Interview mit Sarah M. Kempen

Düster und spaßig: Kinderbuchautorin aus Schleswig-Holstein erfindet eine Schule für Wahrsager

Sarah M. Kempen sitzt hinter einem Stapel ihrer Bücher.
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Autorin Sarah M. Kempen liest am Dienstag aus ihrem Buch „Akademie Fortuna - Wenn Wahrsagen so einfach wäre“.

Der Kinderbuchautorin Sarah M. Kempen steht ein aufregender Dienstag bevor: Dann lädt die Schleswig-Holsteinerin für 15 Uhr zu ihrer ersten Live-Lesung überhaupt ein, und zwar in die Syker Stadtbibliothek. Sarah M. Kempen präsentiert ihre beiden „Akademie Fortuna“-Bücher, die sich mit allen möglichen Arten des Wahrsagens beschäftigen. 

Wir haben uns im Vorfeld mit der quirligen Schleswig-Holsteinerin unterhalten. Die Fragen stellten Luisa Jaursch (13) und Frank Jaursch.

Wie entstand denn Ihre Idee zu den „Akademie Fortuna“-Büchern?

Die Idee entstand schon vor fünf Jahren, ich wollte mal irgendwas machen, was ein bisschen düsterer ist. Und am liebsten sollte die Hauptperson „Sorry“ heißen.

Warum?

Ich weiß nicht, ich fand das lustig. Ich dachte nur: Das ist ein lustiges Wort, kann nicht eine Person so heißen? Ich war immer ein großer Fan von Tim Burton, das sind ja ein bisschen skurrilere Filme, und ich wollte gerne mal was in dem Stil schreiben. So kam ich irgendwann auf die Idee von einer Figur, die immer nur Unglücke voraussieht, und von ihrer besten Freundin, die immer nur Unglück hat. Dann dachte ich: Was ist, wenn ganz viele wahrsagen können? Wenn das eine Welt ist, wo wirklich Wahrsagen etwas ist wie zum Zahnarzt oder zum Bäcker zu gehen? Und was ist denn, wenn es eine Schule gäbe, wo alle hingehen? Es gibt ja ganz verschiedene Arten wahrzusagen. In anderen Büchern können immer alle alles. Ich dachte: Dann gehen wir da mal in die Tiefe, und wir erforschen mal jede Art des Wahrsagens. Ich hab es dann letztes Jahr im Frühjahr, als eigentlich Leipziger Buchmesse sein sollte, dem Schneiderbuch Verlag vorgestellt, und die haben sofort gesagt: Ja, das machen wir.

„Figuren benennen hat am meisten Spaß gemacht“

Wie hat sich denn die Handlung aufgebaut? Hatten Sie das alles von Anfang an im Kopf, oder haben die Charaktere Ihnen gesagt, wo es langgeht?

Eher das Zweite. Bei mir ist es ganz oft so, dass ich erst nur eine Idee hab, und die Idee ist so was wie „eine Schule für Wahrsager“. Und worum geht’s? – Das weiß ich doch jetzt noch nicht! Als ich Band 1 geschrieben hab, wusste ich auch noch nicht, was in Band 2 passiert. Am Anfang waren tatsächlich die Figuren da. Manche sind auch erst beim Schreiben gekommen – und sind dann viel glamouröser geworden, als ich das gedacht hätte.

Es gibt ja viele Namen, die darauf hinweisen, welche Wahrsageart sie haben – Crystal Glass oder Ben Dulum zum Beispiel. Hat das lange gedauert, sich die auszudenken?

Das war das, was am allermeisten Spaß gemacht hat, wo ich mich immer riesig gefreut hab, wenn ich eine neue Figur benennen durfte. Es gibt einige, bei denen es etwas einfacher war. Bei den Sterndeutern zum Beispiel, weil es einfach super viele Sternzeichen und Sterne gibt. Was schwierig ist, sind die Handdeuter. Die sind alle nach den Linien auf der Hand benannt, und davon gibt’s nicht so viele. Bei den Kristallkugellesern hab ich gesagt, es muss immer ein Material sein, aus dem man eine Kristallkugel machen kann.

Würden Sie auch gern selbst in die Zukunft blicken können?

Ich glaube, lieber nicht. Ich glaub, das wär einerseits total langweilig und andererseits auch total erschreckend.

Dann wüssten Sie ja schon, was hier am Dienstag abgeht.

Oh, ja – dann würde ich womöglich vor Aufregung gar nicht auftauchen, das geht ja auch nicht.

Die Lesung in Syke ist Ihre erste Lesung überhaupt. Wie ist der Kontakt da zustande gekommen?

„Es wird auf jeden Fall einen dritten Band geben“

Dieses Buch ist rausgekommen, als noch alle Buchhandlungen zu hatten. Ich kannte mich ja noch überhaupt nicht aus, und niemand kannte mich. Dann meinte eine Freundin von mir: Hey, meine beste Freundin arbeitet in einer Buchhandlung in Syke, die hat dein Buch vorgestellt. Dann sind wir uns auf Instagram und Facebook gefolgt, das war sehr nett. Dann kam es so, dass das zweite Buch rauskam. Und ich dachte mir, ich möchte eigentlich gerne mal was Spannendes machen, und hab einfach gefragt: Könnte ich nicht, wenn das Buch rauskommt, in die Buchhandlung kommen und Bücher signieren oder so was? Das war noch so ein bisschen schwierig, und man wusste nicht genau, ob das jetzt geht, aber dann meinte sie: Aber du könntest doch mal ‘ne Lesung machen!

Sie arbeiten ja mit vielen Charakteren und Nebencharakteren. Wie behält man da den Überblick? Haben Sie Notizen, wer wie zu wem steht? Oder haben Sie das alles im Kopf?

Ich hab eine Liste mit allen Namen, und es erschreckt mich immer, wie viele das sind. Ich hab ein relativ gutes Gedächtnis, und das Gute ist ja, dass diese Bücher so zeitnah hintereinandergeschrieben werden, dass ich das Meiste gut im Kopf behalten kann. Ich habe aber auch ganz viele Notizen, alles digital. Ich hab hier keine große Karte mit den Welten und Verkreuzungen hängen, was immer ganz viele denken. Das steht alles ganz schnöde in einem Word-Dokument.

Haben Sie noch Ideen für weitere Bände?

Es wird auf jeden Fall einen dritten Band geben, der kommt im Mai, der ist auch schon fertig geschrieben. Es gibt auf jeden Fall noch Möglichkeiten, wie ich das weiter mache. Ich weiß es noch nicht so genau. Ich hab es jetzt nicht so geplant mit „und in Band 6 passiert das und das“. Ich träume ja auch ein bisschen davon, mal einen Kurzgeschichten-Band zu machen, wo die ganzen Nebenfiguren jeder eine kleine Geschichte kriegen.

Können Sie denn schon etwas vom dritten Teil spoilern?

Hm, da muss ich jetzt echt überlegen, damit ich nicht zu viel sage. Also: Auf dem Cover ist eine Person, die man auf den ersten Blick nicht erkennt, aber wenn man das erste und das zweite Buch ganz aufmerksam gelesen hat, erkennt man sie vielleicht. Die ist nämlich da schon erwähnt worden.

Vielen Dank!

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