Pfahlreihe schützt Fußgänger

Die Poller-Phalanx in der Steinheide - nicht jedermanns Geschmack

Zwei Autos begegnen sich in der Steinheide in Syke.
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Begegnungsverkehr in der Steinheide: Wegen der Poller weichen Fahrzeuge jetzt zwar nicht mehr auf den Radweg aus, aber dafür auf den Grünstreifen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Der leidet dadurch – doch das ist ein Umstand, mit dem man sich arrangieren muss, betont Lars Brunßen vom Syker Tiefbauamt.

Mehrere Dutzend Poller stehen seit einigen Wochen in gleichmäßiger Reihe am Straßenrand der Steinheide. Warum? Lars Brunßen erläutert die Gründe dafür, dass die langjährige vorherige Regelung nicht mehr möglich war – und warum die Anwohner an der gegenüberliegenden Straßenseite nun eine neue Kröte zu schlucken haben.

Heiligenfelde – „Schön geht anders“, findet die Anwohnerin mit Blick auf die Poller-Phalanx am Straßenrand. Die braunen Kunststoff-Pfähle mit dem abgerundeten Kopf und den rot-weißen Reflektoren sind nicht jedermanns Geschmack. Doch sie erfüllen dort an der Steinheide eine wichtige Funktion: den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer.

Seit einigen Wochen verhindern mehrere Dutzend der Poller, dass der geschotterte Trennstreifen zwischen Fußweg und Fahrbahn als Ausweichfläche genutzt wird, wenn sich zwei Fahrzeuge auf der schmalen Straße entgegenkommen. Eine ähnliche Regelung hatte es auch bis zum vergangenen Jahr gegeben: Damals standen viele schwarz-weiße Leitpfosten hintereinander am Straßenrand und erfüllten die gleiche Funktion. Doch sie mussten 2020 weichen.

Den Grund erläutert Lars Brunßen vom Syker Tiefbauamt. „Gesetzlich sind solche Leitpfähle wie Verkehrszeichen zu behandeln und müssen – ähnlich wie ein Stoppschild – durch die Verkehrsbehörde angeordnet werden.“ Das sei an der Steinheide nicht der Fall gewesen, die Begrenzungspfähle seien „irgendwie da hingekommen – jedenfalls nicht auf Wunsch der Stadt“. Das Syker Ordnungsamt monierte den rechtlich nicht korrekten Zustand, und die Pfähle kamen weg.

Anschließend beobachtete die Stadtverwaltung einige Monate lang, wie sich die Verkehrssituation in der Steinheide entwickelte. Die Ergebnisse waren nicht zufriedenstellend: Der Trennstreifen und teilweise sogar der Gehweg seien nach Angaben von Anwohnern genutzt worden, um bei Begegnungsverkehr ohne Tempoverringerung weiterfahren zu können, so Brunßen.

„Unsere Aufgabe ist es, die schwachen Verkehrsteilnehmer zu schützen“, betont Brunßen. Das sind dort die Fußgänger oder auch die Grundschüler auf dem Schulweg, die bis zum Alter von zehn Jahren den Fußweg auch mit dem Fahrrad nutzen dürfen. In mehreren Ortsterminen kam die Verwaltung ins Gespräch mit den Anwohnern – und beschloss die Lösung mit den neuen Pollern. Zudem erhielt der Trennstreifen eine Oberflächenbehandlung,

Für einen Anlieger gab es sogar eine Sonderlösung: Der in der Straße angesiedelte Tischlereibetrieb erhält die Möglichkeit, einen der Poller zu entfernen, wenn einer seiner Zulieferer-Lkw in der Steinheide parken muss.

Die neuen Pfähle erfüllen ihren Zweck – der Gehweg ist geschützt. Das Problem: Begegnungsverkehr gibt es auf der Straße immer noch. Und wohin weichen Fahrzeuge aus, wenn es an einer Straßenseite nicht mehr geht? Auf die gegenüberliegende Seite. Der dortige Grünstreifen hat in den vergangenen Wochen sichtbar gelitten.

Einzelne ausgefahrene Kuhlen haben Bauhof-Mitarbeiter bereits verfüllt. Kein Idealzustand, räumt Lars Brunßen ein. Doch die perfekte Lösung gebe es da eben nicht. Poller wie auf der Gegenseite könne man dort nicht aufstellen – die Straße sei schlicht nicht breit genug, um schadlos abfließenden Begegnungsverkehr zu gewährleisten. Und eine teure bauliche Verbreiterung der Fahrbahn führte nach seiner Überzeugung nur dazu, dass die Autofahrer noch schneller durch die dortige 30er-Zone fahren würden.

„Auch wenn die Anlieger nicht glücklich darüber sind: Wir werden das nicht abstellen können“, erklärt Brunßen. Er weist darauf hin, dass der Grünstreifen am Rand zwar von den Anliegern gepflegt werde, aber weiterhin Eigentum der Stadt Syke sei. „Was damit geschieht, entscheidet die Stadt Syke.“

Was tatsächlich ein Problem darstelle, sei das hohe Niveau des Seitenraums an der Steinheide. Das führt laut Brunßen dazu, dass sich Wasser am Straßenrand sammelt – was zu Aquaplaning und Straßenschäden führen könne. „Das müsste eigentlich auf der gesamten Länge runtergenommen werden.“ In diesem Jahr allerdings werde in der Steinheide nichts in dieser Richtung passieren.

Insgesamt hofft Brunßen, dass nun Ruhe einkehrt in der Steinheide. „Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen und mit der Situation leben.“

Von Frank Jaursch

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