„Diese Ruhe! Dieser Blick!“

Kneippverein geht unter die Schrebergärtner und hat noch mehr Ideen für 2021

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Idylle mit Blick auf den Syker Kirchturm: Dietmar Benter, Vorsitzender des Kneippvereins, und Luka genießen die Ruhe auf der vereinseigenen Schrebergarten-Parzelle.

Manchmal sind es diese kleinen Zufälle, die eine Entwicklung ins Rollen bringen: Als Dietmar Benter neulich mit der Volkshochschule über das Kleingartengelände am Hoyaer Berg spazierte, waren gerade zwei Parzellen frei. Und jetzt ist der Syker Kneippverein unter die Schrebergärtner gegangen.

Syke - „Ich kannte das Gelände vorher gar nicht“, sagt der Vorsitzende des Kneippvereins. Für den 66-Jährigen war dieser geführte Rundgang so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Deshalb hatte er auch nicht lange überlegt und die beiden nebeneinander liegenden Parzellen sofort gepachtet. Eine für sich selbst, die andere für den Verein. „Das ist einfach schön, hier oben“, gerät er geradezu ins Schwärmen. „Diese Ruhe! Dieser Blick!“ Eine Gartenbank auf einer der beiden Parzellen ist Benters neuer Lieblingsplatz. Sie steht quasi mitten auf der Hügelkuppe und bietet eine Sichtachse bis zur gegenüberliegenden Seite des Hachetals. Mit dem Kirchturm als Blickfang.

Aber was soll das Ganze überhaupt? Wozu braucht ein Kneippverein einen Kleingarten?

„Weil es dem kneippschen Gedanken enspricht“, sagt Benter. „Das Kneipp-Prinzip ruht auf vier Säulen“, erklärt er. „Wasser, Bewegung, Kräuter, sowie Ruhe und Struktur. Die kann man hier alle in seinen Tagesablauf einbauen. Man kann einen Spaziergang hierher machen oder mit dem Rad fahren, dann etwas im Garten muddeln. Zum Beispiel Kräuter pflanzen oder etwas ernten und etwas davon zum Mittagessen mitnehmen. Und zwischendurch kann man sich mal auf die Bank setzen und die Umgebung genießen.“ Fehlt also bloß das Wasser. „Nö“, sagt Benter. „Wasseranschluss ist vorhanden. Man kann sofort kalte Güsse machen.“

Klar ginge da noch mehr. Ein Armbecken möchte Benter gerne aufbauen. „Wir könnten auch einen großen Bottich zum Wassertreten aufstellen. Es muss ja nicht gleich ein richtiges Kneipp-Becken werden, wie unten am Mühlenteich.“ Schließlich will sich der Verein auch nicht selbst Konkurrenz machen. Aber vielleicht einen neuen Weg beschreiten.

„Kneipp ist die Grundlage von dem, was heute überall unter dem Begriff Wellness läuft“, erklärt Benter. „Nahezu alle Wellness-Programme basieren auf der gleichen Idee. Das einzige Problem für uns dabei ist: Kneipp gilt als antiquiert.“ Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, meint Dietmar Benter. „Obwohl ich das Gefühl habe: Das kommt langsam wieder.“

Der Blick auf die Entwicklung seines eigenen Vereins stimmt ihn optimistisch. „Wir haben aktuell um die 300 Mitglieder. Die meisten sind Ü 70, aber das verjüngt sich gerade wieder. Wir haben letztes Jahr einige neue Mitglieder aus der U 60 dazu bekommen.“

Nicht zuletzt, weil der Syker Kneippverein inzwischen ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt ist. Benter: „Wir sind mittlerweile der einzige weit und breit. In den Nachbargemeinden haben die Kneippvereine überall nach und nach dicht gemacht. Die nächsten sind in Delmenhorst und Hoya. Entsprechend groß ist unser Einzugsgebiet.“

Trotzdem – und das sagt Dietmar Benter an dieser Stelle nicht –  hätte es auch den Syker Kneippverein fast erwischt, wäre er, Benter, nicht gewesen. Hätte er im Januar nicht für den Vorsitz kandidiert, wäre die Vereinsauflösung wahrscheinlich unvermeidlich gewesen.

„Ich möchte Kneipp ins Bewusstsein der Stadt bringen“, sagt Benter. Die Zeit dafür ist günstig: 2021 hätte Pfarrer Sebastian Kneipp seinen 200. Geburtstag. „Bis dahin würde ich gerne einen Kneipp-Rundweg durch Syke anlegen. Vom Becken am Mühlenteich zum Schrebergarten und auf einem anderen Weg wieder zurück. Vielleicht kann man irgendwo in der Stadt auch einen Kräutergarten anlegen“, überlegt Benter. „Ich würde auch gerne die Gastronomie in der Stadt dazu bewegen, ein Kneipp-Menü anzubieten.“

Ideen hat er genug. Benter weiß aber seine Rolle und die seines Vereins richtig einzuschätzen. „Letztlich sind wir nur ein kleiner Teil des Ganzen“, sagt er. „Wir möchten aber gerne unseren Teil dazu beitragen, für Syke ein attraktives Angebot zu machen.“

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