Dieter Paterkiewicz (86) erinnert sich ans Kriegsende vor 70 Jahren

„Ich war ja nur ein Kind in Uniform“

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Paterkiewicz als 16-jähriger Soldat.

Von Dagmar Voss. Es ist Frühjahr 1945, Dieter Paterkiewicz seit gerade sechs Monaten 16 Jahre alt und stolz, dass er in der Eliteeinheit Erste Fallschirmdivision Dienst tun darf. „Ich war indoktriniert, zweifelte zwar am Kriegsausgang, war aber stolz, für mein Volk streiten zu dürfen“, erinnert sich der heute 86-jährige Syker. „Das habe ich bis heute nicht begriffen, meine Begeisterung und den Glauben an eine Wunderwaffe.“

Als er jedoch in Italien zackig vor seinen Hauptmann tritt, fängt sein Weltbild langsam an zu bröckeln. Die anwesenden Soldaten machen sich über ihn lustig. „Das war eine kalte Dusche, ich war am Boden zerstört – diese Lektion hat mich wachgerüttelt und mein zu Anfang so heroisches Gefühl war wie weggeblasen“, so der langjährige Syker Lehrer. „Ich war ja nur ein Kind in Uniform.“ Sicherlich sorgt da auch sein Dienst als Melder zusammen mit gewisser Orientierungslosigkeit, dazu Gefahr, fehlende Hygiene und dem Zusammenbruch der gesamten Logistik in Sachen Sanitätsversorgung für Überzeugungsschwund. Es ging ihm nur noch durch den Kopf: „Ich bin ein Frontschwein geworden, verkommen, verlaust, dreckig und stinkig – die Ethik als Soldat ist hinüber.“

Die Grausamkeit des Krieges erlebt der Jugendliche, als er auf einem Meldegang einen Kumpan sieht, der sich vermeintlich in der Sonne ausruhen will. Erst ganz nah dran merkt er, dass der Soldat tot ist.

Heute vor 70 Jahren, am 29. April, endete für Dieter Paterkiewicz der Krieg: Seine Gefangennahme durch einen schwarzen Amerikaner, „den ersten Neger meines Lebens“, führte zu einem Heulkrampf – und seinem Überleben.

„Merkwürdig, es herrscht bei mir immer noch so ein enttäuschtes Gefühl, wie unrühmlich so ein Ende doch ist, aber natürlich war ich auch froh, gerettet zu sein.“ Während der Diskussionen im Auffanglager löst er sich komplett von den Ideen des Nationalsozialismus, berichtet der einstige Biologie-, Chemie- und Sportlehrer. Er erlebt dort drei verschiedene Gruppen, die sich um die wahren Erkenntnisse streiten. „Da gab es die alten Haudegen, die wollten auch noch mit den Amis gegen die Russen antreten; dann die Reuedeutschen mit Büßerhaltung und die Klugscheißer“, sagt Paterkiewicz. „Ich war zu jung und gehörte nicht dazu, auf mich wollte keiner hören.“

Im Lager wurden den Gefangenen täglich zwei Stunden lang Filme gezeigt über das Geschehen und Verhalten der Nazis. „Da wurde mir erst so langsam richtig klar, was eigentlich passiert ist.“

Letztlich erlebte Paterkiewicz die Nachricht von der deutschen Kapitulation, die das Ende des Krieges bedeutete, nur völlig apathisch: Viel mehr als „Na gut“ brachte er nicht heraus.

Lesen Sie dazu auch: Erinnerungen zum Kriegsende von Dieter Paterkiewicz

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