Ausbildungszahlen: Unterschiedliche Entwicklung in verschiedenen Branchen

Ein ganzer Jahrgang fehlt

Im Handwerk sind die Lehrlingszahlen stabil.  
Symbolfoto: dpa
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Im Handwerk sind die Lehrlingszahlen stabil. Symbolfoto: dpa

Landkreis Diepholz – Die Zahl der Auszubildenden hat sich im Landkreis Diepholz unterschiedlich entwickelt – und ist im Handwerk relativ stabil. Das geht aus der Bilanz der Kreishandwerkerschaft, der Agentur für Arbeit und der Industrie- und Handelskammer (IHK) hervor. Geprägt war das Ausbildungsjahr auch davon, dass ein Abiturjahrgang fehlte.

Bei der Agentur für Arbeit haben sich im vergangenen Ausbildungsjahr (1. Oktober bis 30. September) demnach 1 373 junge Berufssuchende aus dem Landkreis Diepholz gemeldet. Im Vorjahr waren es noch 14 Prozent oder 224 Jugendliche mehr gewesen. Davon besaßen 153 Jugendliche die allgemeine Hochschulreife – 61 oder 28,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auf der anderen Seite meldeten Unternehmen und Betriebe im Landkreis Diepholz insgesamt 1  234 freie Ausbildungsstellen – 104 (7,8 Prozent) weniger als im Vorjahr. Mitten in das Ausbildungsjahr fiel die Pandemie. Aber sie hatte weit weniger Auswirkungen als befürchtet, so die Bilanz: „Der Bewerberrückgang im Landkreis Diepholz lässt sich maßgeblich auf den fehlenden Abiturjahrgang durch die Umstellung von G8 auf G9 an den allgemeinbildenden Gymnasien zurückführen“, so Christoph Tietje, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nienburg-Verden. „Immer mehr Abiturienten beginnen nach dem Schulabschluss eine Ausbildung, diese fehlten uns in diesem Jahr komplett.“

Und: Die persönliche Berufsberatung war pandemiebedingt stark eingeschränkt, konnte an den Schulen nicht aufrechterhalten werden. Das habe sich teilweise auf die Entwicklung der Bewerberzahlen ausgewirkt.

Weniger Ausbildungsplätze gab es laut Tietje in den Bereichen Landwirtschaft, Gartenbau, Metallbearbeitung, Verkehr und Logistik sowie in der Gastronomie und der Tourismusbranche – mehr in den Bereichen Verwaltung, Mechatronik und Automatisierungstechnik, Maschinenbau- und Betriebstechnik, Vermessung und Versicherungen sowie Finanzen.

Als Leiter der IHK-Geschäftsstelle Syke stellt Constantin von Kuczkowski klar, „dass gerade am Anfang der Pandemie die Betriebe in ihrer Suche nach Auszubildenden ganz kalt erwischt wurden“. Sie hätten komplett umdenken müssen, denn der überwiegende Teil setze bei der Auswahl auf das persönliche Gespräch. Deshalb habe das Auswahlverfahren neu gedacht werden müssen. „Dies zeigt sich auch in den geringeren abgeschlossen Ausbildungsverträgen“, so von Kuczkowski, „so hatten wir am Anfang der Pandemie noch deutlich weniger neue Verträge, rund 40 Prozent weniger“. Das verändere sich jetzt jedoch wieder: „Aktuell liegen wir bereits unter 20 Prozent weniger Neuverträge.“ Unter dem Strich sei mit einem Minus von zwölf bis 16 Prozent zu rechnen. Dabei wirke sich auch aus, dass durch den Wegfall eines Jahrgangs rund zehn Prozent Abiturienten fehlen.

Jens Leßmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft: „Der Ausbildungsmarkt 2020 steht ganz im Zeichen der Corona-Pandemie und ist natürlich abhängig von der wirtschaftlichen Situation der Betriebe. Umso erfreulicher ist die Entwicklung der aktuellen Ausbildungszahlen im Handwerk im Landkreis Diepholz.“ Denn sie sind nur geringfügig gesunken. Bereits zum Stichtag (30. September) waren im Landkreis Diepholz 440 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden – und damit nur zwei weniger als im Vorjahr, so Leßmann. Das Minus betrage nur 0,45 Prozent. Weitere Zahlen bis 31. Oktober sind noch unklar: „Für diesen Stichtag konnten aufgrund eines erpresserischen Hackerangriffs, der das Netzwerk der Handwerkskammer Hannover befallen hat, noch nicht alle Ausbildungsverträge erfasst werden“, so der Geschäftsführer. „Wir gehen allerdings wegen der bislang weiterhin eingehenden Lehrverträge seit dem 30. September von aktuell 465 Ausbildungsverträgen aus.“ Was im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von nur sechs Ausbildungsverträgen (also 1,27  Prozent weniger) entspreche. „Dies ist in Zeiten der Pandemie eine hervorragende Ausbildungsleistung des Handwerks“, so Leßmann. Denn damit liege der Landkreis Diepholz deutlich über dem Kammerdurchschnitt mit seinem Rückgang von 10,34 Prozent (30. September) beziehungsweise 8,3 Prozent (31. Oktober).

Auch aus dem Vergleich mit den Jahren 2015 (432 Ausbildungsverträge) und 2010 (359 Ausbildungsverträge) werde deutlich, wie stark die aktuelle Ausbildungsleistung des Handwerks im Landkreis Diepholz sei.  

Von Anke Seidel

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