Marianne Carstens und Siegfried Borgmann gehen in den Ruhestand

„Eine Ermöglichungs- und keine Verhinderungsbehörde“

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Marianne Carstens und Siegfried Borgmann gestalten seit einem Jahrzehnt wichtige Rahmenbedingungen für Schulen in den Landkreisen Diepholz und Nienburg. Mit dem neuen Schuljahr beginnt für sie der Ruhestand. 

Syke - Von Anke Seidel. Marianne Carstens und Siegfried Borgmann haben vieles gemeinsam. Beide gestalten als Regierungsschuldirektoren seit einem Jahrzehnt wichtige Personalfragen und Bildungsbedingungen an den Schulen in den Landkreisen Diepholz und Nienburg. Beide haben immer wieder auf neue schulpolitische Strukturen – wie die Einführung der Oberschulen oder die Inklusion – reagieren müssen. Und beide verabschieden sich in wenigen Wochen in den Ruhestand.

Außerdem haben die beiden Regierungsschuldirektoren die gleichen beruflichen Wurzeln. Beide haben eine Förderschule geleitet, bevor sie in die Außenstelle Syke der Landesschulbehörde gewechselt sind.

Marianne Carstens leitete die Friedrich-Fröbel-Schule in Nienburg, bevor sie die Betreuung der Schulen im Südkreis Diepholz übernahm. Siegfried Borgmann war Direktor der Hache-Schule in Syke, bevor er in die Landesschulbehörde wechselte. Er ist für die Personalplanung und die Entwicklung der Förderschulen in den Landkreisen Diepholz und Nienburg zuständig.

„Was pädagogisch sinnvoll ist, kann rechtlich nicht falsch sein“, zitiert der 64-Jährige einen seiner ehemaligen Kollegen – ein Grundsatz, der ihn während seiner beruflichen Laufbahn begleitet. Lächelnd zitiert er noch eine zweite Maxime, die er im vergangenen Jahrzehnt beherzigt hat: „Wir sind eine Ermöglichungsbehörde – und keine Verhinderungsbehörde!“ Das Mögliche möglich machen und dabei regionale Besonderheiten berücksichtigen, das ist auch Marianne Carstens (65) wichtig. Oft genug ist genau das eine Herausforderung für die Regierungsschuldirektoren, „weil wenig Menschen auf dem Markt sind“, formuliert es Marianne Carstens.

Es fehlt an Fachpersonal für Inklusion

Will heißen: Obwohl das Land Niedersachsen für die Umsetzung der Inklusion an den Schulen genügend Ressourcen bereitstelle, fehle es am Fachpersonal – neben Sonderpädagogen auch an Erzieherinnen und an begleitenden Kräften.

„Die Idee der Inklusion ist gut“, sagt Siegfried Borgmann, „aber sie führt zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung, weil sie so nicht umgesetzt werden kann“. Und sie führt letzendlich zum „Aus“ der drei Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen im Landkreis Diepholz.

Anders ist das im Nachbar-Landkreis Nienburg. Dort bleiben von den fünf Förderschulen zwei bestehen, weil sie den Schwerpunkt geistige Entwicklung haben.

Im Landkreis Diepholz kümmern sich die Tagesbildungsstätten der Lebenshilfe um den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Außerdem kooperiere der Landkreis mit der „Förderschule Geistige Entwicklung“ in Delmenhorst, fügt Siegfried Borgmann hinzu. Über seinen Schreibtisch laufen auch Förderpläne. „Die Hilfe für den einzelnen Schüler hat mich immer sehr bewegt“, sagt der Regierungsschuldirektor. Ziel sei es immer, den Betroffenen „unter die Arme zu greifen“.

Ein Stück Schulgeschichte mitgeschrieben hat Marianne Carstens als Regierungsschuldirektorin in fast allen Samtgemeinden im Südkreis Diepholz. Denn in vielen kleinen Orten mussten Grundschulen zusammengelegt werden. Aber dadurch seien die Schulleiterstellen auch wieder attraktiv geworden, beschreibt die 65-Jährige einen positiven Nebeneffekt: Die Schülerzahlen sind ein wichtiges Kriterium für die Funktionsstellen.

Herausforderung: Grundschulleiter finden

Schulleiter für die Grundschulen zu finden, war in der Vergangenheit eine enorme Herausforderung. Denn sie erhalten im Vergleich zu den Direktoren an den Oberschulen weniger Geld, müssen aber mehr Aufgaben erledigen. Das sei überregional ein Problem und gelte auch für Haupt- und Realschulen, so Siegfried Borgmann.

„Die Zusammenlegung von Schulen ist kein Patentrezept für dieses Problem“, sagt Marianne Carstens – und beschreibt die Zusammenarbeit mit den Schulvertretern und Kommunalpolitikern als einen „konstruktiven, vertrauensvollen Dialog“. Sie empfindet es als eine „schöne Aufgabe, die Schulleitungen zu unterstützen und ihnen den Rücken freihalten zu können“. So könne man auch zu Lösungen kommen, „die praktisch sind und unkonventionell“.

Mit Blick auf ihren Ruhestand sagt Marianne Carstens: „Ich bin neugierig auf mich selbst!“ Zeit nehmen, sich selbst kennenzulernen, will sich die 65-Jährige. Sie lebt in Bühren bei Nienburg. Mehr Zeit möchte sie auch mit ihrem Enkelkind verbringen. Das plant auch der zweifache Großvater Siegfried Borgmann. Er will außerdem sein Heimwerker-Talent im Haus seiner Familie in Scholen bei Neuenkirchen ausleben – und hat seiner Frau lange Reisen versprochen.

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