DLRG wirbt fürs Schwimmenlernen

Trügerische Sicherheit: Seepferdchen machen Kinder nicht zu sicheren Schwimmern

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Das Seepferdchen-Abzeichen ist keine Garantie, beim Schwimmen nicht überfordert zu sein.

Nur weil Kinder ihr Seepferdchen-Abzeichen abgelegt haben, sind sie beim Aufenthalt im Wasser stark gefährdet, zu Schaden zu kommen oder gar zu ertrinken. Die DLRG in Syke warnt vor trügerischer Sicherheit und wirbt schon im Kindergarten fürs Schwimmenlernen.

Syke - Gespannt lauschen 15 kleine Kinder, was Maxi zu erzählen hat. Zusammen mit ein paar Erwachsenen sitzen sie im Kreis auf einem großen bunten Tuch, das wie ein aufgeschnittener überdimensionaler Wasserball auf dem Boden liegt. Maxi erzählt, wie er neulich seine Seepferdchen-Prüfung bestanden hat. Dabei kann er in Wirklichkeit gar nicht schwimmen: Maxi ist eine Handpuppe.

Die Kinder gehören zum Kindergarten Sonnenstrahl an der Wilhelm-Heile-Straße im Lerchenfeld. Und die Erwachsenen sind Rettungsschwimmer von der DLRG Syke. Eingeladen hat sie Erzieherin Marlies Ritterhoff. Aus der Zeitung hatte sie von dem gemeinsamen Projekt erfahren, mit dem die DLRG in Kooperation mit einer großen deutschen Marke für Hauptpflegeprodukte in Kindergärten spielerisch über das richtige Verhalten am und im Wasser informiert und Lust zum Schwimmenlernen machen will.

„Wir haben dazu ein paar Spiele vorbereitet“, erklärt Rettungsschwimmer Ole Burdorf (18). „Zum Beispiel haben wir mit den Kindern den Tagesablauf eines Rettungsschwimmers als Bewegungslied dargestellt, mit selbst gebastelten Ferngläsern aufs Meer geschaut, Puzzles und Memory gespielt, und gleich gibt es noch Kaspertheater.“

Kleinkinder können schon in Pfützen ertrinken

Der Hintergrund ist ernst: „Kleine Kinder können theoretisch sogar in einer Pfütze ertrinken“, weiß Burdorf und erinnert an einen Unfall kurz vor Ostern, bei dem in Syke ein Dreijähriger um ein Haar in einem Gartenpool ertrunken wäre.

„Wer von euch hat denn schon das Seepferdchen?“, lässt Burdorfs Kollegin Astrid Heinrich die Handpuppe Maxi fragen. Nicht alle heben die Hand, aber die meisten. Einerseits gut, weil das bedeutet, dass fast alle Kinder wissen, wie Schwimmen geht. Andererseits wiegt das viele auch in einer mitunter trügerischen Sicherheit. Ole Burdorf erklärt: „Die Anforderungen für das Abzeichen sind: Eine Bahn schwimmen und einen Ring aus brusttiefem Wasser vom Boden holen. Damit ist ein Kind noch kein sicherer Schwimmer.“ 

Handpuppe Maxi (gespielt von Astrid Heinrich) war der Star beim Kindergartentag der DLRG.

Davon könne man erst ab dem Freischwimmer- oder Bronze-Abzeichen sprechen. „Danach sind die Bewegungsabläufe viel besser drin“, weiß der angehende Student. „Denn anders als beim Fahrradfahren verlernen Kinder die Bewegungsabläufe beim Schwimmen wieder, wenn man es länger nicht macht.“

Dass auch ältere Kinder in relativ kleinen Gewässern ertrinken können, zeigte sich vor wenigen Tagen in Heere bei Salzgitter. Dort starben zwei vier und sieben Jahre alte Jungen in einem Gartenteich.

Eltern beim Schwimmenlernen besonders gefordert

Erzieherin Marlies Ritterhoff sieht vor allem die Eltern gefordert. „Wassergewöhnung ist so wichtig für die Kinder“, sagt sie. „Aber viele erzählen, sie wissen gar nicht, dass wir in Syke Schwimmbäder haben. Die sind noch nie da gewesen.“

Ole Burdorf hakt ein: „Früher hieß es immer, die Kinder lernen das Schwimmen in der Schule. Aber viele Schulen können das gar nicht mehr leisten. Und Schwimmkurse in Vereinen sind oft überbelegt. Die haben lange Wartelisten.“ Für beide folgt daraus der Appell an die Eltern: „Bringt euren Kindern selber Schwimmen bei!“

Für beide Seiten war dieser Kindergartentag eine echte Premiere: Sowohl der Kindergarten als auch die Syker Ortsgruppe der DLRG haben zum ersten Mal bei dieser Aktion mitgemacht. „Wir hoffen, dass wir das wiederholen können“, sagt Ole Burdorf. „Wir möchten das definitiv öfter machen. Schließlich gehört informieren über Gefahren am und im Wasser zu unseren Kernaufgaben.“

Marlies Ritterhoff fände das klasse. „Ich bin auf jeden Fall wieder dabei!“

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