Jugendaustausch mit Syke, Wabrzezno und Al-Hoceima: Für zehn Tage nach Marokko

Drei Kulturen im Paket

Sie freuen sich auf den zweiten trinationalen Jugendaustausch in den Herbstferien. Von links: Jugendpfleger Abdelhafid Catruat, Betreuer Tobias Apel, Erster Stadtrat Thomas Kuchem, Jacqueline Schröder und Dimitri Heinrich.
+
Sie freuen sich auf den zweiten trinationalen Jugendaustausch in den Herbstferien (von links): Jugendpfleger Abdelhafid Catruat, Betreuer Tobias Apel, Erster Stadtrat Thomas Kuchem, Jacqueline Schröder und Dimitri Heinrich.

Syke – 150 Euro: Dafür kann man sich eine schicke Armbanduhr kaufen. Oder ein Gaming-Mauspad. Oder einen Designer-Ständer für sein Headset. Man kann dafür aber auch zehn Tage nach Marokko. Mit Flug, Unterbringung, Verpflegung und Programm. Vorausgesetzt, man kommt aus Syke und ist zwischen 15 und 21 Jahre alt. Denn das ist die Voraussetzung für die Teilnahme am Trinationalen Jugendaustausch in den Herbstferien.

Trinationaler Jugendaustausch? Klingt ein bisschen nach dem Trimagischen Turnier bei Harry Potter, hat aber mit Zauberei und Hogwarts nichts zu tun, sondern mit ganz realer Arbeit, vor allem von Abdelhafid Catruat. Das ist der Jugendpfleger der Stadt Syke, und der Trinationale Jugendaustausch war eine der ersten größeren Aktionen, die er nach seiner Anstellung durch den Rat entwickelt hatte.

Im Herbst 2019 waren zehn Jugendliche aus Sykes polnischer Partnerstadt Wabrzezno und zehn Jugendliche aus Catruats Heimatland Marokko in Syke zu Besuch, um gemeinsam mit zehn Syker Jugendlichen ein Programm zum Holocaust-Gedenktag am 9. November zu gestalten. Hinterher fanden alle: Das sollten wir weiter machen. Und so sollte es auch 2020 einen Trinationalen Jugendaustausch geben. „Leider ist das coronahalber gestrichen worden“, sagt Erster Stadtrat Thomas Kuchem.

Aber Abdelhafid Catruat hat weiter den Kontakt zu allen Beteiligten gehalten. Und nun soll in den Herbstferien die zweite Begegnung nachgeholt werden. In Marokko. In Catruats altem Heimatort Al-Hoceima. Einer Stadt mit laut Wikipedia 57 000 Einwohnern, auf einer Felsspitze am Mittelmeer, knapp 300 Kilometer östlich von Tanger und mit dem Rif-Gebirge im Rücken. „Kein Tourismusgebiet“, betont Catruat. Da bekommt der Begriff kultureller Austausch gleich eine ganz andere Bedeutung.

„Wir treffen uns mit der polnischen Gruppe in Köln und fliegen von da zusammen nach Marokko“, schildert Catruat den Ablauf. „Wir wohnen dann zehn Tage gemeinsam mit den marokkanischen Jugendlichen in einer Pension.“

Inhaltlich soll es diesmal um das Thema Kolonialismus gehen. Zum Hintergrund: Al-Hoceima war vor 100 Jahren Kriegsschauplatz, als die einheimischen Rif-Kabylen gegen die Spanier und Franzosen um ihre Unabhängigkeit kämpften. Nach einer schmerzhaften Niederlage zogen sich die Europäer zurück – und verseuchten das ganze Gebiet mit Senfgas.

Trotz des ernsten Themas: „Der Spaß wird auch nicht zu kurz kommen“, sagt Catruat.

Das war auch 2019 schon so als es um die Massenvernichtung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland und den im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten ging. Jacqueline Schröder (heute 16) und Dimitri Heinrich (18) waren damals beim ersten Austausch in Syke dabei. Und jetzt würden sie gerne auch nach Marokko mitkommen. „Drei Kulturen, die aufeinandertreffen – da kann man eine ganze Menge lernen“, ist Dimitris Erfahrung. Und Jacqueline ist gespannt darauf, zu erfahren „wie Dinge woanders funktionieren und ablaufen“.

Dass zwei Partnerstädte so einen Austausch zusammen mit einer dritten Stadt organisieren, ist anscheinend derart einzigartig, dass das deutsche Außenministerium und das Deutsch-polnische Jugendwerk das Programm fast komplett finanzieren. Deshalb ist der Restbetrag, den die Teilnehmer selbst zahlen müssen, so gering.

Ab sofort nimmt die Stadt Anmeldungen entgegen. Zehn Jugendliche aus Syke können mit. Dazu Abdelhafid Catruat und Tobias Apel von der Realschule als Betreuer sowie zwei weitere Erwachsene: Ein professionelles Film-Team, das diesen Austausch dokumentiert.

Info und Anmeldung

www.syke.de

Von Michael Walter

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Diepholz: Das ist für „E-Bike“-Fahrer wichtig

Diepholz: Das ist für „E-Bike“-Fahrer wichtig

Diepholz: Das ist für „E-Bike“-Fahrer wichtig
Kater legt 250 Kilometer vom Harz nach Bassum zurück

Kater legt 250 Kilometer vom Harz nach Bassum zurück

Kater legt 250 Kilometer vom Harz nach Bassum zurück
„High Flames Festival“ in Maasen: Aus Flachserei wird langsam Realität

„High Flames Festival“ in Maasen: Aus Flachserei wird langsam Realität

„High Flames Festival“ in Maasen: Aus Flachserei wird langsam Realität
Schwerer Zusammenprall auf der Bundesstraße 61 bei Heerde

Schwerer Zusammenprall auf der Bundesstraße 61 bei Heerde

Schwerer Zusammenprall auf der Bundesstraße 61 bei Heerde

Kommentare