich gezogen. Grundsätzlich hätten sich die Bedingungen für die Bereitschaftsärzte sehr gewandelt. „Wenn ich an die Dienste vor 20 Jahren denke, so muss man sagen, dass sich die Inanspruchnahme extrem erhöht hat.“

Beschwerden übrigens können Patienten oder deren Angehörige direkt an die Bezirksstelle Verden der Kassenärztlichen Vereinigung richten – und zwar grundsätzlich schriftlich. Informationen gibt es bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen unter der Telefonnummer 0511/380 44 12. Zur Vermittlung bei Streitigkeiten aus einem Behandlungsverhältnis hat die Ärztekammer Niedersachsen eine Schlichtungsstelle eingerichtet. Dabei verfolgt diese in erster Linie das Ziel, Arzthaftungsstreitigkeiten so aufzuklären, dass es gar nicht erst zu einem Gerichtsprozess kommt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Unwetter in Österreich: Mann stirbt nach Erdrutsch

Unwetter in Österreich: Mann stirbt nach Erdrutsch

Blamage für Hongkonger Regierung: Vermummungsverbot gekippt

Blamage für Hongkonger Regierung: Vermummungsverbot gekippt

Selfies auf Schienen und lebensgefährlicher Leichtsinn

Selfies auf Schienen und lebensgefährlicher Leichtsinn

Diese Weihnachtsdekoration liegt 2019 im Trend

Diese Weihnachtsdekoration liegt 2019 im Trend

Meistgelesene Artikel

Nicht alle Hoffnungen erfüllt: Ortsumgehung Bassum wird 25

Nicht alle Hoffnungen erfüllt: Ortsumgehung Bassum wird 25

Auto crasht auf B51 gegen Laterne - Insassen flüchten daraufhin

Auto crasht auf B51 gegen Laterne - Insassen flüchten daraufhin

Wölfe im Kreis Diepholz: Mehrere Sichtungen bei Drentwede

Wölfe im Kreis Diepholz: Mehrere Sichtungen bei Drentwede

Marktempfang der Gemeinde beim Herbstmarkt

Marktempfang der Gemeinde beim Herbstmarkt

Kommentare