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Ein Barrier Lamm als Kinderbuch-Star

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Von: Fabian Pieper

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Ein eigenes Kinderbuch geschrieben haben Uwe Wehrenberg und Kathy Gerdes. Die Geschichte handelt von einem kleinen schwarzen Schaf namens Kalle, das bemerkt, dass es anders ist als die anderen Schafe.
Ein eigenes Kinderbuch geschrieben haben Uwe Wehrenberg und Kathy Gerdes. Die Geschichte handelt von einem kleinen schwarzen Schaf namens Kalle, das bemerkt, dass es anders ist als die anderen Schafe. © Jantje Ehlers

Die beiden Barrier Uwe Wehrenberg und Kathy Gerdes haben ein Kinderbuch veröffentlicht - im Selbstverlag. Es geht um das kleine Schaf Kalle und Integration.

Barrien – Kalle ist ein besonderes kleines Schaf, denn Kalle hat ein schwarzes Fell – und ist der Star in einem Kinderbuch. Aber noch etwas ist besonders an Kalle: Kalle ist Syker. Zumindest sind es seine Schöpfer, Kathy Gerdes und Uwe Wehrenberg.

Ein Lamm in Sankt Peter-Ording gibt die Inspiration für das Buch

Barrier, um ganz genau zu sein. Gerade Uwe Wehrenberg ist in der Region eher als Teeproduzent und durch sein humanitäres und umweltpolitisches Engagement bekannt. Ob er bereits als Autor aktiv gewesen ist? „Nur als Leserbriefschreiber“, sagt er lachend. Auch seine Lebenspartnerin Kathy Gerdes hat sich mit der Arbeit an dem Kinderbuch auf gänzlich unbekanntes Terrain begeben.

Die Idee dazu sei den beiden während eines gemeinsamen Urlaubs in Sankt Peter-Ording im vergangenen Mai gekommen. Dort sei das Paar an einer Weide vorbeigekommen, auf der viele weiße und ein schwarzes Schaf gegrast haben. „Wir haben uns in dem Moment gefragt, wie sich das Schaf wohl fühlt, und haben ein bisschen rumgeflachst“, erinnert sich Uwe Wehrenberg. Doch ziemlich schnell seien die Gedanken dann bereits bei einem Kinderbuch gewesen, wie Kathy Gerdes erklärt: „Die Geschichte haben wir schon grob im Kopf gehabt.“

Zu Hause in Barrien angekommen, unternahm Uwe Wehrenberg den Versuch, die eigenen Gedanken dazu in kreative Bahnen zu lenken: Er versuchte, die Geschichte mit Pinsel und Farben selber zu illustrieren. „Es sollte erst mal schnell gehen“, sagt er. Zudem hatten beide dadurch ein Bild der Weide vor Augen, das die Kreativität fördern sollte.

Zusammenarbeit mit Bassumer Karikaturisten Lothar Liesmann

Während der Text so mehr und mehr Form annahm, waren Uwe Wehrenberg und Kathy Gerdes mit den Zeichnungen, die sie um aufgeklebte Tierbilder erweiterten, noch nicht so richtig zufrieden. Daher kontaktierten sie ihren Bekannten Edgar Fischer, Geschäftsführer vom Printhaus in Syke. Der stellte den Kontakt zu dem Bassumer Zeichner und Karikaturisten Lothar Liesmann her – und der sei sofort dabei gewesen, freut sich Uwe Wehrenberg.

Aus den Wehrenberg-Zeichnungen entwickelte Liesmann die Weide, wie sie nun im fertigen Werk zu sehen ist. Gemeinsam arbeitete das Trio zudem an seiner Hauptfigur, die mittlerweile auch einen Namen hatte: Kalle. Der Name sei ihnen spontan eingefallen. „In wenigen Augenblicken hatten wir 20 Muster von Schafen“, sagt Uwe Wehrenberg, „aus denen haben wir uns dann Kalle zusammengebastelt.“

Auf die Geschichte aufbauend malte Lothar Liesmann in den folgenden Wochen ein gutes Dutzend Bilder. Die Vorgaben waren nicht ganz einfach umzusetzen, gibt Kathy Gerdes zu: „Kalle ist ein pfiffiges Lamm, das sich selbst und seine Identität sucht. Wir wollten, dass das auch zeichnerisch rüberkommt.“

Zudem war den beiden Autoren wichtig, dass Kinder auf den Bildern etwas zu entdecken haben: Wo ist der Schmetterling, wo der Vogel und wo der Maulwurf?

Die Familie gibt weitere Hinweise für Details, die in das Buch einfließen

Irgendwann waren Text und Bilder zur ersten Zufriedenheit der Autoren ausgearbeitet. Doch auch zur Zufriedenheit der potenziellen Zielgruppe? Die beiden gaben das Buch in ihren Familien herum. „Unsere Enkel waren ganz überrascht, dass wir ein Buch geschrieben haben“, sagt Kathy Gerdes.

Uwe Wehrenbergs Tochter sei aufgefallen, dass zwar die Mutter des kleinen Lamms im Buch vorkommt, der Vater jedoch fehlt. Der wurde anschließend kurzerhand noch eingefügt. Zudem seien Bedenken aufgekommen, ob es in Ordnung wäre, ein schwarzes Schaf in den Vordergrund zu stellen. „Aber der thematische Schwerpunkt liegt auf Freundschaft und Integration“, sagt Kathy Gerdes.

Zuletzt fehlte noch ein Verleger. Das Paar schickte seine Geschichte an verschiedene Verlage, erhielt aber nur Absagen – bestenfalls; häufig habe es gar keine Reaktion gegeben. „Dann haben wir es selber gemacht“, sagt Uwe Wehrenberg achselzuckend. Er habe das Buch im Printhaus Syke in den Druck geben lassen. Anfang des Jahres ist es erschienen.

Das Buch ist für die Kinder entstanden, nicht für das Geld

Wie es sich anfühlt, wenn man das erste eigene Buch fertig gedruckt in den Händen hält? Kathy Gerdes und Uwe Wehrenberg werfen sich auf diese Frage hin einen Blick zu und lächeln. „Mit den Zeichnungen sind wir sehr zufrieden“, antwortet Kathy Gerdes. „Beim Text sind wir kritischer. Da denkt man nach dem dritten Lesen, dass man es anders hätte machen können.“ Bei der Kernzielgruppe, Kindern ab vier Jahren, komme das Buch hingegen durchweg gut an: So habe bei einer öffentlichen Lesung das junge Publikum „ganz andächtig zugehört“.

Zu kaufen gibt es das Buch im Syker und Bassumer Buchhandel, zudem über die Geschäftsstelle der Kreiszeitung und auf Ebay für 9,95 Euro. Es seien auch bereits Exemplare verkauft worden, aber Gerdes betont: „Wir schauen nicht auf die Verkaufszahlen. Wir haben es nicht fürs Geld gemacht.“ Wofür dann? Sie lächelt wieder. „Für die Kinder. Und um es mit unseren Enkelkindern gemeinsam lesen zu können.“

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