Eine Einführung in die Geheimnisse der indischen Kochkunst

Madame Joy und der Duft von Curry

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Joy Wilkens (rechts) steht ihren Kochschülern mit Rat und Tat zur Seite.

Barrien - Von Juraj Sivulka. Als Joy Wilkens ihre Gäste begrüßt, wird es plötzlich gespenstisch still im Raum. Elf Teilnehmer haben sich in der von Jörg Petersen betriebenen Barrier „Kochsphäre“ eingefunden, um unter der Leitung der in der Region bekannten Köchin in die Geheimnisse der indischen Kochkunst eingeweiht zu werden.

Schon beim Anblick der Zutaten gerät man leicht in Verlegenheit, denn Lebensmittel wie Chayote, Okra oder Papadum kommen Nichteingeweihten doch etwas spanisch (indisch) vor. Doch Joy Wilkens ist zur Stelle, erklärt und beruhigt. So erfährt man schnell, dass die indische Küche zu den vielfältigsten der Welt gehört. Das Essen enthält viel Gemüse, es wird reichlich gewürzt. Vegetarische Speisen sind in Indien sehr beliebt. Auch eine stattliche Menge an Fett spielt eine wichtige Rolle. „Schaut mich doch an, dann seht ihr es“, bemerkt Joy nebenbei. Die Kochschüler lachen.

Schürzen werden verteilt und Namensschilder aufgeklebt. Die Anwesenden werden in Zweier-Gruppen eingeteilt und mit der Aufgabe betraut, nach einer Rezeptvorlage ein Essen zu kochen. Es wird geschnibbelt, gebraten, frittiert, gerührt – das Ergebnis erhält erste Konturen. Und nebenbei gerät man automatisch ins Gespräch mit dem Partner.

Shay stammt aus Israel, kocht gerne und möchte ihre Kenntnisse erweitern. An diesem Abend ist ausnahmsweise auch Joys Tochter Nadine dabei, die etwas zögernd zugibt, dass sie nicht unbedingt gerne kocht: „Es ist schön, so eine Mutter zu haben. Wenn ich zu ihr nach Hause komme, ist alles gekocht.“

Nach knapp zwei Stunden sind die Vorspeisen fertig, alle Zutaten für die Hauptgerichte vorbereitet und die Desserts zum Kühlen gestellt. Nun wird zum ersten Mal zu Tisch gebeten. Doch Jörg war da wohl etwas vorschnell. Mit seiner Raita (Joghurtsoße) längst fertig, hat er sie versehentlich nicht nur in Schalen, sondern auch in Untertassen gefüllt. Joy bemerkt es noch rechtzeitig und lacht. „Männer...“ hört man leise im Hintergrund.

Die Vorspeisen (Vegetable Pakora – in gewürztem Kichererbsenmehl panierte und dann frittierte Gemüsestückchen) schmecken zwar etwas ungewohnt, aber ausgezeichnet. Die Chefköchin lobt ihre Kochschüler und erzählt, dass das indische Essen immer sehr gut durchgegart und frisch serviert werden muss. Eine wichtige Rolle spielt dabei das richtige Würzen. Kurze Zeit später zelebriert sie diese Kunst beim Zubereiten von Hähnchenkeulen. Etwa zehn verschiedene Gewürze werden nacheinander in einer festgelegten Reihenfolge in den Kochtopf gegeben. Ein herrlicher Duft durchflutet den Raum.

Thomas und Francesco haben inzwischen ihren Auftrag erledigt: Sie haben Matar Pulao zubereitet (ein Reisgericht mit Erbsen) und erhalten dafür viel Lob. Das quittieren sie mit einer selbstbewussten Siegerpose und Abklatschen. Kochen ist gerade eben zu einem besonderen Erlebnis geworden.

Nach einer weiteren Stunde stehen alle Speisen verführerisch duftend auf dem festlich gedeckten Tisch. Die Auswahl ist unglaublich vielfältig: Chicken Curry, Fisch Curry, Matar Pulao, diverse Chutneys und andere indische Gerichte. Gemeinsam mit der Chefköchin genießen alle das Mahl. Ein besonderes kulinarisches Erlebnis geht zu Ende und man plaudert beim abschließenden Nachtisch und Wein über die Leichtigkeit, die dieser besondere Abend in sich trug.

Joy Wilkens (66) stammt aus Kalkutta und lebt seit 1965 in Deutschland. Kochen war schon immer ihre Leidenschaft. Ihren Traum von der Selbstständigkeit hat sie sich zunächst mit dem Vertrieb von selbst gemachten Chutneys erfüllt. Der „Stern“ hat sie 2011 unter die 100 besten Lebensmittel in Deutschland gekürt. Seit fünf Jahren betreibt Joy Wilkens in Barrien unter dem Namen „Joy's authentic cooking“ eine eigene indische Kochschule. Auf Kochevents hat sie bereits mit so bekannten Größen wie Johann Lafer, Alfred Schubeck und Nelson Müller zusammen gekocht.

Trotzdem hat Joy Wilkens aber eins nicht geschafft: Ihren Mann Wilfried fürs Kochen zu begeistern. „Wenn meine Frau weg ist, esse ich Pizza oder gehe ins Restaurant“, lacht er.

Weitere Informationen: www.joy-s.de

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