Eigene Ausstellung für Werke des einstigen Kreiszeitungs-Fotografen Helmut Niedfeldt

Drei Jahrzehnte Zeitgeschichte

Helmut Niedfeldt
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Wer sein Brot hinter der Kamera verdient, steht selten selber davor. Hier ist ein relativ seltenes Foto, auf dem Helmut Niedfeldt selbst zu sehen ist. Ein Zufallsprodukt. Das Bild entstand während der Grundsteinlegung für das Syker Rathaus am 25. Mai 1983. Foto: Archiv Stadt Syke, Uwe Gallmeier

Syke – Miriam Schulz steht vor einer Aufgabe, die man durchaus als Herausforderung bezeichnen könnte: Aus einer Viertelmillion Bildern 60 auszusuchen, die sowohl einen Querschnitt aus drei Jahrzehnten Zeitgeschichte darstellen als auch die Vielfalt und Entwicklung des Fotografen wiederspiegeln. Die Kulturhistorikerin arbeitet an einer Ausstellung über Helmut Niedfeldt, der von 1962 bis 1989 als Fotograf der Kreiszeitung gearbeitet hat.

Miriam Schulz ist seit 2016 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für das Kreismuseum tätig. Gemeinsam mit Stadtarchivar Hermann Greve hat sie Helmut Niedfeldt kurz vor seinem Tod 2020 besucht und interviewt, als die Stadt und das Kreismuseum gemeinsam sein privates Bildarchiv übernahmen.

Die Dynamik des Augenblicks festhalten war Helmut Niedfeldts Spezialität. Hier quält sich die Kleinbahn den Steimker Berg hinauf.

Helmut Niedfeldt war ein echter Heiligenfelder Jung: 1928 wurde er im Dorf geboren. Schon als Schüler hatte er gerne fotografiert, sich aber nie träumen lassen, das einmal beruflich zu machen. „Er hat bei Opel Bergmann eine Ausbildung zum Mechaniker gemacht und später bei Borgward in Bremen gearbeitet“, erzählt Miriam Schulz. „Nach der Borgward-Pleite kam er nach Syke zurück und arbeitete in Nienstedts Werkstatt neben Wessels Hotel an der Hauptstraße. Die Kreiszeitung hat damals ihre Lieferfahrzeuge dort warten lassen. So kam der Kontakt zustande.“

Die Ausstellungsmacher Miriam Schulz und Hermann Greve stöbern mit Bürgermeisterin Suse Laue und Museumsleiter Ralf Vogeding in einem winzigen Teil der

Ob er denn nicht mal Lust hätte, für die Zeitung zu fotografieren, sei er eines Tages gefragt worden. Niedfeldt habe sehr lange darüber nachgedacht. „Seine Frau und seine Mutter haben dann den entscheidenden Schubs gegeben, ohne den er sich vielleicht nie dazu entschieden hätte“, sagt Miriam Schulz.

Das war 1962. Zuerst war Niedfeldt nur sporadisch für die Kreiszeitung tätig, und ab 1963 dann regelmäßig. Nicht selten hieß das: Eine Sieben-Tage-Woche. „Zumal er auch für die Polizei fotografiert hat“, ergänzt Stadtarchivar Hermann Greve. „Er hat da viele schlimme Unfälle dokumentieren müssen. Das hat ihn sehr mitgenommen.“

Für die Kreiszeitung hat Niedfeldt praktisch alles fotografiert. Vom lustig gewachsenen Gemüse über Schützenfeste und Grundsteinlegungen bis zur Fuchsjagd zu Pferd und zum Grasbahnrennen in Schwarme. „Er hat zeitlebens versucht, sich weiterzuentwickeln“, sagt Miriam Schulz. „Eine fotografische Ausbildung hat er ja nie gehabt. Sehr viel hat er sich aus Fotomagazinen angelesen. Seine Töchter mussten dann immer als Model und Versuchskaninchen herhalten. Diese fotografische Entwicklung findet sich auch in seiner täglichen Arbeit wieder.“ Die Dynamik des Augenblicks festzuhalten, war eine Spezialität Helmut Niedfeldts.

Nur journalistisch dokumentiert oder vielleicht doch ein Bild wie eine stumme Anklage? – Für die Verbreiterung der B 6 wurden in den 1960er Jahren die Bäume am Straßenrand gefällt.

Grob geschätzt um die 60 Bilder werden es in die Ausstellung schaffen, die im Herbst fertig konzipiert sein soll. „Wir wollen zeigen: Was waren damals die Themen? Was war bildwürdig? Und wie wurde es bewertet?“

Dafür aus 250 000 Negativen 60 Motive auszuwählen, und die sollen dann auch noch drei Jahrzehnte Zeitgeschichte wiederspiegeln: Ganz schön sportlich, oder? „Definitiv“, sagt Miriam Schulz. „Wir haben überlegt, etwas kleinschrittger vorzugehen. Die Ausstellung soll aber auch sein Lebenswerk zeigen.“

Syke war rund ein halbes Jahrhundert einer der wichtigsten Verladebahnhöfe für Schweinetransporte. Das Bild entstand 1964. Wo damals die Verladerampe war, ist heute ein Parkplatz.

Die Idee ist, die komplette Sammlung zu digitalisieren und öffentlich zugänglich zu machen. Das ist allerdings erstens eine Frage der Zeit. Und zweitens eine Frage der Kosten: Stadt und Kreismuseum schätzen, dass das etwa 50 000 Euro erfordern würde. Eine Summe, die beide nicht mal eben so aus der Portokasse finanzieren könnten.

Von Michael Walter

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