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FC Gessel-Leerßen wehrt sich gegen Erpresser-Vorwürfe

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Von: Michael Walter

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Wollen sich nicht als Erpresser brandmarken lassen: Die drei Vorsitzenden des FC Gessel-Leerßen. Von links: Manfred Schattschneider, Edgar Rademacher und Peter Frey.
Wollen sich nicht als Erpresser brandmarken lassen: Die drei Vorsitzenden des FC Gessel-Leerßen. Von links: Manfred Schattschneider, Edgar Rademacher und Peter Frey. © Michael Walter

„Wir haben niemanden erpresst und wir wollen auch niemanden erpressen!“ Das betonen Peter Frey, Edgar Rademacher und Manfred Schattschneider sehr deutlich. Sie sind das Vorsitzenden-Triumvirat des FC Gessel-Leerßen und sehen sich zu unrecht an den politischen Pranger gestellt. Der Vorwurf, sie wollten die Stadt bei einem gemeinsamen Bauvorhaben erpressen, war vor einer Woche im Ausschuss für Schule, Kita, Jugend und Sport laut geworden.

Gessel –Die Geschichte beginnt aber eigentlich schon 2015: Damals hatte der FC erstmalig die Idee entwickelt, sein Vereinsheim in ein Sport- und Bewegungszentrum auszubauen. Bis sie konkrete Züge annahm, vergingen einige Jahre. In der Zwischenzeit hatte der TSV Barrien ebenfalls Pläne entwickelt, sein noch relativ neues Sport- und Bewegungszentrum zu vergrößern. Da beide Vereine a) hohe Zuschüsse bei der Stadt beantragt hatten und b) nur einen Katzensprung voneinander entfernt sind, hatten Politik und Verwaltung darauf gepocht, beide Vereine mögen eine gemeinsame Planung prüfen.

Daraus wurde jedoch nichts. Die Stadt schlug daraufhin eine Alternative vor: Sie muss den Kindergarten Gesseler Feldmäuse – unmittelbar neben dem Vereinsgelände des FC – ohnehin erweitern. Die Idee war nun, die erforderliche Bewegungshalle größer zu bauen, sodass auch der Verein sie nutzen kann. Bedingung der Stadt: Von den dafür anfallenden rund 400 000 Euro Mehrkosten müsse der Verein 100 000 Euro aus Eigenmitteln beisteuern.

Der Erpresser-Vorwurf

Das vorentscheidende Gespräch darüber war am gleichen Tag wie die Ausschusssitzung. Der Erpresser-Vorwurf war ein unmittelbares Resultat auf die Wiedergabe dieses Gesprächs durch die zuständige Fachbereichsleiterin Claudia Prößler, die – wie sie selbst mehrfach im Ausschuss betonte – nicht persönlich dabei gewesen ist. Prößlers sinngemäße Darstellung: Der Verein könne die geforderten 100 000 Euro nicht beisteuern. Er fordere von der Stadt daher 200 000 Euro Zuschuss für einen eigenen Bau. Anderenfalls müsse die Stadt die 400 000 Euro Mehrkosten für das gemeinsame Bauvorhaben allein tragen. Marlene Früchtenicht (FWG) war danach die erste, die laut aussprach, was vermutlich auch die meisten anderen in diesem Moment gedacht haben dürften: „Das nennt man wohl Erpressung, oder?“

Um diesen Plan geht es – konkret um die Ecke unten links: Da soll die vergrößerte Bewegungshalle entstehen, die der Kindergarten und der FC Gessel-Leerßen gemeinsam nutzen sollen. Mehrkosten laut Schätzung der Stadt: etwa 400 000 Euro für 86 Quadratmeter mehr Halle. Der FC findet das unvernünftig. Grafik: Stadt Syke
Um diesen Plan geht es – konkret um die Ecke unten links: Da soll die vergrößerte Bewegungshalle entstehen, die der Kindergarten und der FC Gessel-Leerßen gemeinsam nutzen sollen. Mehrkosten laut Schätzung der Stadt: etwa 400 000 Euro für 86 Quadratmeter mehr Halle. Der FC findet das unvernünftig. Grafik: Stadt Syke © Grafik: Stadt Syke

So sei das überhaupt nicht gemeint gewesen, beteuert Peter Frey. „Wir fühlen uns völlig missverstanden!“ Der Vorsitzende erklärt: „Wir haben bis zu diesem Gespräch überhaupt nicht gewusst, dass da so hohe Mehrkosten entstehen würden. Ich habe dann gesagt: Ihr wollt 400 000 Euro ausgeben für 86 Quadratmeter Bewegungsraum? Dann gebt uns 200 000 und wir bauen dafür ‘ne 200-Quadratmeter-Halle, das ist doch die weit vernünftigere Lösung.“ Eine Auffassung, die auch Freys Co-Vorsitzende vorbehaltlos teilen. „Aber wir werden als Deppen und Erpresser dargestellt“, sagt Edgar Rademacher.

200-Quadratmeter-Halle

Eine grobe Kalkulation für die von Peter Frey angesprochene 200-Quadratmeter-Halle gibt es bereits. Der Verein geht darin von etwa einer halben Million Euro Gesamtkosten aus: 50 000 Euro Eigenmittel vom Verein, 50 000 Zuschuss vom Stadtsportring (den es für einen gemeinsamen Bau mit der Stadt übrigens nicht geben würde), 200 000 Euro von der Stadt plus eine Summe X als Zuschuss vom Landessportbund, die sich noch nicht genauer nennen lasse. „Den Rest finanzieren wir als Verein über Eigenmittel oder Darlehen“, so Frey.

Zur Debatte steht das erst mal noch nicht. In zwei Wochen soll der Verein jedoch verbindlich erklären, ob er die geforderten 100 000 Euro für das gemeinsame Bauvorhaben am Kindergarten aufbringen kann. Bis dahin soll auch geklärt sein, wie die Eigentumsrechte und die Folgekosten bei einem gemeinsamen Bau mit der Stadt geregelt werden. Nächsten Montag ist erweiterte Vorstandssitzung. „Da müssen wir darüber sprechen“, sagt Edgar Rademacher. „Aber entscheiden müssten darüber in jedem Fall die Mitglieder.“ Das wird bis zur von der Stadt geforderten Frist – die läuft zum 23. Juni ab – nicht möglich sein: Die Mitgliederversammlung ist erst am 1. Juli.

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