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Mobil trotz Handicap

Jürgen Kehlenbeck kommt mit diesem Liegerad am besten zurecht. „Obwohl die Dinger an sich gar nicht so einfach zu fahren sind, weil sie so einen tiefen Schwerpunkt haben“, sagt er. - Foto: Walter

Syke  - Von Michael Walter. Zum elften Mal ist am Samstag die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe aus Bruchhausen-Vilsen auf der Messe „Mobil trotz Handicap“ beim Fahrrad-Fachgeschäft PerPedal an der Herrlichkeit in Syke zu Gast. Die Kreiszeitung sprach im Vorfeld mit dem Gründer der Gruppe, Jürgen Kehlenbeck (65) aus Schwarme.

Wieso besucht eine Vilser Selbsthilfegruppe so eine Veranstaltung in Syke?

Jürgen Kehlenbeck: Weil Hartmut Schomburg, der Inhaber von PerPedal, damals vor elf Jahren auf uns zugekommen ist. Wir waren damals die einzige Schlaganfall-Gruppe im weiten Umkreis, und das sind wir heute noch.

Worum ging es damals?

Kehlenbeck: Schomburg hatte sich mit der Idee beschäftigt, Spezialfahrräder für körperlich behinderte Menschen in sein Sortiment aufzunehmen und wollte von uns wissen: Was brauchen wir eigentlich? Was muss man beachten? Darüber sind wir miteinander ins Gespräch gekommen. Wir haben dann gesagt: Wir müssten mal zusammen eine Veranstaltung machen, wo man ganz zwanglos verschiedene Arten von Spezialrädern ausprobieren kann. Und daraus ist dann die erste Messe bei PerPedal geworden. Seitdem gibt es sie jedes Jahr, und unsere Gruppe ist jedesmal mit dabei gewesen.

Warum ist das Ausprobieren denn so besonders wichtig?

Kehlenbeck: Der größte Teil aller Schlaganfall-Patienten behält bleibende Schäden zurück: Ausfallerscheinungen, Teillähmungen, Gesichtsfeldeinschränkungen. Die Folge ist: Man darf nicht mehr Auto fahren. Das Fahrrad gewinnt dadurch eine enorme Bedeutung, um mobil zu bleiben und ein eigenständiges Leben führen zu können. Ein normales Fahrrad kommt für Schlaganfallopfer nicht in Frage. Es gibt zwar Spezialanfertigungen, aber nicht jeder Schlaganfallpatient kommt mit jedem Modell zurecht. Und solche Räder kauft man nicht mal eben für 500 Euro von der Stange. Die liegen in der Preislage eines gebrauchten Kleinwagens. Und die Krankenkassen halten sich da komplett raus.

Da will man also vorher möglichst genau wissen, dass es am Ende auch passt...

Kehlenbeck: Genau – und das Schöne an dieser Messe ist, dass dort Hersteller, Anbieter und Benutzer ganz nah zusammenkommen. Es gibt einen direkten Austausch, wir finden dort kompetente Beratung, und die Hemmschwelle für den Einzelnen ist dadurch auch nicht so hoch.

Ihre Gruppe ist jetzt zum elften Mal dort...

Kehlenbeck: Ja, unser Jubiläum letztes Jahr haben wir ja regelrecht verschwitzt. Da hätte man sonst bestimmt noch mehr draus machen können.

Wieviele Menschen haben Sie denn seitdem aufs Fahrrad gebracht?

Kehlenbeck: Es ist schwer, eine Zahl zu sagen. Wir haben auf jeden Fall mehrere Menschen wieder mobil gemacht. Und es ist ein großes Interesse vorhanden. Unsere Gruppe hat eine Art Inselstellung in der Region. Wir sind kein Verein. Es gibt also auch keine Mitgliederstatistik. Wer kommt, der kommt. Es gibt uns jetzt seit zwölf oder 13 Jahren. Unser Einzugsgebiet reicht etwa von Asendorf über Sulingen bis Leeste, und bei unseren Treffen sind regelmäßig 20 bis 30 Leute anwesend.

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