Doris Schröder-Köpf referiert in Syke zum Thema Flüchtlinge

Angst vor Abschiebung und Sprachproblemen

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Flüchtlings-Diskussion in Syke mit Doris Schröder-Köpf (rechts), Migrationsbeauftragte des Landes Niedersachsen, und der SPD-Landtagsabgeordneten Luzia Moldenhauer.

Syke - Von Vivian Krause. Das „Gleis 1“ in Syke ist vollbesetzt. Rund 60 Bürger, Ehrenamtler und Engagierte aus dem Landkreis sind gekommen. Das Thema: Flüchtlinge. Die Meinungen: Gespalten. Aber eines eint das Publikum: Die Angst. Angst vor dem, „was sich in Paris abgespielt hat“, Angst vor fehlendem Raum und Bevorzugung („Wer ist die Nummer eins, ich oder die Flüchtlinge?“), Angst vor einer möglichen Abschiebung der bereits Integrierten.

„Vielleicht ist heute ein Tag, der die Geschichte verändern wird“ – mit diesen Worten und der Botschaft, dass auch Deutschland nun im Kampf gegen den Islamischen Staat in Syrien eingesetzt werden soll, leitet Doris Schröder-Köpf, Migrationsbeauftragte des Landes Niedersachsen, in den Diskussionsabend ein. „Jede Bewegung dort, hat Auswirkungen auf uns, auf Syke“, stellt sie fest.

Schröder-Köpf projiziert die Angst der Anwesenden auch auf sich selbst: „Es gibt so viele Menschen, von denen man nicht weiß, wer sie sind“. Der Grund: Eine fehlende Registration vor der Zuteilung an die Kommunen. Gleichzeitig beschwichtigt sie, man solle keine Panik vor Terroristen haben, die sich unter die Flüchtlinge mischen: „Die Menschen flüchten selbst vor dem Terror!“

Auch versucht Schröder-Köpf Sorgen um die eigenen vier Wände aus dem Weg zu räumen. Bevor Privatpersonen ihr Eigentum hergeben, „muss in einem Flächenstaat wie Niedersachsen gebaut werden“. Neue Gebäude, statt Enteignung. Neue Gebäude, die erst zur Zwischennutzung für die Flüchtlinge dienen, später dann aber „für alle, die es benötigen“ sein sollen.

Dann ist da noch Angst vor der Abschiebung von Flüchtlingen, die von den zahlreichen Ehrenamtlichen über Wochen und Monate betreut und integriert wurden. „Ich habe dem Mann sogar einen Arbeitsplatz besorgt“, bedauert Hermann Schierenbeck aus Weyhe. Er unterstütze seit drei Monaten eine Flüchtlingsfamilie, doch diese soll nun abgeschoben werden. „Die erste Frage ist die, nach dem Herkunftsland“, entgegnet Schröder-Köpf. „Montenegro“, die Antwort lässt ein Raunen durch den Raum gehen. Denn Montenegro gilt als sicheres Herkunftsland. „Wie können Sie das behaupten?“, empört sich Schierenbeck. Und hat damit die Menge im Raum hinter sich. Auch Schröder-Köpf beteuert, dass das in keinem Fall ihre Meinung abbilde, aber „wir leben nun mal in einer Demokratie“. Eine Visitenkarte, das Versprechen, sich die Sache anzuschauen und das eigene Bedauern „es reißt einem ein Stück Herz raus, wenn jemand abgeschoben wird, mit dem man sich beschäftigt hat“, seitens Schröder-Köpf folgen.

Als größtes Problem stellen sich an diesem Abend die Deutschkenntnisse in Bezug auf die Integration der Flüchtlinge dar. Insbesondere fehlende Sprachklassen bringt Landrat Cord Bockhop ins Gespräch. „Das Kultusministerium hat mir gegenüber klar geäußert, dass sofern die Kriterien für eine Klasse erfüllt sind, diese auch genehmigt wird“, versichert Schröder-Köpf. Auch ertönt die Forderung nach Deutschkursen in spezifischen Branchenbereichen, wie dem Baugewerbe. Das Land habe nicht nur neue Sprachlernklassen genehmigt – somit wären es insgesamt 550 in Niedersachsen – sondern auch 250 zusätzliche Stellen, liest Schröder-Köpf aktuelle Zahlen vor. „Das wird ein langer Weg und das wird auch sehr teuer“, schließt sie mit Blick auf die Zukunft.

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