Dritte gemeinsame „Lesezeichen“-Reihe der evangelischen Kirchengemeinden

Lebensgeschichten in der Literatur und in der Bibel

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Für die Syker Pastoren haben moderne Literatur und die Bibel eine große Gemeinsamkeit: Sie erzählen Lebensgeschichten. Ab Sonntag zeigen Katja Hermsmeyer, Katja Hedel, Susanne Heinemeyer und Christian Kopp diese Parallelen im Rahmen der Reihe „Lesezeichen“ auf.

Syke - Von Michael Walter. „Predigt ihr jetzt eigentlich die Literatur oder Gottes Wort?“ – Mit dieser Frage eines durchaus erbosten Gottesdienstbesuchers sah sich Pastor Christian Kopp letztes Jahr im Rahmen der „Lesezeichen“-Reihe konfrontiert. Die Antwort, die er damals darauf gab, lautete: „Das ist kein Entweder-Oder, das ist ein großer Dialog.“ Und das sieht er heute noch genauso.

Zum dritten Mal sind die „Lesezeichen“ in diesem Jahr Bestandteil des Sommerprogramms der Kirchengemeinden Syke, Barrien und Heiligenfelde. Vom 26. Juli bis zum 30. August bietet abwechselnd immer eine davon das Forum für einen zentralen gemeinsamen Sonntagsgottesdienst. Und zum dritten Mal stellen die Pastoren in diesem Rahmen ausgewählte Romane in den Mittelpunkt der Predigten.

„Literatur erzählt Lebensgeschichten, und die Bibel erzählt ebenfalls Lebensgeschichten“, sagt Christian Kopp. Die Herausforderung für die Pastoren ist es, die Parallelen aufzuzeigen. „Bei mir war das dieses Mal einfach“, sagt Kopp. Er stellt Hermann Hesses Erzählung „Siddhartha“ von 1922 vor. „Darin geht es um die Suche nach dem Seelenheil und um Fragen wie: Kann man Weisheit lernen? Gibt es so etwas wie Offenbarung?“ – Wenn das keine biblischen Bezüge sind.

Bei den Kirchgängern kommt dieses Konzept an. „Es kommen Leute, die ich sonst eher selten oder gar nicht in der Kirche sehe“, sagt Kopp und erhält zustimmendes Nicken von seinen Kolleginnen Katja Hermsmeyer, Katja Hedel und Susanne Heinemeyer. „Beim Kirchenkaffee nach den Gottesdiensten ergeben sich dann oft ganz spannende Gespräche“, sagt Hermsmeyer.

Was sich bei allen bewährt hat, erklärt Katja Hedel: „Wir suchen kein gemeinsames Thema, sondern jeder kuckt für sich, welche Bücher ihm gerade gefallen haben. So kommt eine ganz bunte Mischung zusammen.“ Sie persönlich würde inzwischen neue Bücher spätestens ab dem Winter ganz unwillkürlich immer auch schon im Hinblick auf die Sommer-Reihe lesen, erzählt die Pastorin. „Würde sich das eignen? Oder eher nicht?“ Spätestens bei den regelmäßigen Dienstbesprechungen tauschen sich die Pastoren dann aus: Welche Bücher könnten wir vorstellen? Und dann wird festgelegt: Wer macht wann wo was?

„Die größte Herausforderung ist dabei immer die Masse“, sagt Kopp. Einerseits wolle man keine Buchbesprechung machen, andererseits: „Die Leute müssen ja mindestens eine Ahnung von der Handlung haben.“ Ein Patentrezept gibt es dafür nicht. „Das löst jeder von uns bei jedem Buch anders.“

Den Auftakt gibt am 26. Juli Susanne Heinemeyer in der Barrier Kirche (Beginn: 9.30 Uhr). Sie beschäftigt sich mit „Jakob der Lügner“ von Jurek Becker. Den Schwerpunkt legt sie dabei auf „die unsagbare Kraft der Hoffnung, was sie im Menschen auslösen kann, und was das für unseren Umgang mit guten und schlechten Nachrichten bedeutet“.

Am 2. August (18 Uhr) stellt Katja Hermsmeyer in der Michaelskirche „Silver Linings“ von Matthew Quick vor. „Es geht um das Scheitern eines Lebensplans, um das Festhalten, obwohl man längst vor einem Scherbenhaufen steht, und wie daraus etwas Neues entsteht“, erklärt sie. „Das Buch vermittelt: Es geht weiter – zwar anders, aber weiter. Das ist berührend und inspirierend zugleich.“

Christian Kopp ist mit „Siddhartha“ am 9. August (11 Uhr) in der Christuskirche an der Reihe.

Katja Hedel folgt am 16. August (9.30 Uhr) in Barrien. Sie hat sich für „Ein Mann namens Ove“ von Fredrik Backman entschieden. „Das Buch fängt sehr humorig an. Aber je länger man liest, desto häufiger muss man schlucken.“ Ein notorischer Fiesling bereitet seinen Selbstmord vor, scheitert aber aus verschiedenen Gründen. Einer davon ist die neue persische Nachbarin, die ihn gehörig aufmischt.

Am 23. August (9.30 Uhr) spricht Johanna Schröder in Heiligenfelde über „Die Pfaueninsel“ von Thomas Hettche. Den Schlusspunkt setzt Albertje van der Meer am 30. August (11 Uhr) in der Christuskirche mit Fiona McFarlanes „Nachts, wenn der Tiger kommt“.

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