Drastische Anhebung der Leihgebühren

Kino-Betreiber streiken: „Nicht mit uns!“

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Szenenfoto aus dem Kinofilm „The Avengers: Age of Ultron“. Dieser Film vereint Action, Fantasy und Sciencefiction. Eine Geschichte, in der es um Helden, Rächer und künstliche Intelligenz geht.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Drei von fünf Kino-Betreibern im Landkreis Diepholz streiken: Sie wollen in ihren vier Kinos übermorgen den Bundesstart des Disney-Films „The Avengers: Age of Ultron“ boykottieren, weil der Verleih ihnen neue Konditionen diktiert hat.

53 Prozent, also mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen, sollen sie dem Verleih neuerdings zahlen. Das ist nicht nur für Kino-Betreiber Karl-Heinz Meyer aus Quernheim, dem kleinsten Kino-Ort Deutschlands, völlig inakzeptabel: „Nicht mit uns!“ Denn die neuen Konditionen bedeuten eine Erhöhung um fast sechs Prozent – und ziehen nach Einführung des Mindestlohns die Kostenschraube noch einmal schmerzhaft an. Das befeuert eine Entwicklung, so befürchten die Kino-Betreiber, die am Ende zwangsläufig in einer weiteren Erhöhung der Eintrittspreise münden müsste.

Die Zeche müssten am Ende also die Kino-Besucher bezahlen – genau das wollen die Streikenden verhindern und nehmen deshalb Einnahmeverluste bewusst in Kauf.

Im Klartext: „The Avengers: Age of Ultron“ ist am Donnerstag weder in der Quernheimer Lichtburg noch im Central-Kino Diepholz zu sehen, ebenso wenig im Cinema Twistringen und im Filmpalast Sulingen. Sehr zum Leidwesen der Streikenden haben das Hansa-Kino Syke und der Filmhof Hoya den neuen Disney-Streifen allerdings im Programm.

„Das hat uns echt umgehauen. Aus unserer Sicht sind die gekauft worden“, sagt Karl-Heinz Meyer, der neben der Quernheimer Lichtburg auch das Elite-Kino in Espelkamp (Landkreis Minden-Lübbecke) betreibt. Auch dort ist der Disney-Film nicht zu sehen.

Meyer ist außerdem Sprecher der IG Nord – ein Zusammenschluss, der etwa 160 Leinwände repräsentiere, sagt der Quernheimer. Er schätzt, dass sich etwa 600 der insgesamt 1630 Kinos in Deutschland am Avengers-Boykott beteiligen – Höhepunkt eines erbitterten Preiskampfes.

„Eine Anhebung des Filmmietsatzes auf 53 Prozent bedeutet in kleinen Orten eine radikale Steigerung um mehr als fünf Prozentpunkte“, rechnet Meyer vor.

Der Verleiher allerdings argumentiert, den Satz bundesweit vereinheitlichen zu wollen. Denn für Kinos in Großstädten – zumeist Ketten – ist diese Marge längst Alltag.

Aber die hätten ganz andere Verträge mit den Verleihern und würden Vergünstigungen erhalten, kontert Meyer. Wie er sehen auch seine Kollegen Holger Glandorf und Gunnar Schäfers in dem Boykott so etwas wie eine „Investition“ in die Zukunft. Denn andere Verleiher würden die Reaktionen auf die Erhöhung von Disney sehr genau beobachten – und bei klagloser Akzeptanz womöglich nachziehen.

Diese Erhöhung sei zwei Wochen vor dem Bundesstart faktisch diktiert worden: „Es gab nur ein Schreiben. Aber man muss doch miteinander reden, kann sich nicht einfach hinstellen und sagen: Jetzt ist das so“, erklärt Holger Glandorf, der neben dem Cinema Twistringen und dem Filmpalast Sulingen auch den Filmpalast Nienburg (Landkreis Nienburg) betreibt und dort ebenso auf „Avengers“ verzichtet. „Ich muss zweimal schlucken“, sagt Glandorf, wenn er an die drohenden Mindereinnahmen denkt. Schließlich habe schon die Einführung des Mindestlohns viel Geld gekostet.

Um knapp ein Viertel, so schätzen Fachleute, sind die Personalkosten in den Kinos dadurch gestiegen.

Viele hätten die Eintrittspreise um 50 Cent oder einen Euro erhöhen müssen, sagt Glandorf.

Und genau von dieser Erhöhung, argumentiert Gunnar Schäfers als Betreiber des Central-Kinos Diepholz, hätten die Filmverleiher indirekt ja schon profitiert – auch bei dem bisherigen Verleihsatz von 47,7 Prozent. Schäfers betreibt auch die Schauburg Cineworld in Vechta – einen Kinokomplex mit sechs Sälen. „Das tut schon weh, so einen Film nicht zu spielen“, sagt er. Die Kino-Betreiber seien auf die Einnahmen angewiesen, um innovativ bleiben und ihren Kunden stets den neuesten Standard bieten zu können. Er habe sich aber bewusst für den Boykott entschieden, um die schmerzhafte Erhöhung abzuwenden: „Das machen wir schließlich für unsere Kunden“, denn es gehe um die langfristige Wirkung. Dass die Kino-Betreiberinnen in Syke und Hoya so kurzfristig denken, sei unverständlich.

„Wir spielen!“, bestätigt Silvia Kahle, Hansa-Kino Syke. Zu den angekündigten hohen Verleihkonditionen? „Darüber rede ich nicht“, antwortet sie.

„Wir sind es unseren Kunden schuldig, diesen Film zu zeigen“, sagt Beate Möller-Dumschat, Betreiberin des Filmhofes Hoya (Landkreis Nienburg) – und argumentiert, dass die Betreiber doch längst nicht mehr von der Filmvorführung, sondern vom Snack- und Getränkeverkauf im Kino leben würden: „Das ist wie bei den Tankstellen. Die Ölmultis geben den Preis für den Sprit vor, und die Tankstellen verdienen nur noch am Verkauf der Getränke und Brötchen.“

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