Petition für mehr spürbare Unterstützung

Musik im Kirchenkreis Syke-Hoya: „Ein Trauerspiel“

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Dr. Ulrich Ellinghaus fordert mehr spürbare Unterstützung für die Kirchenmusik – und ist damit nicht alleine.

Syke - Von Katharina Schmidt. „Wir fordern deutlich mehr finanzielle Unterstützung für die Musik in unseren Kirchen im Kirchenkreise Syke-Hoya.“ Dies ist die Kernaussage einer Petition, die bis Mittwoch Abend bereits rund 100 Personen unterzeichnet haben.

Ihr Protest richtet sich an Entscheidungsträger der evangelischen Landeskirche und des Kirchenkreises. Dr. Ulrich Ellinghaus aus Syke hat die Petition federführend aufgesetzt. Er ist Vorstandsvorsitzender des Fördervereins für Gospel- und Kirchenmusik, selbst Chorsänger und der Kirche von Kindesbeinen an verbunden.

Ellinghaus kritisiert, dass es beim Kirchenkreis nur noch 1,3 Vollzeitstellen für fest angestellte Musiker gebe. Den Rest der Arbeit leisteten selbstständige und unzureichend bezahlte Honorarkräfte, geringfügig Beschäftigte sowie Ehrenamtliche. „Ein echtes Trauerspiel“, heißt es diesbezüglich in der Petition.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat der Umstand, dass der Förderverein für Gospel- und Kirchenmusik sich laut Ellinghaus gezwungen sieht, den Chorleiter für den Syker Gospelchor ab sofort selbst anzustellen – und damit das finanzielle Risiko zu 100 Prozent zu tragen.

Gospelchor muss Chorleiter selbst bezahlen

Hintergrund: Zuvor war der Leiter auch für andere musikalische Aufgaben bei der Kirche beschäftigt. Er hat gekündigt und widmet sich nun einem neuen Job. Der Gospelchor will aber nicht auf ihn verzichten. „Er hat uns in den vergangenen zwei Jahren musikalisch so viel weitergebracht, dass wir ungern auf ihn verzichten würden“, so Ellinghaus.

Auch der Leiter selbst kommt für den Chor gerne zeitweise an seine alte Wirkungsstätte zurück. Deswegen kommen die Sänger jetzt in gewisser Weise selbst für ihren Frontmann auf. Sie alle sind im Förderverein, der sich zum großen Teil aus Mitgliedsbeiträgen finanziert.

Vor ein paar Monaten betitelte die Synode der Landeskirche einen Artikel mit den Worten „Die Musik ist das Fundament der Kirche“. Über diese Überschrift kann Ellinghaus angesichts der aktuellen Lage nur den Kopf schütteln. „Was ich dort lese, ist das komplette Gegenteil davon, was ich hier im Kirchenkreis erlebe“, sagt er. „Für mich sind das Lippenbekenntnisse und politische Statements.“

Dem Vorsitzenden zufolge ist es riskant, immer mehr Aufgaben auf das Ehrenamt abzuwälzen – das gelte nicht nur für die Kirche. In Zukunft könnte es immer schwieriger werden, Menschen fürs Ehrenamt zu gewinnen. Bei denjenigen, die sich engagieren, nimmt er mangels Unterstützung Frustration wahr.

Kirche auf Ehrenamtliche angewiesen

Dr. Jörn-Michael Schröder, Superintendent des Kirchenkreises Syke-Hoya, betont, dass die Kirche auf Ehrenamtliche angewiesen sei. „Wir verlieren jedes Jahr durch den demografischen Wandel und Austritte Mitglieder“, führt er aus. Dies schlage sich in den Finanzen nieder. Die Verluste seien nur durch Menschen zu kompensieren, die Zeit und Geld spenden. „Das erklärt natürlich, dass es hier und da knirscht.“ Die Kirche sei den Freiwilligen sehr dankbar.

Er verweist zudem darauf, dass die Kirchengemeinden und die Kirchenkreismusikerstiftung die Chöre finanziell unterstützen. Ellinghaus entgegnet, dass das Geld der Kirche nur indirekt bei den Chören ankomme. Die Sänger könnten zum Beispiel bei der Kirchengemeinde um Geld bitten, um Veranstaltungen zu stemmen.

„Die Kirche ist sicherlich in einer schwierigen Situation“, bekräftigt der Fördervereinsvorsitzende. „Aber da muss man sehen, wie man die Segel neu ausrichtet. Die Kirche tut sich schwer, Veränderungen zu begegnen und die richtigen Lösungsansätze zu finden.“ Als Unternehmensberater weiß er, was es heißt, zu restrukturieren und zu sparen. „Aus unternehmerischer Sicht würde ich schauen, was Marktpotenzial hat.“

Kirche spare sich kaputt

Musik hat seiner Meinung nach dieses Marktpotenzial. Konzerte lockten viel mehr Personen in die Kirche als Gottesdienste. Doch an dieser Stelle spare sich die Kirche kaputt, bedauert er. Sie gestalte nicht, sie verwalte. Ellinghaus sagt explizit, dass sich seine Kritik nicht auf den Kirchenvorstand der Gemeinde bezieht, sondern auf die obere Leitung.

„Ich wünschte fast, dass einmal beim Heiligabendgottesdienst Totenstille ist“, sagt er. „Vielleicht werden dann mal bestimmte Leute wach.“ Ellinghaus, der seit seiner Kindheit bei der Kirche aktiv ist, spielt mittlerweile mit dem Gedanken, auszutreten.

Ulrich Ellinghaus will die Petition im Gemeindebüro der Christusgemeinde Syke auslegen. Online ist sie auf der Plattform change.org zu finden:

chn.ge/2FDZqRC

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