Lüttje-Lüüd-Umbenennung: Kreisheimatbund-Chef empört

„Ein Schlag ins Gesicht“

Der Artikel, der Claus-Dieter Lösche auf die Palme bringt: Am Montag berichteten wir über die Umbenennung des Kindergartens Lüttje Lüüd in Entdeckerkiste.
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Der Artikel, der Claus-Dieter Lösche auf die Palme bringt: Am Montag berichteten wir über die Umbenennung des Kindergartens Lüttje Lüüd in Entdeckerkiste.
  • Frank Jaursch
    vonFrank Jaursch
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Syke – Der Blick in die Zeitung endete für Claus-Dieter Lösche am Montag mit einem Schock. „Das gibt’s doch nicht!“ So reagierte der langjährige Leiter des Gymnasiums Syke und aktuelle Vorsitzende des Kreisheimatbundes (KHB) auf den Kreiszeitungs-Artikel über die bevorstehende Umbenennung des Kindergartens Lüttje Lüüd in Entdeckerkiste.

Auch Tage später hat sich der sichtbare Unmut von Lösche nicht ganz verflüchtigt. Im Gespräch mit der Kreiszeitung wirft er den Entscheidungsträgern Ignoranz und einen Mangel an Reflexionsfähigkeit vor.

Die Änderung „ist ein Schlag ins Gesicht aller Freunde und Förderer“ der plattdeutschen Sprache, erklärt Lösche. In den vergangenen Tagen habe der Vorstand des KHB eine ganze Reihe an Reaktionen von Bürgern bekommen, die ihr Unverständnis über die Entscheidung der Verwaltung zum Ausdruck brachten.

Lösche ist überzeugt, dass sich die Entscheidungsträger keine oder zu wenig Gedanken über die Folgen der Umbenennung gemacht haben. „Was erreicht man, wen trifft man damit?“ In seinen Vorwurf schließt er auch Sykes Bürgermeisterin Suse Laue ein, die den neuen Namen auf der Stadtratssitzung im Rahmen des „Berichts der Bürgermeisterin“ mitgeteilt hatte. „Und wenn dann der neue Name da hängt, kümmert’s eh keinen mehr“, glaubt Lösche.

Mit der Umbenennung der Kita, die in einem Wohngebiet mit durchgehend plattdeutschen Namen steht, bekomme die Angelegenheit „eine politische Dimension“, so Lösche. Das Bekenntnis der Stadt zur plattdeutschen Sprache, die in der Namensgebung der Straßen zum Ausdruck kam, sei durch die Abkehr vom plattdeutschen Kita-Namen „zu einer hohlen Symbolpolitik“ degradiert worden. Dem plattdeutschen Namen solle eine besonders aufmerksame Beachtung geschenkt werden – „gerade weil der bisherige Name ein Alleinstellungsmerkmal in der Syker Kita-Landschaft ist“.

Der ausgewählte neue Name der Kita bekommt von Claus-Dieter Lösche keine gute Note. Er bezeichnet den Begriff Entdeckerkiste als „arm, fantasielos und von seiner Aussage blass“ und erklärt: „Kinder sind per se neugierig und auf Entdeckungsreise. Nun kommen sie in eine Kiste – oder dürfen sich aus der Kiste mit dem bedienen, was das Personal für sie ausgesucht hat. Damit wird nicht entdeckt, sondern Vorgefertigtes benutzt.“

Er habe überhaupt nichts gegen eine Umbenennung, betont der KHB-Vorsitzende. Dieser müsse jedoch auf einem Profil beruhen, das inhaltlich ausgestaltet und namentlich gekennzeichnet sei.

Wenn man dann über einen neuen Namen nachdenke, sollten bei der Umbenennung die Möglichkeiten der plattdeutschen Sprache genutzt werden. „Dafür gibt’s genug Ansprechpartner“, sagt er und verweist auf die vielen „Plattsnacker“ in Syke, die sich zum Beispiel regelmäßig im Kreismuseum treffen. „Im Plattdeutschen kann man viele Dinge viel schöner, klarer sagen.“

In seine Rundum-Kritik schließt Lösche auch den Stadtrat mit ein. Er hätte sich eine eindeutigere Reaktion der Mitglieder gewünscht. Stattdessen habe das oberste Syker Gremium „schläfrig“ reagiert. Erst durch den Kreiszeitungs-Artikel sei die Angelegenheit in die Öffentlichkeit gekommen.

Heute beginnt ein neues Kindergarten-Jahr. Mit dem heutigen Tag ist der Name Lüttje Lüüd in Syke Geschichte. Für Claus-Dieter Lösche ist das kein Grund, die Sache abzuhaken. „Ich bin sicher: Man kann das auch zurücknehmen.“

Von Frank Jaursch

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