Serie „50 Jahre Lebenshilfe Syke“: Interview mit Geschäftsführer Volker Hinte

„Eine erfüllende Aufgabe“

Seit zehn Jahren hat Volker Hinte die Position des Geschäftsführers bei der Lebenshilfe Syke inne. - Foto: Voss

Syke - Auf den Tag genau am heutigen Dienstag, 28. Juni, vor 50 Jahren schlug die Geburtsstunde der Lebenshilfe Syke. Das Jubiläum wird in diesem Jahr mit einer Fülle von Veranstaltungen gefeiert – und in der Kreiszeitung mit einer Serie gewürdigt. Unsere Mitarbeiterin Dagmar Voss sprach mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Volker Hinte über den Blick zurück und den Blick in die Zukunft.

Was geht Ihnen zum Gründungs-Jubiläum durch den Kopf?
Volker Hinte: Wenn man das Jubiläum der Lebenshilfe Syke begeht, denkt man auch schon mal an die vielen Ereignisse und Entwicklungen zurück, die man selbst miterlebt hat – und das waren nicht wenige. Ich bin mittlerweile nun auch schon seit 20 Jahren bei der Lebenshilfe Syke beschäftigt, davon zehn Jahre als Geschäftsführer. Ich bin sehr dankbar, dass ich viele Entwicklungen in der Vergangenheit mitgestalten durfte und das auch in Zukunft tun kann. Die Lebenshilfe Syke ist eine großartige Organisation und die Arbeit für Menschen mit Behinderung eine sehr erfüllende Aufgabe.

Wie und wann ist die Lebenshilfe Syke entstanden?

Hinte: Alles begann am 28.  Juni 1966; um 19.20 Uhr wurde die Gründungsversammlung in Wessels Hotel eröffnet, in deren Verlauf 66 betroffene Eltern und Angehörige den Verein „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind, Kreisvereinigung Grafschaft Hoya e.V.“ gegründet haben, der seit 1996 „Lebenshilfe Syke e.V.“ heißt. Wir können uns heute ja kaum noch vorstellen, was das damals für eine Zeit war. Kinder mit einer geistigen Behinderung galten als nicht bildungsfähig, man sprach ihnen nur eine begrenzte Lebenserwartung zu. Sie hatten keine Perspektive. Es gab für sie keine Schulen, keine angemessenen Wohneinrichtungen, keine Arbeitsplätze.

Welchen Herausforderungen musste sich die Lebenshilfe stellen?

Hinte: In der Pionierphase wurden Einrichtungen, Dienste und Angebote für Menschen mit Behinderung geschaffen, die neu waren. Pädagogische Konzepte und wirtschaftliche Rahmenbedingungen mussten erstmalig entwickelt und mit dem Land und den Kommunen als Kostenträger abgestimmt werden. Mit zunehmendem Wachstum erhöhte sich die Komplexität der Organisation, was eine zunehmende Professionalisierung erforderlich machte.

Die Lebenshilfe muss umfassende Vorgaben beachten und natürlich ihre pädagogischen Konzepte auf der Höhe der Zeit halten. Die Einführung von Integrationsgruppen in den Kindergärten, der gemeinsame Schulunterricht von Kindern mit und ohne Behinderung in Kooperationsklassen, die Errichtung von Wohnheimen in Neubaugebieten sind nur wenige Beispiele für erfolgreich bewältigte Herausforderungen.

Gibt es Entwicklungen in der Gesellschaft, die mit Fortschritten bei der Lebenshilfe einhergehen?

Hinte: In den Anfängen war in der Behindertenhilfe der Fürsorgegedanke handlungsleitend. Menschen mit einer geistigen Behinderung mussten beschützt werden vor einer Umwelt, die sie überforderte. Die alltäglichen Dinge des Lebens wurden ihnen vielfach abgenommen – man traute ihnen schlicht nicht viel zu. Heute reden wir von Inklusion, von unbegrenzter Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wir betrachten Menschen mit Behinderung selbstverständlich als individuelle Persönlichkeiten mit Wünschen, Sorgen und Hoffnungen, die selbst bestimmen sollen, was sie tun und welchen Weg sie gehen.

Als Lebenshilfe wollen wir dabei Hilfe zur Selbsthilfe leisten, damit sie ein Leben so normal wie möglich führen können. Die veränderte Betrachtungsweise spiegelt sich in der Veränderung unserer Angebote und unserer pädagogischen Arbeit wider. Heute betreuen wir in unseren Kindergärten Kinder mit und ohne Behinderung, ebenso kommen in unsere Tagesbildungsstätten behinderte und nichtbehinderte Kinder. Wir halten aktuell ein diversifiziertes Wohnangebot unterschiedlicher Wohnformen vor, bis hin zu unserem inklusiven Wohnprojekt in Syke, wo Menschen mit und ohne Behinderung Tür an Tür miteinander leben. Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in der Gemeinde ist durchgehender Bestandteil der Konzepte unserer Einrichtungen.

Welche Pläne existieren für die nahe und ferne Zukunft?

Hinte: Kurzfristig wollen wir einen neuen Kindergarten in Syke bauen. Das wird ein farbenfrohes Haus, ein bunter Mix unterschiedlicher Betreuungsangebote. Wir planen das Gebäude für zwei heilpädagogische Gruppen, eine Regelgruppe, eine Integrationsgruppe sowie für eine Krippengruppe. Die Eröffnung soll im Sommer nächsten Jahres erfolgen. Außerdem haben wir vor, unseren Familienentlastenden Dienst (FED) in Syke räumlich zu erweitern. Wir wollen weiterhin Schritte in Richtung Inklusion unternehmen. Grundsätzlich ist Inklusion ja ein gesamtgesellschaftlicher Prozess, für den dringend die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.

Welches sind für Sie die größten Erfolge gewesen?

Hinte: Sicherlich gibt es unzählige Beispiele dafür. Ich möchte darauf verzichten, Großereignisse oder besondere Begebenheiten zu erwähnen – die wirklich großen Erfolge erzielt die Lebenshilfe Syke in der tagtäglichen Arbeit ihrer Mitarbeiter mit den uns anvertrauten Menschen.

Es ist ein großer Erfolg, wenn Eltern und Angehörige mit unserer Arbeit zufrieden sind, weil sie sehen, dass ihre Kinder, oder Familienmitglieder bei uns in guten Händen sind und die bestmögliche Betreuung und Förderung erhalten. Es ist ein großer Erfolg, wenn wir sehen, dass ein Mensch mit einer geistigen Behinderung durch gezielte Förderung das für ihn höchstmögliche Maß an Selbstständigkeit und Selbstbestimmung erlangt hat. Das sind die Aufgaben und Ziele der Lebenshilfe Syke, die sie seit nunmehr 50 Jahren erfolgreich wahrnimmt.

Mehr zum Thema:

Leaks nach Manchester-Anschlag: Trump verspricht Aufklärung

Leaks nach Manchester-Anschlag: Trump verspricht Aufklärung

„Hoya ist mobil“ 2017

„Hoya ist mobil“ 2017

Treckertreffen in Dreeke

Treckertreffen in Dreeke

Ginsengfest und Mittelalter-Spektakel in Walsrode

Ginsengfest und Mittelalter-Spektakel in Walsrode

Meistgelesene Artikel

Video: Wolf nahe einer Pferde-Koppel

Video: Wolf nahe einer Pferde-Koppel

Sportpark-Feuer: Jugendstrafen mit Bewährung 

Sportpark-Feuer: Jugendstrafen mit Bewährung 

Abitur in Leeste: „Eine gute Vorbereitung auf die Welt“

Abitur in Leeste: „Eine gute Vorbereitung auf die Welt“

Kommentare