„Durch seine Schlichtheit würdig und schön“

Vor 50 Jahren tagte der Barrier Rat erstmals im Sitzungssaal an der B 6

+
Der alte Ratssaal ist heute unterteilt. Dieser Bereich dient heute als Speisesaal beim Pädagogischen Mittagstisch des Barrier Horts für Grundschulkinder. 

Barrien - Von Heiner Büntemeyer. An den repräsentativen Charakter von einst erinnert heute nicht mehr viel im ehemaligen Barrier Rathaus an der B 6. Vor 50 Jahren wurde es eingeweiht und beendete die Platznot der Verwaltung der damals noch selbstständigen Gemeinde Barrien.

Bis dahin hatte sich die Verwaltung mit einem Provisorium beholfen: Im ehemaligen HJ-Heim an der Straße Im Sande. Nach dem Krieg waren dort zunächst Flüchtlinge untergebracht, doch als diese 1955 auszogen, richtete die Gemeinde Barrien dort zwei Räume für Verwaltungsaufgaben ein.

1964 zog Landwirt Heinz Wehrenberg mit seinem Hof an den Krusenberg um, und die Gemeinde erwarb sein altes Anwesen. Innerhalb von zwei Jahren war der Umbau erledigt. In dem ehemaligen Wohnhaus mit Ställen und Scheune entstanden eine Sporthalle, die Polizeidienststelle mit Wohnung des Dorfpolizisten, das Gerätehaus mit Mannschaftsraum der Freiwilligen Feuerwehr, die Volksbücherei, die Verwaltung und eine Wohnung für den Hausmeister.

Der Verwaltung standen sechs Räume zur Verfügung. In einem davon war das Standesamt untergebracht, ein anderer diente als Sitzungsraum für Ausschüsse und Fraktionsbesprechungen. Der große Sitzungssaal lag direkt neben der Bundesstraße. Zwar war der Straßenverkehr geringer als jetzt, doch lautere Motoren und ein holpriges Blaubasaltpflaster sorgten bei Sitzungen durchaus für Lärm.

Eingeweiht wurde das Rathaus offiziell zwar erst im Juli 1967, doch schon im Herbst 1966 tagte das Gemeindeparlament zum ersten Mal im neuen Sitzungssaal. Bis dahin hatten die Ratssitzungen, auch die nicht-öffentlichen, abwechselnd in den Barrier Gaststätten stattgefunden, die es damals noch in größerer Zahl gab.

Erste Sitzung von Bürgermeister Willy Meyer eröffnet

Die erste Sitzung wurde von Bürgermeister Willy Meyer eröffnet. Er begrüßte seine Ratskollegen und zahlreiche Zuhörer. Es sei ein denkwürdiger Augenblick, meinte er und erklärte, die Gemeinde habe sich mit dem neuen Rathaus „ein schlichtes, aber vielleicht gerade dadurch repräsentatives und ebenso zweckmäßiges Verwaltungs-Zentrum“ geschaffen.

Ähnlich drückte es auch der Redakteur der Kreiszeitung damals aus: „Das gut aussehende Gebäude steht mitten im Ort, entspricht den Bedürfnissen einer großstadtnahen Landgemeinde, ist zweckmäßig, aber nicht aufwendig eingerichtet und wirkt durch seine Schlichtheit würdig und schön, ganz so, wie sich die Repräsentation einer Gemeinde in ihrem Rathaus ausdrücken soll“.

Ob man das heute nun schön finden würde oder nicht: Auf jeden Fall hatte der Barrier Ratssaal 1966 ein unverkennbar eigenes Gesicht. - Foto: Privatarchiv Heiner Büntemeyer

Die Kosten für das Rathaus betrugen rund 350 000 Mark. Der größte Teil davon blieb im Dorf, denn bei der Auftragsvergabe wurden fast nur heimische Betriebe berücksichtigt: Die Bauleitung hatte der Syker Architekt Werner Gläser. Die Maurer-, Beton- und Fliesenarbeiten erledigte das Baugeschäft Heinrich Löhmann, Herbert Gohl erledigte die Dachdeckerarbeiten, Johann Böttcher installierte Heizung und Ölfeuerungsanlage, Heinz Kastens war für die Zimmereiarbeiten zuständig und Georg Klapper für die Estrich- und Fußbodenarbeiten. Sämtliche Klempner- sowie Be- und Entwässerungsarbeiten erledigte Johann Bolte. Die Eloxal-Metalltüren fertigte die Bauschlosserei Heinrich Wessel, die Tischlerarbeiten Albert Schweers an. Mit den Elektroarbeiten war Kurt Nienaber beauftragt, und die Maler- und Glaserarbeiten erledigte Horst Bagge. Lediglich die Fenster- und Türeinrahmungen fertigte mit der Stein- und Bildhauerei Richter ein Betrieb aus Sulingen an.

Der Ort, an dem einst wichtige Entscheidungen für Barrien gefällt wurden, hat noch heute eine wichtige Funktion. Der pädagogische Mittagstisch des Horts für Grundschulkinder hat dort jetzt sein Domizil.

Mehr zum Thema:

Istanbul: 38 Tote und viele Verletzte

Istanbul: 38 Tote und viele Verletzte

Luftangriffe vertreiben IS wieder aus Palmyra

Luftangriffe vertreiben IS wieder aus Palmyra

Terror in Istanbul: Zahl der Todesopfer steigt auf 38

Terror in Istanbul: Zahl der Todesopfer steigt auf 38

Bereits sieben Tote nach Zug-Inferno in Bulgarien

Bereits sieben Tote nach Zug-Inferno in Bulgarien

Meistgelesene Artikel

Auch Sitzen kann eine körperliche Belastung sein

Auch Sitzen kann eine körperliche Belastung sein

Betrunken in den Vorgarten

Betrunken in den Vorgarten

Sirenenalarm in Kirchweyhe - Mülleimer fängt Feuer

Sirenenalarm in Kirchweyhe - Mülleimer fängt Feuer

Kommentare