„Es durfte nicht zu bunt werden“

Eine Hommage an Professor Wolfgang Schmitz: Ausstellung auf dem Landsitz Wachendorf 

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Freunde, Kollegen und Studenten von Professor Wolfgang Schmitz stellen ihre Werke auf dem Landsitz Wachendorf auf. 

Syke - Von Janna Silinger. Das Zeichnen ist die Basis. Die Grundvoraussetzung, um Kunst zu schaffen. Es ist das Wesentliche, ohne die Fähigkeit zu zeichnen, geht es nicht. Da ist sich René Rameil vom Landsitz Wachendorf sicher. Und kaum einer hat diese Technik unterrichtet wie sein ehemaliger Professor Wolfgang Schmitz, der im November vergangenen Jahres verstorben ist.

Im Gedenken an seine Werke, seinen Einfluss und sein Wesen, bereiten Künstler, die an der Hochschule für Kunst in Bremen bei ihm studiert haben sowie Freunde und ehemalige Kollegen dieses außergewöhnlichen Menschen jetzt eine Ausstellung vor.

Diese eröffnet am kommenden Samstag, 14. Juli, um 15.30 Uhr auf dem Landsitz Wachendorf in Syke. Sie ist eine Hommage an Schmitz. 30 bis 50 Künstler zeigen Werke, die im Zusammenhang mit Schmitz Lehre oder Einfluss entstanden sind. Wie viele es genau werden, kann Rameil derzeit noch nicht sagen. Er freut sich über alle, die etwas beitragen möchten und ist bis „zur letzten Sekunde vor Eröffnung offen für weitere Bilder“, sagt er lächelnd.

Was Schmitz’ Kunst mitunter ausmacht, sind einzelne Zeichnungen auf den verschiedenen Seiten eines gefalteten Papiers, die zum Schluss – wenn man es auseinanderfaltet – ein großes Ganzes ergeben. Thematisch hat er sich dabei nicht festgelegt.

Nur eins schien sich bei ihm durch alle Arbeiten zu ziehen: Er mochte keine Farben. „Es durfte nicht zu bunt werden“, sagt Joachim Polenk, Künstler und ehemaliger Student Schmitz’. Damals hätten alle Studenten, die bei ihm gelernt haben, immer schwarze Finger gehabt. Quasi ein Erkennungsmerkmal.

Die einzige Farbe, die Schmitz zugelassen habe, sei die von Kaffee gewesen. „Einmal hat er aus Versehen einen Becher Kaffee umgestoßen. Der Kaffee ist über meine Zeichnung gelaufen. Da sagte er ganz trocken: ,Sieht gut aus’“, erinnert sich Polenk lächelnd.

Auch in puncto Motive gab es keine Vorgaben, keine Richtlinien. Nichts war verboten Ob Portaits, Aktzeichnungen, Naturmotive oder Gebäude.

Er selbst habe nach Anschauung gemalt, immer dort, wo er gerade etwas sah. Viele Zeichnungen sind in Cafés, Zügen oder auf der Straße entstanden. „Er ist von Motiv zu Motiv gereist“, beschreibt sein ehemaliger Kollege und nach wie vor Kunstprofessor Peter Schaefer die spezielle Vorgehensweise.

Um seinen Studenten möglichst viel beizubringen, nahm Schmitz sie mit auf Reisen oder zu Exkursionen. Es ging nach Belgien, Holland, Paris oder auch mal in die Badewanne – selbstverständlich keine echte Wanne. „Das war der Name eines Gemeinschaftsraums an der Uni, der mit blauen und grünen Fliesen verziert war. Das sah aus wie in einem Schwimmbad“, erinnern sich die ehemaligen Studenten.

Schmitz’ Reisen durch Europa haben auch zu dem Namen der Ausstellung beigetragen: „Kunst – Europäisches Haus – Wir“. Rameil erklärt die Wahl dieses Titels so: „Zunächst die Kunst, die geschaffen wird, dann das ,Wir’ vom Landsitz und alle, die hier mitwirken, und dann ist da das Europäische Haus.“ Denn die Idee eines vereinten und starken Kontinents habe Schmitz begeistert. Miteinander statt gegeneinander – eine Grundvoraussetzung, um den Erhalt der Demokratie zu gewährleisten. Und da es ohne Demokratie keine Kunstfreiheit gebe, sei es die Aufgabe der Kunst, die Demokratie zu stärken.

„Er hatte ein großes Herz“, meint Künstlerin Sylvia Dierks. Sie habe es Schmitz zu verdanken, dass sie heute diesen Beruf ausüben kann. Denn er habe sie bestärkt und ihr das Gefühl gegeben, den richtigen Weg zu gehen.

Was er wohl zu dieser Ausstellung sagen würde? „Der wäre aus dem Häuschen“, meint Polenk. Das Einzige, was ihm missfallen könnte, wären die Farben.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 19. August, zu sehen.

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