Täter sind gerade in der „dunklen Jahreszeit“ aktiv 

Einbrecher kennen keine Ferien

Akribisch werden Spuren eines Einbruchs an einer Geldkassette gesichert. - Foto: Kreykenbohm

Landkreis - Von Julia Kreykenbohm. Nur mal eben schnell zum Bäcker. Da muss ich doch nicht extra die gekippten Fenster zumachen oder die Haustür abschließen. So denken einige Menschen, weiß Domenico Corbo, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Ein Fehler. Denn Einbrecher kommen keineswegs immer nur im Schutz der Nacht. Und so kann es durchaus passieren, dass nach dem Gang zum Bäcker, bei dem vielleicht noch ein bisschen mit Bekannten geplauscht wurde, ein Fenster aufgehebelt ist.

Eine fremde Person hat sich in der Wohnung, die eigentlich privater Rückzugs- und Wohlfühlort sein soll, umgesehen, Eigentum durchwühlt oder gar mitgenommen. Ein traumatischer Schock für den Besitzer. Selbst, wenn nichts gestohlen wurde, bleibt danach häufig das Gefühl, in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein. Manche Menschen mögen danach nicht mal mehr in ihren Häusern leben.

Domenico Corbo

Corbo weiß um die Gefühle von Einbruchsopfern und möchte deswegen mit ein paar Mythen aufräumen, die sich hartnäckig in der Bevölkerung halten. „Viele glauben, dass die Täter hauptsächlich im Sommer kommen, weil sie die Urlaubszeit nutzen.“ Doch eher das Gegenteil ist der Fall, wie die Statistik belegt. In der „dunklen Jahreszeit“ – also Frühling, Herbst und Winter – sind Einbrecher aktiver, weil sie sich sicherer fühlen. Man könnte sagen, im Oktober geht die „Saison“ richtig los und hält sich bis April auf einem hohen Niveau. Doch eines betont der Polizist ebenfalls: Es gibt kein Sommerloch. Die Täter sind immer unterwegs, nur an manchen Monaten eben stärker. Ein Drittel aller Taten werden tagsüber begangen.

Ein weiterer Satz, der häufig umhergeistert, ist: „Einbrecher können bei mir nichts holen.“ „Die Leute denken dann meist an hochwertige Technik, Laptops oder Flachbildfernseher“, erläutert Corbo. Dabei ist es für die Einbrecher leichter, Schmuck und Geld mitgehen zu lassen. Beides können sie problemlos einstecken und versetzen, beziehungsweise ausgeben. Darüber hinaus müssten sich die Menschen klar machen, dass die Täter ja nicht immer wissen, wo sich der Einbruch lohnt. Selbst wenn sie am Ende nichts stehlen, bleibe der Schreck über die verletzte Intimsphäre und mögliche Furcht im eigenen Haus.

Einbrecher geben nach zwei Minuten auf

Die grundsätzliche Weigerung, Geld in die Sicherung des Hauses zu stecken, penibel darauf zu achten, dass Fenster und Türen geschlossen oder Jalousien heruntergelassen sind, weil Einbrecher ja sowieso in jedes Objekt hineinkämen, wenn sie nur wollten, sei ebenfalls falsch, so Corbo. „Natürlich kann das grundsätzlich sein, aber es kommt doch eher selten vor, dass die Täter so professionell ausgestattet sind, dass sie jedes Schloss knacken.“ Darüber hinaus kann es auch schon helfen, es den Tätern so schwer wie möglich zu machen, denn Analysen hätten ergeben, dass Einbrecher nach etwa zwei Minuten aufgeben, wenn sie bis dahin nicht hineingekommen sind. Denn je länger sie probieren, desto höher die Gefahr, erwischt zu werden.

Doch was können die Bürger tun, außer darauf zu achten, dass das Haus geschlossen ist? „Ein guter Nachbar ist die beste Alarmanlage“, formuliert es Corbo und schmunzelt. Wenn man diesen darüber informiere, wenn man in den Urlaub fährt, ihn bittet, die Post aus dem Briefkasten zu holen, oder einfach darauf zu achten, ob sich fremde Personen herumtreiben, könne das viel bewirken. Dinge wie hohe Hecken seien eher kontraproduktiv.

Wichtig ist Corbo in diesem Zusammenhang: „Wenn ein Verdacht besteht, immer die 110 wählen.“ Die Bürger sollten keinerlei Scheu haben. Weder stehlen sie den Beamten die Zeit, noch habe es Konsequenzen, wenn sich der Verdacht als Irrtum herausstelle. „Wir freuen uns über jeden Anruf und vielleicht wird durch ihn ein wichtiges Puzzelstück geliefert. Bis zu 85 Prozent der Fälle werden mithilfe der Bevölkerung aufgeklärt.“

Aber auch durch technischen Schutz kann viel gewonnen werden. Alarmanlagen oder Zeitschaltuhren an Lichtquellen, die Anwesenheit simulieren. „Bei Anfrage kommt auch ein Kollege vorbei, schaut sich kostenlos die Wohnung aus Tätersicht an und gibt Tipps. Ebenso kann man sich Rat im Internet holen“, sagt Corbo.

Zahlreiche Großkontrollen

Aber natürlich sei auch die Polizei nicht untätig, da Haus- und Wohnungseinbrüche ein Schwerpunkt im Landkreis darstellen. Seit 2015 gibt es zahlreiche Präventionsveranstaltungen und Großkontrollen. Ermittlungsgruppen wurden eingerichtet, die Ausstattung der Funkstreifenwagen verbessert und Personal aufgestockt. Ebenso arbeite man eng mit allen Dienststellen, benachbarten Landkreisen und der Polizei in Bremen und Nordrhein-Westfalen zusammen.

„Auf diese Weise können wir jede vierte oder fünfte Tat aufklären“, berichtet Corbo. Damit liege man über dem Landesdurchschnitt und konnte die Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle von 2015 auf 2016 um 22 Prozent senken. Ein Trend, der sich auch 2017 bislang fortsetzt.

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