„Ein tödliches Wochenende“: Theaterstück um die menschlichen Abgründe

Hickhack auf Gummibällen

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„Wohlsein!“ Zu einem Therapiewochenende finden sich fünf neurotische Menschen mitten im Nirgendwo. Das Treffen und seinen eigenartigen Verlauf konnten die Besucher des Theaters am Dienstagabend verfolgen.

Syke - Von Detlef Voges. Ein Schuss, Licht aus, Vorhang, Licht an. Das Publikum reagierte am Dienstagabend im Theater etwas ratlos auf das Finale des Psycho-Krimis „Ein tödliches Wochenende“ und spendete erst zaghaft Beifall. Kommt noch was, sollte das heißen. Nein, das war es. Das Ende blieb offen.

Daran muss man sich erst einmal gewöhnen in einer Welt, in der nichts mehr geheim scheint. Bleibt ja am Schluss auch die Frage, ob das Wochenende wirklich tödlich war. Ostfriesen-Krimi-Autor Klaus-Peter Wolf und Michael Hoch hatten dem Zuschauer mit ihrem Stück eine wirklich harte Nuss zu knacken gegeben. Das menschlich Eingemachte setzte das Ensemble des Bremer Tourneetheaters temporeich, kurzweilig und spannungsgeladen um. Hinter jeder Szene drohte eigentlich die Eskalation.

Es ist ja auch eine wahrlich neurotische Städter-Truppe, die sich zu ihrem letzten Therapiewochenende in der Provinz in einer Hütte trifft, um ihre verkrüppelten Seelen zu heilen: eine egomanische Lehrerin (Sissi Zängerle), eine unterwürfige Apothekerin (Silke Bollhorst), eine tablettenabhängige Ärztin (Kirsten Meier-Ebert), ein berechnender Unternehmer (Frank Stuckenbrok) und ein opportunistischer Anwalt (Claus Franke). Um die verkorkste Kindheit und die eingemauerte Gefühlswelt seiner Klienten aufzubrechen, konfrontiert sie Therapeut Harry (Ullrich Matthaeus, auch Regie) mit einem perfiden Spiel.

Was auf großen Gummi-Gymnastikbällen, offenkundig den modernen Therapiesymbolen und Nachfolgern des Freudschen Sofas, relativ locker beginnt, wird zum handfesten und seelischen Hickhack. Der Therapeut tauscht die Gummibälle gegen ein großes Schlauchboot. Das Quintett soll darin Platz nehmen. Aber: Damit vier überleben können, müsse einer raus. Das klassische „Wo-sind-meine-archaischen-Wurzeln?“- Spiel.

Diese kommen auch umgehend zum Vorschein. Der anfängliche Protest der Therapie-Klienten verkehrt sich schnell in eine eigene Überlebensstrategie. Jeder setzt auf seine Unentbehrlichkeit. Wer könne denn wohl einen Blinddarm beseitigen, außer ihr, sagt beispielsweise die Ärztin. Die fünf Neurotiker gehen sich an die Wäsche.

Das Ende des Gemetzels verhindert ein Polizist, der einen Mörder sucht. Ein Junge aus dem Dorf ist überfahren worden. Der Fahrer ist Richtung Hütte weitergefahren. Aus dem Spiel wird endgültig Ernst, als der Vater des Jungen den Mörder in der Therapiegruppe vermutet und zur Selbstjustiz greift. Der Täter solle herauskommen, dann könnten die anderen gehen.

Was im Schlauchboot seinen Anfang nahm, treibt nun der Entscheidung entgegen. Die Klienten bezichtigen sich gegenseitig, werden handgreiflich. Als sie alle gemeinsam vor die Hütte treten, fällt ein Schuss…

Eine rasante Inszenierung, die auch dank des Schlusses nachwirkte. Den Spannungsbogen hoch hielt das Ensemble durch engagiertes Spiel, Regisseur Matthaeus zudem durch interessante Parallelräume im Theater. So agierten Akteure teilweise außerhalb der Bühne, dramaturgisch besondere Dialoge nahm die Regie durch erhellendes Scheinwerferlicht in den Fokus.

Das offene Ende passt zu einem Krimi, bei dem es nicht um die Tat, sondern die menschlichen Abgründe drumherum geht.

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