Kabarettistin Carmela de Feo unterhält im Gleis 1 mit skurrilen Bemerkungen und Tanzeinlagen

Eine „Ruhrgebieterin“ mit Haarnetz und schrägem Witz

Carmela de Feo lieferte im Gleis 1 ein Wortwitz-Feuerwerk, an dem die Zuschauer direkt beteiligt waren. - Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Dagmar Voss. Unwiderstehlich komisch von der ersten Minute an kam sie daher, dabei wirkte Carmela de Feo äußerlich so bieder mit Haarnetz und einem schwarzen Großtanten-Outfit. Aber es ging in ihrem Programm „Träume und Tabletten“ ziemlich schnell los mit ihrem Wortwitz-Feuerwerk, mit Akkordeon- und Tanz-Einlagen; mit skurrilen Bemerkungen über das Single-Dasein und Männerfangen, über Promille-Dinner und den Herrgott.

Nicht zu vergessen ihr Running Gag italienischer Weisheiten à la: „Die Liebe is wie eine Einbauküche, nach ein paar Jahren schämze dich dafür.“ Sie schäme sich jedoch nicht für ihre Hässlichkeit, im Gegenteil, eher sei sie stolz darauf: „Sowatt kannze nicht dranoperieren.“

Im Lauf des herrlich komischen kabarettistischen Abends im Gleis 1 avancierte die Oberhauserin zur Sankta La Signora oder auch zur „Ruhrgebieterin“ – wie sie sich selbst nennt – mit einem unverwechselbaren Kohlenpott-Slang. Ganz abgesehen von dem direkten Draht zum Publikum, den La Signora spielend herstellte. Letztlich musste vor allem Rentner Willi aus Achim als einstiger Flugzeugbauer ziemlich viel beisteuern. Nicht nur über seine Freizeitaktivitäten, sondern auch über sein - seit 43 Jahren währendes -- Eheleben. Da hatte nach der Umfrage der Komikerin niemand mehr zu bieten und es gab ein Bedauern für den Besucher. Aber dann schließlich auch noch einen Trostpreis, den Schlüsselanhänger „the kottelett of love“. Immerhin hatte er einen der verteilten Ausmalbögen bemalt, sodass er mit zum Reigen der Männer zählte, die fürs Männerwichteln angemeldet worden seien, oder eher nicht. Auf alle Fälle seien alle männlichen Wesen in einem karierten Hemd dabei, einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der modernen Frau eben. Dialoge mit Zuschauern, bei denen La Signora immer wieder die Bühne verließ, um hautnah bei den Antwortenden zu sein, gestalteten sich zusehends witziger, denn egal welche schräge Bemerkung, sie konnte spontan reagieren.

Dazu gab es urkomische Tanzeinlagen, bei denen die schwarzbestrumpften Beine hemmungslos zu steppen anfingen. „Ich bin eine Tourette-Tänzerin mit lateinamerkanischem Tanzabi.“ Außerdem bedauerte sie, dass sie leider an PADS leide, dem Popstar-Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Dass sie sich dabei der Aufmerksamkeit des Publikums sicher sein konnte, belegten Unmengen von Lachern und langer Beifall; und Zugaben wie das Gartenlied: „Willi, in meinem Schritt wachsen wieder lila Pflaumen…“ .

Da hatten die Organisatoren des Gleis 1 mal wieder für bestes Lachmuskel- und Zwerchfelltraining gesorgt. Ob allerdings Joachim, einer von ihnen, auch so entspannt weiter lachte, steht nicht fest. Immerhin soll er beim nächsten Auftritt von La Signora gemeinsam ein Lied zum Besten geben, oder auch allein. Man darf gespannt sein.

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