Lebenshilfe-Projekt

Ausgemusterte Rakete findet an der Kafu-Kreuzung eine Bleibe

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Alles senkrecht: (v.l.) Die Montage-Profis Matthias und Heiko Behrens platzieren die Rakete mit (symbolischer) Hilfe von Anja Schulz und Renate Munder.

Syke - Von Frank Jaursch. Wer das freie Lübber-Grundstück an der Kafu-Kreuzung von Ernst-Boden-Straße und B 6 passiert, der ist ungewöhnliche Anblicke gewohnt. Nun reiht sich ein ganz besonderes Objekt in die Riege der farbenfrohen Skulpturen: Eine echte, rund sechs Meter hohe Rakete ragt dort in die Höhe. Hinter dem Blickfang verbergen sich eine Syker Gemeinschaftsaktion – und eine bemerkenswerte Botschaft.

Als Zimmermeister Enno Kastens das gute Stück erwarb, hatte er zunächst keine rechte Verwendung für das rund 400 Kilogramm schwere Stück aus glasfaserverstärktem Kunststoff und Leichtmetallteilen, das früher als Startrakete für Wetterballone genutzt wurde und Höhen von bis zu 36 Kilometern erreichte, ehe sie am Fallschirm zur Erde zurücksinken.

Er erzählte Edgar Fischer und Renate Munder von der Werbemanufaktur Printhaus von seiner Rakete. Richtig in Gang kam die Sache aber erst, als sich die Syker Lebenshilfe wenig später ebenfalls an Printhaus wandte.

Auf der Suche nach „interessanten Objekten“

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe hatte im Vorfeld ihres 60-jährigen Bestehens unter dem Motto „Teilhabe statt Ausgrenzung“ zu einem Kreativ-Wettbewerb aufgerufen. Die Syker Lebenshilfe war auf der Suche nach „interessanten Objekten, die das Thema visuell darstellen oder symbolisieren“, wie Pressesprecherin Anja Schulz erklärt.

Renate Munder kam die Rakete in den Sinn. Man müsse sie ja nicht als Waffe betrachten, sondern als Fortbewegungsmittel. Genau da setzt das Motiv dahinter ein: „Wenn man eine Rakete besteigt, weiß man nicht, was einen erwartet“, beschreibt es Anja Schulz. Sie symbolisiere das Ungewöhnliche, Besondere. Es bedarf eines gewissen Mutes, sich auf eine Reise mit ihr einzulassen.

Dies sei eine Parallele zum Umgang mit besonderen Menschen. „Wir wünschen uns mehr Offenheit und Vertrauen, sich auf Begegnungen mit Menschen mit Behinderungen einzulassen“, betont Anja Schulz.

Denn es gibt viele Fragen: Was erwartet einen während dieser Reise? Was passiert, wenn man fremdes Terrain betritt? Wie verhalte ich mich, wenn ich auf jemanden treffe, dessen Sprache und Gesten ich nicht verstehe? Fühle ich mich wohl in der Situation? Schulz ist sich sicher: „Wenn man sich auf etwas Neues einlässt, gibt es viele, tolle und unerwartete Erfahrungen und Momente, die das Leben prägen.“

Tochter Lya als Namenspatronin

Mit Hilfe der Printhaus-Profis wurde aus der schmucklosen Rakete ein echter Hingucker – mit spektakulärer Sternenhimmel-Optik, silbern funkelnder Spitze. Und dem Aufdruck „Lyas Mondfahrt“. Die kleine Tochter von Enno Kastens diente als Namensgeberin – und bekam für „ihre“ Reise noch ein Fenster mit Teddy spendiert.

Damit nicht genug: Die Rakete spielte zudem eine tragende Rolle beim Musical, das die inklusive Tanzgruppe „Allstars“ der Tanzschule Sonja Augustin gemeinsam mit der Lebenshilfe auf die Beine stellte. Darin ging Lya mit ihrer Rakete auf eine tänzerische Reise, die sie bis zum Mond brachte.

Bis zum Mond hat es die Rakete tatsächlich nicht ganz geschafft. Aber nach tausenden Kilometern in luftigen Höhen ist die Rakete nun in Syke gelandet. Matthias und Heiko Behrens (Behrens Industriemontage) sorgten gestern dafür, dass sie an der Kafu-Kreuzung in den kommenden Monaten einen festen Stand hat.

Anja Schulz freut sich über die gelungene Aktion. Die Lebenshilfe will zeigen: „Es ist gut, sich ab und an auf etwas einzulassen, was zunächst ungewöhnlich oder fremd erscheint, aber völlig neue Blickwinkel und -richtungen eröffnet.“ Begegnungen und ein Miteinander bereicherten das Leben, so Schulz. „Jeder sollte sich selbst die Chance geben, diese Erfahrungen machen zu können.“

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