Arbeiterwohlfahrt schafft neue Strukturen an der Glockenstraße

Ein Kaufhaus ohne Kaufhaus

Dem Awo-Haus an der Glockenstraße in Barrien steht ein größerer Umbau bevor. Im Erdgeschoss will der Kreisverband eine Tagespflege einrichten. Die Sozialstation – das ist die ambulante Pflege – zieht eine Etage höher. Der Rest des Obergeschosses wird Büro und Verwaltung.
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Dem Awo-Haus an der Glockenstraße in Barrien steht ein größerer Umbau bevor. Im Erdgeschoss will der Kreisverband eine Tagespflege einrichten. Die Sozialstation – das ist die ambulante Pflege – zieht eine Etage höher. Der Rest des Obergeschosses wird Büro und Verwaltung.

Barrien – Frage an Radio Eriwan: Ist es wahr, dass es in Barrien immer noch ein Sozialkaufhaus der Arbeiterwohlfahrt gibt? – Antwort Radio Eriwan: Im Prinzip ja. Nur nicht als Kaufhaus.

Tatsache ist: Das Gebäude an der Glockenstraße gibt es immer noch. Die Awo ist immer noch drin und das soll auch so bleiben. Und es gibt weiterhin einen sozialen Verkauf von Bekleidung, Möbeln und Haushaltseinrichtungen in Barrien. Aber eben nicht mehr in diesem Gebäude, sondern verteilt auf zwei andere. Im Gespräch mit der Kreiszeitung erklärten Kreisvorsitzender Jonathan Kolschen und Geschäftsführerin Luzia Moldenhauer, wie alles gekommen ist und wie es weitergeht.

Nichts mehr drin: Awo-Geschäftsführerin Luzia Moldenhauer und Kreisvorsitzender Jonathan Kolschen zeigen’s. Hier im alten Saal der ehemaligen Gaststätte Hollwedel war bis vor Kurzem noch der Haupt-Verkaufsraum des Awo-Sozialkaufhauses.

Das Awo-Haus an der Glockenstraße ist das frühere Gasthaus Hollwedel. In den 1990er-Jahren kaufte die Arbeiterwohlfahrt das Gebäude und hatte damals schon das Ziel, ein Sozialkaufhaus dort einzurichten. Zunächst blieben die Räume aber vermietet – an eine Tanzschule und ein Restaurant. Von den Einnahmen finanzierte die Awo das für den Kauf notwendige Darlehen.

Als das abbezahlt war, richtete der Kreisverband sein Sozialkaufhaus ein. Die Waren stammten aus Spenden oder Haushaltsauflösungen. „Ende 2018 hatten wir dann das erste Mal umstrukturiert“, sagt Kolschen. Die ambulante Pflege zog aus angemieteten Räumen an die Glockenstraße um. Dafür mussten ein paar Kaufhaus-Abteilungen Platz machen und zusammenrücken.

Kurze Zeit danach kam dann die Hiobsbotschaft, als es um einen weiteren Umbau ging und ein Architekt sich das Gebäude dafür näher anschaute. „Eigentlich wäre nicht mal das genehmigungsfähig gewesen, was wir zu diesem Zeitpunkt schon hier gemacht haben“, sagt Kolschen. Vor allem der Brandschutz hatte nicht mehr den aktuellen Anforderungen genügt. Die allein dafür erforderlichen Umbauten hätten laut Kolschen 100- bis 200 000 Euro gekostet. Eine Summe, die der Kreisverband nicht mal eben so übrig hat. Und Fördergelder für den Umbau eines bestehenden Betriebs hätte es nicht gegeben. „Wir haben uns ernsthaft gefragt, ob wir das Haus überhaupt behalten können oder verkaufen müssen.“

Eine echte Zwickmühle: Ohne Umbau kann die Awo das Haus nicht weiter betreiben, aber ohne Fördermittel kann sie den Umbau nicht finanzieren. Die Lösung lautete: Was Neues machen. Etwas, das förderfähig wäre. „Die Idee von der Tagespflege lag da nicht weit weg“, sagt Kolschen. Nicht zuletzt, weil sich darüber auch der Eigenanteil an den Kosten wieder refinanzieren ließe.

Damit war aber auch klar: Das Sozialkaufhaus hätte im Awo-Gebäude keinen Platz mehr. Das Alte Pfarrhaus und der ehemalige Supermarkt an der B 6 waren kurz als Alternativstandorte im Gespräch. Daraus ist aber nichts geworden.

Mit dem Bekleidungssortiment hat die Awo sich jetzt in der Boutique gegenüber eingemietet. Sie war zum Jahreswechsel frei geworden.

„Ende 2020 haben wir dann erfahren, dass die kleine Boutique im Nachbarhaus schräg gegenüber aufgibt“, erzählt Luzia Moldenhauer. „Wir haben gleich Kontakt zur Vermieterin aufgenommen und sind uns sofort einig geworden.“ Das hieß aber auch: Das Sozialkaufhaus würde weiter bestehen – allerdings ohne ein echtes Kaufhaus zu bleiben.

Probesitzen auf der Couch in der Awo-Möbelstube: Luzia Moldenhauer, Jonathan Kolschen und Mitarbeiter Kevin Harnack.

Der Verkauf ist jetzt auf zwei Standorte verteilt: In der Boutique gibt es das gesamte Bekleidungssortiment, Schuhe und Accessoires. Die restlichen Abteilungen sind gegenüber vom Haupthaus in der bisherigen Möbelstube zusammengerückt. „Es hat keine Kündigungen gegeben“, betont Luzia Moldenhauer.

Und wie geht es jetzt im Haupthaus weiter? Jonathan Kolschen klärt auf: Es gibt einen Plan für den Umbau, es gibt eine Förderzusage und es gibt eine Baugenehmigung. Aber es geht noch nicht los. „Weil die Baukosten explodiert sind.“ Das Problem ist: „Wir müssen irgendwann anfangen. Sonst verfallen die Fördergelder und die Baugenehmigung.“ Die Überlegung lautet jetzt: Im Herbst die Gewerke ausschreiben und 2022 anfangen.

Das Sozialkaufhaus im Internet

Von Michael Walter

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