Erzähl-Café: Ein Hauch von Afrika weht durch die Alte Posthalterei

„Ein komisches Gefühl, alleine zu sein“

Sönke Ziemer (Bramstedt), Femke Agena (Bramstedt) und Janna Perbix berichteten im Erzählcafé über ihre Erfahrungen als Lehrkräfte in Ostafrika. - Foto: Sivulka

Syke - Als Johannes Huljus, Vorsitzender des Vereins „Rund ums Syker Rathaus“, seine Gäste mit den Worten begrüßt, viele deutsche Denker und Dichter seien durch ihre Reisen stark geprägt worden, ahnt er womöglich in diesem Augenblick den wahren Gehalt seiner Worte noch nicht. Nach dem Vortrag von Femke Agena (Bramstedt), Janna Perbix (Leipzig) und Sönke Ziemer (Bramstedt), die ein Jahr als Lehrer in Ostafrika verbracht haben, ist den zahlreichen Besuchern eines klar: Der Freiwilligendienst hat bei allen drei Studenten bleibende Spuren hinterlassen.

Der Erzählabend mit dem Titel „Wir in einer anderen Kultur“ beginnt mit einem Gospelstück aus Afrika, und schon fühlt man sich in eine besondere Welt versetzt. Diese tritt ganz nahe, als Janna aus ihrem Tagebuch vorliest. Zwölf Monate in Bamburi (Kenia) haben Spuren hinterlassen. Zunächst ohne Wasser und Duschen, Schlafen auf einfachen Matratzen, viele bettelnde Kinder – das sind die ersten prägenden Erlebnisse. „Einmal lief mir eine Schar von Kindern einfach hinterher, am nächsten Tag eine ganze Kuhherde. Das war schon ein Kulturschock“, erzählt Janna.

Nicht anders ergeht es Femke, die an einer Gehörlosenschule in Kabasanda (Uganda) unterrichtet. Sie muss zunächst die Gebärdensprache erlernen, doch bald merkt sie die unglaubliche Freundlichkeit und Nähe ihrer Schüler: „Ich habe in der Schule gewohnt, die Schüler auch, und wenn ich mich am Nachmittag zehn Minuten nicht blicken ließ, dachten schon alle, ich sei krank und klopften an meine Tür. Daran musste ich mich zunächst gewöhnen.“ Spätestens in diesem Augenblick wird klar, in Kenia und Uganda leben kontaktfreudige Menschen, die Gemeinschaft spielt hier eine wichtige Rolle.

Sönke unterrichtet wiederum als Kunst-und Sportlehrer in Ghazi (Kenia) und berichtet von der sportlichen Begeisterung der Schüler. „Wir fuhren mit einem Kleinbus, in dem 30 Kinder saßen, zu einem Sportfest. Beim Hochsprung gab es gar keine Matte, die Sportler landeten einfach auf dem Boden. Bei den Höhen um 170 Zentimeter ist das hierzulande unvorstellbar.“ Er erzählt von der Schönheit der Landschaft und von zahlreichen Wanderungen, die aber, wenn man sich im Wald verläuft, wegen wild lebender Tiere lebensgefährlich sein können („Meiner Mama habe ich das vorsichtshalber nicht erzählt, sonst wäre sie womöglich aus Deutschland angereist und hätte mich abgeholt“). Auch die Esskultur des gastgebenden Volkes ist Thema an diesem Abend. In der Pause besteht sogar die Möglichkeit, das Nationalgericht „Ugali“ (Mais mit Wasser aufgekocht und zu einem Teig geknetet) zu kosten.

Die Vorträge sind sehr lebendig, Fotos begleiten die Darstellungen, die Zuhörer erfahren, dass das Altersdurchschnitt der Bevölkerung in Uganda 15 Jahre beträgt, in Kenia eine Durchschnittsjahrestemperatur von 29,7 Grad herrscht und dass es in diesen Staaten, obwohl es Nachbarländer sind, etliche Unterschiede gibt.

Viele Fragen aus dem Publikum deuten darauf hin, dass der Vortrag die Zuhörer gepackt hat. Unter ihnen findet man sogar wahre Experten. Heino Andreas besucht jedes Jahr seinen Sohn, der in Südafrika als Dozent an einer Universität arbeitet, aber auch andere Besucher vermitteln den Eindruck, dass ihnen „der mysteriöse Kontinent“ nicht fremd sei.

Femke, Janna und Sönke sind sich einig, dass der Aufenthalt in Afrika sie für andere Kulturen sensibler gemacht hat und dass man oft selbst nicht sieht, in welchem Luxus und Überfluss die Menschen in Deutschland leben. Dies merkten alle drei unmittelbar nach der Rückkehr. Und trotzdem: „Plötzlich fanden wir es zu Hause langweilig und hatten auf einmal ein komisches Gefühl, alleine zu sein.“

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