Anreize für junge Ärzte

Ärztemangel rund um Syke? Zahl zum Versorgungsgrad gibt Anlass zur Sorge

In ein paar Jahren könnte dieses Schild häufiger in Syke zu sehen sein.
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In ein paar Jahren könnte dieses Schild häufiger in Syke zu sehen sein.

Syke – Stellen Sie sich vor, Sie brauchen hausärztlichen Rat – aber finden einfach keinen Arzt, der Sie behandeln kann. Keine schöne Situation, zumal es kein ganz aus der Luft gegriffenes Szenario für manche Regionen in der Bundesrepublik ist. Auch für Syke?

Die Situation in der Hausarztpraxis Glockenstraße in Barrien gibt auf den ersten Blick Anlass zur Sorge, dass der Ärztemangel auch in Syke Einzug gehalten hat: Dort hat sich bereits im letzten Jahr eine unerfreuliche Situation eingestellt, jedoch aus einem erfreulichen Grund: Ärztin Rosa Garst befindet sich seitdem in Elternzeit. Nun fiel jüngst auch Dr. Ann-Kathrin Bicker aus Schwangerschaftsgründen aus; es bestand akuter Handlungsbedarf, den die Praxis allerdings durch die Einstellung junger Ärzte auflöste. „Wir haben das Problem halbwegs im Griff“, sagt Praxisinhaber Dr. Piet Lueßen, „und im November kehrt Frau Garst wieder zurück, dann sind wir fast die alte Besetzung.“ Lueßen selber sieht Versorgung in Syke als „zwar nicht super üppig, aber unproblematisch“ an.

Lob für das Praxismanagement gab es von Michael Schmitz, Geschäftsführer der Verdener Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN): „Die Praxis von Dr. Lueßen ist eine Praxis, die zeigt, wie man die Lücken schließt, das ist sehr professionell.“ Und auch Bürgermeisterin Suse Laue spricht von einem „fantastischen Modell“. Grund zur Sorge also nur auf dem ersten, nicht jedoch auf dem zweiten Blick.

Nur Bremerhavener Umland schlechter versorgt als der Bereich Syke

Dabei wirken die Zahlen der KVN zur hausärztlichen Versorgung beunruhigend: Im Mittelbereich Syke, zu dem Asendorf, Bassum, Bruchhausen-Vilsen, Martfeld, Schwarme, Süstedt, Syke und Twistringen gehören, liegt der hausärztliche Versorgungsgrad bei 79,3 Prozent; ab einem Versorgungsgrad von unter 75 Prozent gilt ein Bereich als hausärztlich unterversorgt, was auf den Mittelbereich Syke somit noch nicht zutrifft. Zum Vergleich: Im Landkreis Diepholz beträgt die Versorgung 90 Prozent. Dennoch sei, laut Pressemeldung der KVN, nur das Bremerhavener Umland noch schlechter versorgt als der Bereich Syke. „Typisch für die ländliche Region“, sagt Schmitz.

Laut des Bedarfsschlüssels bei der Patientenversorgung benötigt der Mittelbereich Syke pro 1 627 Einwohnern einen Hausarzt; für die angestrebte Versorgung von 110 Prozent würden im 70.728 Bürger starken Bereich 47,75 Ärzte notwendig sein, Bedarf für 13 weitere Ärzte wäre also da. Jedoch: Die KVN ist zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in den Mittelbereichen gesetzlich verpflichtet, nicht jedoch für die Verteilung auf die einzelnen Orte. „In der Stadt Syke fehlt uns eine Praxis“, rechnet Suse Laue vor, „aber unsere Hausärzte kriegen das einigermaßen hin.“ Die Stadt unterstütze neue Ärzte, die sich niederlassen wollen.

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Und auch wenn der Bereich Syke nicht weit von einer Unterversorgung entfernt ist, mahnt Michael Schmitz zur Ruhe: „Diese Zahlen muss man relativieren, Syke ist nicht unterversorgt.“ Dafür tue die KVN alles in ihrer Macht stehende: „Das klappt schon. Wir sind da diesbezüglich schon lange unterwegs.“

Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen will Anreize schaffen

Ansonsten droht langfristig Ungemach: Dass im Mittelbereich Syke die angestrebte Versorgung von 110 Prozent nicht erreicht wird, sei, so Schmitz, nicht das Problem: „Das Problem ist die Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte, von denen einige auf absehbare Zeit aufhören werden.“ Von den 34 im Bereich Syke niedergelassenen Ärzte werden neun bis zum Jahre 2035 in den Ruhestand gehen. Ein Problem, das auf ganz Niedersachsen zurollt: Von jetzt 5044 Hausärzten im Bundesplan werde die Zahl, so KVN-Pressesprecher Detlef Haffke, auf rund 3750 sinken.

Schmitz: „Wir arbeiten im Hintergrund daran, dass Lösungen entstehen“. Diese Lösungen seien Anreize für junge Ärzte, sich im ländlichen Raum niederzulassen und entweder vakante Praxen zu übernehmen oder eine neue zu öffnen. Anreize vor allem finanzieller Natur: Bis zu 75.000 Euro winken. Und auch so sieht Piet Lueßen viele Punkte, die für Syke sprechen: „Syke ist eine sehr attraktive Stadt. Sie wird nicht so urban wahrgenommen, aber man kann hier sonst auch noch problemlos arbeiten und in Bremen wohnen.“

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