Besuchs- und Betretungsverbot erlassen

Corona-Krise: Drei Tote im Kreis Diepholz gemeldet

Coronavirus im Landkreis Diepholz
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Aus dem Kinderzimmer in den Hofladen: In Henstedt wurde augenscheinlich aufgeräumt, nun stehen CDs und Spielfiguren neben Kartoffeln.

Im Landkreis Diepholz gibt es die ersten Toten, die mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert waren. 

Update vom 1. April: Ein 79 Jahre alter Mann aus Sulingen ist am Montagabend in der Klinik Diepholz an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Der Mann habe laut Landkreis-Mitteilung Vorerkrankungen gehabt. Seit fast zwei Wochen sei er im Krankenhaus gewesen, zuletzt isoliert auf der Intensivstation der Klinik Diepholz. Der Landkreis hat ein Besuchs- und Betretungsverbot für ambulant betreute Wohngemeinschaften und Formen des betreuten Wohnens erlassen. Nahestehende Personen von palliativmedizinisch versorgten Bewohnern seien davon ausgenommen.

Originalartikel vom 30. März: Die Sykerin sei bereits am Freitag in ihrem häuslichen Umfeld gestorben. Ihr Hausarzt habe Tage zuvor eine Lungenentzündung diagnostiziert, das positive Covid-19-Testergebnis habe jedoch erst nach dem Tod vorgelegen. Der Sulinger ist Bewohner des Seniorenheims Landhaus Barrien (siehe Text links) gewesen. Der ebenfalls vorerkrankte Mann hätte am Montagmorgen in eine Klinik eingewiesen werden sollen. In der Zwischenzeit verschlechterte sich der Zustand des Mannes laut Mitteilung aber so stark, dass der Rettungsdienst den Notarzt hinzurief. Der 89-Jährige verstarb noch in dem Seniorenheim.

„In diesen schweren Stunden denken wir an die Angehörigen der Verstorbenen, denen unser tief empfundenes Mitgefühl gilt“, so Landrat Cord Bockhop. „Insbesondere ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen sind durch die Ausbreitung des Coronavirus gefährdet. Gerade in Anbetracht eines solch traurigen Ereignisses sind wir alle in der Verantwortung, die Risikogruppen zu schützen und Abstand zueinander zu halten.“

Insgesamt belaufe sich die Zahl der bestätigten Corona-Fälle im Landkreis Diepholz auf 138. Die Erkrankungen verteilen sich auf 27 Fälle in der Gemeinde Weyhe, 21 in der Stadt Sulingen, 20 in der Gemeinde Stuhr, 15 in der Stadt Diepholz, 13 in der Stadt Bassum, elf in Syke, jeweils acht in der Stadt Twistringen und der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde, fünf in der Samtgemeinde Barnstorf sowie zehn weitere Fälle im übrigen Landkreisgebiet. 62 Corona-Patienten im Landkreis Diepholz sind inzwischen aus der Quarantäne entlassen worden. Somit beläuft sich die Zahl der aktuell mit dem Coronavirus infizierten Patienten auf 74. In stationärer Behandlung befinden sich aktuell 19 Patienten mit einem Corona-Verdacht oder einer bestätigten Infektion, davon werden neun intensivmedizinisch behandelt.

Landrat Cord Bockhop gibt derweil ein anderes Thema zu bedenken: die Zukunft. „Wir beschäftigen uns damit, dass das Alltagsgeschäft weitergehen muss.“ Dabei gebe es viele Fragen zu klären. Diese, das betont der Landrat ausdrücklich, sollen nicht den Kräften zur Last geraten, die derzeit in „Hektik und Stress“ akut an der Bewältigung der Krise arbeiten. Sicherlich gebe es aber in vielen Unternehmen und Behörden Abteilungen, die derzeit weniger oder keine Arbeit haben und die sich Gedanken machen könnten.

Ganz konkret erwähnt Bockhop im Gespräch die Themen Mindestabstand und Schule. Zunächst einmal sei er glücklich, dass die Aufmerksamkeit gestiegen sei und die Menschen Bereitschaft zeigen, ihr Verhalten zu ändern. Doch was passiere, wenn in zwei, vier oder acht Wochen wieder Schule sei? „Die Kinder haben dann auch einen Anspruch auf den Busverkehr“, so Bockhop. Alle Vorsichtsmaßnahmen können dann sicher nicht über Bord geworfen werden, doch wie lassen sich Verhaltenshinweise und der Busverkehr kombinieren? „Wie sollen wir da 1,50 Meter einhalten? Sollen die Eltern ihre Kinder zur Schule bringen? Sollen wir Masken verteilen und auf den Abstand verzichten? Sollen wir mehr Busse einsetzen? Wir haben ja jetzt schon nicht genug Fahrer.“ Diese Fragen müssten nicht heute beantwortet werden, aber wo Ressourcen vorhanden sind, müsse darüber nachgedacht werden.

Im Optimalfall bedeute dies, dass manche Dinge grundlegend von größeren Verwaltungseinheiten geklärt werden. Das würde mehr Akzeptanz schaffen und die Situation vereinfachen. „Bei mir zuhause in der Gemeinde versteht niemand, warum Sonderpostenmärkte in Bremen zu sind und in Niedersachsen offen. Wenn das abgestimmt wäre, würde ich das begrüßen. Es heißt ja, die Nordstaaten stimmen sich ab, in dieser Krisensituation ist das anders.“

Was, wenn nun jemand von den Ordnungsbehörden angesprochen werde, weil er sich falsch verhalten habe und diese Person antworte, das sei ihr nicht bewusst gewesen, da sie zuvor in Bremen war, wo andere Vorgaben gelten? Der Diepholzer Landrat hat absolutes Verständnis, dass insbesondere in Grenznähe – ähnliche Fälle seien im Südkreis Diepholz und der Nähe zu Nordrhein-Westfalen in Bezug auf Baumärkte zu beobachten – Verwirrung herrschen kann und den Bürgerinnen und Bürgern nicht zwingend ein Vorwurf gemacht werden könne.

Ein weiterer Punkt, und dabei könnte die Zuständigkeit beim Landrat liegen, ist die Möglichkeit eines Verbots von Hamsterkäufen. Einige Städte und Landkreise im Bundesgebiet haben das bereits umgesetzt. Cord Bockhop will davon derzeit nichts wissen, denn es würden konstant Produkte nachgeliefert. Natürlich könne es sein, dass an einem Abend ein Produkt vergriffen ist und der Markt am nächsten Tag erneut aufgesucht werden muss, und eventuell bestehe dann auch die Notwendigkeit, ein anderes als das Lieblingsprodukt zu wählen. Aber das rechtfertige keine drastischen Eingriffe.

„Wenn wir nicht nur in einer krisenhaften Situation sind, sondern Hunger und Elend herrschen und über Tage kein Strom ist“, erläutert Bockhop ein Szenario, dann stünden ihm mit dem Ordnungsrecht und dem Infektionsschutzgesetz „scharfe Waffen“ zur Verfügung. Aber „jetzt schon mit der ganz großen Keule zu kommen“, halte er für falsch. Jeder Grundrechtseingriff müsse ganz genau begründet werden und dann sei es eventuell auch notwendig, ihn auf eine Kommune oder gar nur einen Teil einer Kommune zu beschränken. Vorschnell alle Möglichkeiten auszureizen, schade letztlich nur der Akzeptanz und schwäche langfristig die Effektivität der Maßnahme.

Corona: Die Situation im Landkreis Nienburg

Im Landkreis Nienburg ist die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen deutlich geringer, als im Landkreis Diepholz. Am Montagmittag vermeldete die Kreisverwaltung 29 bestätigte Fälle, von denen neun bereits genesen seien. In insgesamt 295 Fällen war bis dahin eine Quarantäne angeordnet worden, wovon 165 bereits wieder aufgehoben wurden. Da die Telefon-Hotline des ärztlichen Bereitschaftsdienstes (116 117) teils stark ausgelastet und die Anrufenden mit langen Wartezeiten konfrontiert seien, hat der Landkreis Nienburg sich entschieden, in den kommenden Wochen ein ergänzendes Angebot zur Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung einzurichten, sodass diese entlastet und die Situation für Ratsuchende entschärft werde. Die Bürgerinnen und Bürger würden laut Pressemitteilung nun auch unter 05721/93 70 04 85 Hilfe erhalten.

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