Kreismuseums-Leiter Dr. Ralf Vogeding über Corona, den Goldhort und die Aussichten für 2021

Ein Jahr der vielen Fragen

Kaum mehr als ein Jahr ist dieses Bild vom Kunsthandwerkermarkt auf dem Museumsgelände alt – und scheint doch aus einer ganz anderen Zeit zu stammen. Mehr als 40 000 Besucher kamen 2019 ins Kreismuseum. In diesem Jahr werden es höchstens 15 000 sein. Und was kommt im kommenden Jahr?
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Kaum mehr als ein Jahr ist dieses Bild vom Kunsthandwerkermarkt auf dem Museumsgelände alt – und scheint doch aus einer ganz anderen Zeit zu stammen. Mehr als 40 000 Besucher kamen 2019 ins Kreismuseum. In diesem Jahr werden es höchstens 15 000 sein. Und was kommt im kommenden Jahr?

Syke – Schönes Wetter, über 40 000 Besucher auf den zahlreichen Veranstaltungen: 2019 war ein gutes Jahr für das Kreismuseum. So geht es aus dem Jahresbericht hervor, den Leiter Dr. Ralf Vogeding jetzt vorgelegt hat.

Ende 2020 gibt’s den Bericht für 2019: Ist das nicht ein bisschen spät? „Normalerweise legen wir unsere Berichte im Frühjahr im Betriebsausschuss des Landkreises vor“, erklärt Vogeding. „Der fiel aber durch den Lockdown aus. Der Nachholtermin war jetzt Anfang November.“

Damit ist der Jahresbericht praktisch selbst schon ein historisches Dokument. „Alle waren 2019 so zufrieden, dass wir fanden, so könnte es immer sein“, sagt Vogeding. Es sollte ganz anders kommen.

Für 2020 rechnet Vogeding mit vielleicht noch 15 000 Besuchern, wenn’s hochkommt. „Ende Februar hatten wir noch die Theaterwerkstatt eröffnet, und im März wurde es dann heiß mit Corona.“ Praktisch alle größeren Veranstaltungen bis August fielen aus. Der gesamte Bereich Museumspädagogik lag brach. Nach den Sommerferien durften die Schulen wiederkommen, Vogeding und seine Mitarbeiter hofften auf ein noch erträgliches zweites Halbjahr. Es sah auch ganz gut aus: „Die Anfragen prasselten nur so auf uns ein. Unsere Mitmach-Aktion ,Vom Korn zum Brot‘ war die mit Abstand gefragteste. Wir haben sie extra coronagerecht umkonzipiert mit gruppenweise zehn Schülern pro Mitarbeiter, mit Abständen und Hygieneregeln. Dann kamen die Herbstferien, und danach gingen die Zahlen wieder hoch.“ Und im November war das Museum wieder zu. „Wir haben im Haus lediglich Veranstaltungen der VHS. Die dürfen stattfinden, weil sie unter Bildung fallen. Wir fallen unter Kultur und dürfen selber nicht.“

Ein Jahr des Herumtüftelns sei 2020 gewesen, sagt Vogeding. Und ein Jahr der Fragen: „Machen wir das? Dürfen wir das? Können wir das? Verschieben wir das? Müssen wir Kurzarbeit anmelden für unsere Aufsichtskräfte?“ In seiner Existenz gefährdet sei das Museum aber nicht. „Wir generieren nur einen ganz kleinen Teil unseres Budgets aus den Eintrittseinnahmen. Der Großteil kommt aus der Dividende der Aktienanteile des Landkreises an der Avacon. Wie auch bei der Musikschule und der VHS. Im Moment ist die für alle drei Betriebe gut. Wir kommen dieses Jahr hin, ohne dass wir Schwierigkeiten haben. Wir müssen uns zwar ein bisschen nach der Decke strecken, aber wir sind nicht gefährdet.“

Innerlich haben Vogeding und sein Team das Jahr schon abgeschlossen. Die Planungen für 2021 laufen. Auch wenn noch keiner weiß, wie lange Corona noch ein Thema sein wird. „Wir konzipieren die Aktions- und Marktsonntage ganz normal. Als würden wir wissen, dass wir sie machen können wie immer. Wir planen für Mai auch ein ganzes Themenwochenende zur Bronzezeit. Als Anknüpfung an den Gesseler Goldhort, weil der Fund bronzezeitlich ist. Wobei wir wissen, dass wir nicht wissen, ob wir das auch tatsächlich durchführen können. Wie soll man sowas auch sonst planen? Innerhalb von drei Wochen geht das nicht.“

Ralf Vogeding geht allerdings davon aus, dass Abstand halten auch 2021 noch ein Thema sein wird. Also plant er alle Abläufe mit durchgängig weniger Besuchern auf dem Gelände. „Das haben wir im Hinterkopf.“

Für etliche Veranstaltungen nächstes Jahr müssten eigentlich noch diesen Monat Anträge auf Fördergelder rausgehen. „Einen hab ich gerade mal vorgeschrieben“, sagt Vogeding. „Zu mehr bin ich nicht gekommen. Trotz des Lockdowns hatten wir noch nie so viel zu tun wie dieses Jahr.“ Nicht zuletzt wegen des Baus am Forum Gesseler Goldhort.

„2022 wäre mein letztes Jahr am Kreismuseum“, sagt Vogeding. „Wenn wir das wieder so machen könnten, wie wir es bis 2019 konnten, das wäre für mich ein schöner Abschluss.“

Von Michael Walter

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