Kreismuseum zeigt ab Sonntag Werke des Künstlers und Volkskundlers Erich Fuchs

Die Kompositionen des Charakterkopfes

Vorfreude im Sonderausstellungssaal: Erich Fuchs' Enkelin Renate Baumgärtner (v.l.) mit Ehemann Friedolin, Heinz Riepshoff und Museumsleiter Ralf Vogeding.
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Vorfreude im Sonderausstellungssaal: Erich Fuchs" Enkelin Renate Baumgärtner (v.l.) mit Ehemann Friedolin, Heinz Riepshoff und Museumsleiter Ralf Vogeding.
  • Frank Jaursch
    vonFrank Jaursch
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Syke – Die Szenen wirken wie aus dem Leben gegriffen: Die stämmige Bäuerin, die im großen Hallenhaus mit ihrer Magd die Hausarbeit und das Mittagessen vorbereitet. Frauen, die in der Deele mit der Handbrake Flachs brechen. Der hagere Mann, der in der Stube am Webstuhl sitzt. Das Verblüffende an den 48 Aquarellen, die am Sonntag im Kreismuseum zu sehen sind: Keines davon ist die Abbildung einer Szene, die es genau so gegeben hat. Sie alle sind bildnerische Kompositionen eines bemerkenswerten Künstlers.

Die Ausstellung mit dem etwas sperrigen Titel „Altes niedersächsisches-westfälisches Bauerntum und Handwerk“ präsentiert die Werke das Künstlers und Volkskundlers Erich Fuchs (1890 – 1983). „Er war in Schlesien einer der bedeutendsten Künstler in Sachen Volkskunde“, umschreibt es Heinz Riepshoff, der „geistige Vater“ der Ausstellung.

Nach Kriegsende und der Vertreibung aus Schlesien verschlug es den Maler zunächst nach Hannoversch-Ströhen. Und auch als er später ins Rheinland umgezogen war, kehrte er immer wieder dorthin zurück, um seine Tochter Elisabeth zu besuchen. Seine Aufenthalte nutzte Fuchs, um ein außergewöhnliches Projekt voranzutreiben: Er wollte – so lässt sich aus seinen Aufzeichnungen erkennen – in der neuen Umgebung die letzten Reste einer althergebrachten ländlichen Lebens- und Arbeitswelt dokumentieren.

Für diesen Zweck war er – einer Behinderung durch Kinderlähmung zum Trotz – unermüdlich unterwegs in und rund um Hannoversch-Ströhen. Er überredete die Bewohner in der ländlichen Gegend, sie zu zeichnen. Er fertigte zahlreiche Bleistiftstudien an und sammelte so einen Fundus an Persönlichkeiten, die den Szenen auf seinen Bildern später Leben einhauchen würden.

Dass man diesen Entstehungsprozess nun durch ein Nebeneinanderstellen der Studien und der fertigen Aquarelle nachvollziehen kann, ist vor allem Heinz Riepshoff zu verdanken. Aus mehreren Gründen: Zum einen war er es, der im Zuge einer anderen Ausstellung zufällig über ein Bild von Fuchs stolperte – und erkannte, welchen Wert die Werke haben. „Mit war sofort klar, was für eine Qualität wir da anbieten könnten.“

Zum Zweiten recherchierte er hinter den Eigentümern der Bilder her – und fand sie letztlich mit Erich Fuchs" Enkelin Renate Baumgärtner und ihrem Mann Friedolin in Verden. Und zum Dritten machte er sich an die Herkulesaufgabe, die vielen Mappen mit den Skizzen zu sichten und den Aquarellen zuzuordnen. Das Ergebnis überzeugt nicht nur Museumsleiter Ralf Vogeding, sondern auch Renate Baumgärtner. „Ich bin ganz begeistert“, lobt sie die Ausstellung.

Noch eine Besonderheit weist die Ausstellung auf: Fuchs selbst fertigte parallel zu den Bildern Beschreibungen und Erklärungen zu ihrer Entstehung an. Darin schilderte er – durchaus in deutlicher Formulierung – schon mal den Unmut oder Widerwillen der Modelle und die Überredungskunst, mit der er letztlich noch zu „seinem“ Bild kam. „Es gibt kaum einen Künstler, der den Moment der Entstehung so ausführlich beschreibt“, sagt Riepshoff.

Das Bild, das sich aus den Notizen, aber auch aus den Erinnerungen von Renate Baumgärtner ergibt, zeichnet Erich Fuchs als einen echten Charakterkopf – mit Ecken und Kanten. „Wenn ein Mensch seiner Ansicht nach keinen Kunstverstand hatte, hat er ihnen kein Bild verkauft“, schildert Friedolin Baumgärtner. Fuchs zeigte deutliche Vorbehalte gegen das Landleben, als seine Tochter „aus besserem Hause“ in eine Bauernfamilie einheiratete. Und doch zeichnete er das ländliche Leben so realitätsnah und umfassend wie kaum ein Anderer.

Die Ausstellung ist bis zum 30. August im Sonderausstellungsbereich zu sehen. Flankierend dazu ist ein umfangreiches Buch zur Ausstellung entstanden, das nicht nur die Aquarelle und Zeichnungen zeigt, sondern auch die Erläuterungen von Fuchs sowie Ergänzungen von Riepshoff. Der Band ist für 18 Euro im Kreismuseum erhältlich.

Von Frank Jaursch

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