Laudatoren würdigen Ausnahme-Leistung

Ein halbes Jahrhundert Vorsitzender: Gert Weidenhöfer gibt Amt zurück

Abschied vom Forstverband: Gert Weidenhöfer (r.) übergibt sein Amt an Andreas Schütze (Mitte). Links Geschäftsführer Heinz Brinkmann.
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Abschied vom Forstverband: Gert Weidenhöfer (r.) übergibt sein Amt an Andreas Schütze (Mitte). Links Geschäftsführer Heinz Brinkmann.

Landkreis Diepholz – Stehend spendeten die Mitglieder des Forstverbands der Grafschaften Hoya und Diepholz Beifall: Im Syker Theater würdigten sie so am Freitag die Ausnahme-Leistung von Gert Weidenhöfer – genauso wie mehrere Laudatoren. Exakt 49 Jahre und vier Monate hat Weidenhöfer diese Vereinigung der privaten Waldbesitzer geführt und ein halbes Jahrhundert Waldwirtschaft mit geprägt.

Mit einem festen Händedruck beglückwünschte der 80-Jährige seinen Nachfolger Andreas Schütze. Er hat das einmütige Votum der Mitglieder erhalten.

Eigentlich, so überlegte der stellvertretende Landrat Volker Meyer, hätte der scheidende Vorsitzende die 50 Jahre voll machen können. Dessen Wirken skizzierte Meyer mit markanten Zahlen. Bei seiner Wahl am 4. Mai 1972 hatte der Verband 764 Mitglieder mit 5 937 Hektar Waldfläche. Vor vier Jahren, nach der Fusion mit dem Waldbauverein Diepholz, stieg die Mitgliederzahl auf 1 370 und die Waldfläche auf 9 547 Hektar. Heute sind es 1 531 Mitglieder und 10 825 Hektar. „Das zeigt seinen großen persönlichen Einsatz“, würdigte Volker Meyer das Wirken Weidenhöfers.

Auch dessen Stellvertreter Werner von Behr hatte das Jahr 1972 im Blick: „Willy Brandt war Bundeskanzler, es gab Bombenanschläge der Rote Armee Fraktion und die Ölkrise mit dem Autofahrverbot.“ Der Laudator verglich die lange Amtszeit des Vorsitzenden mit der bundesdeutschen Geschichte: „Wir haben 16 Bundesregierungen mit fünf Bundeskanzlern gehabt, der Forstverband in dieser Zeitspanne aber immer denselben Vorsitzenden. Die Führungsperson war immer Gert Weidenhöfer.“

Nachhaltigkeit sei bei dem scheidenden Vorsitzenden keine Worthülse gewesen, sie habe sich durch sein Leben gezogen, sagte Werner von Behr und lobte Weidenhöfers „umsichtige, weitsichtige, nachhaltige Führung“. Genauso erinnerte er daran, dass Geschäftsführer Heinz Brinkmann ebenso zuverlässig die Geschäftsführung gestalte – seit 41 Jahren.

Gert Weidenhöfer hatte zuvor seinen 50. und letzten Jahresbericht präsentiert – unaufgeregt, aber in großer Sorge wegen einer notwendigen Neuregelung bei der Beratung und Betreuung der Mitglieder. Die bisherige ist nicht EU-konform. „Es müssen Ausschreibungen her. Die Kosten werden sich für uns verdoppeln!“, beschrieb der Vorsitzende die Folge für den Forstverband. Wenigstens die Waldbesitzer könnten sich die Mehrkosten erstatten lassen. Unabhängig davon übte Weidenhöfer Kritik an der lähmenden Bürokratie, die nicht nur den Forstverband und seinen Geschäftsführer belaste. Sie müsse unbedingt abgebaut werden: „Das muss die Zukunft sein!“

Lange Schatten hatte auch die extreme Trockenheit auf die Waldwirtschaft geworfen. Die Dürrejahre 2018, 2019 und 2020 hatten den Borkenkäfer beflügelt: „Das Todesurteil für viele Bäume.“ So waren die 33 750 Festmeter Schadholz zu erklären, die der Forstverband im vergangenen Jahr hatte aufarbeiten lassen.

64 neue Mitglieder mit einer Fläche von 321,64 Hektar hatten sich dem Fortverband im vergangenen Jahr angeschlossen – dem standen 25 Austritte und ein Minus von 79,19 Hektar gegenüber, so stellte der Geschäftsführer klar. Von den insgesamt 10 183,82 Hektar Waldfläche liegen 4 132 (41 Prozent) in der Bezirksförsterei Harpstedt. 36 Prozent, sprich 3 670 Hektar, umfasst die Bezirksförsterei Hoya und 2 382 (23 Prozent) gehören zur Bezirksförsterei Sulingen.

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Zurück zum Jahreseinschlag 2020, von dem 38 Prozent als Industrieholz verwertet werden mussten. 15 Prozent waren nur als Energieholz nutzbar. Das Stammholz umfasste 47 Prozent, also knapp die Hälfte.

Es sind vor allem Fichten (72 Prozent), die auf den Waldflächen des Forstverbands stehen, während Buchen und andere Laubhölzer 13 Prozent der Fläche belegen. Kiefern und Lärchen umfassen neun Prozent, Eichen und Roteichen 6 Prozent.

Eine „herausragende Rolle für die Entwicklung des Waldes“ bescheinigte Professor Ludwig Theuvsen, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, den Privatwaldbesitzern.

Die extremen Wettereignisse der vergangenen Jahre hätten dem Wald sehr zugesetzt. Das Landwirtschaftsministerium wolle den Waldbauern ein Förderangebot zur Seite stellen.

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