Nele Miethig ist der führende Kopf im Forum Gesseler Goldhort

Die Hüterin des Schatzes

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Syke – Berlin, Madrid, Rom: Nele Miethig ist in Studium und Beruf schon ganz schön rumgekommen. Jetzt ist sie in Syke. Manche würden das vielleicht als Karriereknick bezeichnen. Das Gegenteil ist der Fall: Die 38-jährige Archäologin ist quasi die wissenschaftliche Leiterin des Forum Gesseler Goldhort am Kreismuseum.

Das einschränkende „quasi“ ist im Wesentlichen formaler Natur: Nele Miethig hat offiziell eine Volontärsstelle. „Das Volontariat ist die Ausbildung für den höheren Dienst in Museen“, erklärt sie. Von der Funktion her betreut sie die archäologische Sammlung, die museumspädagogische Arbeit und die Öffentlichkeitsarbeit.

In Lübeck ist sie geboren und groß geworden. Mit 19 ging sie für anderthalb Jahre zum Studium nach Marburg. Dann ein Jahr nach Rom, dann nach Berlin. Mit Unterbrechungen bis 2018. Zwischendurch war sie zum Beispiel für zwei Jahre in Madrid. „Es war toll! Aber ich bin Norddeutsche und wollte immer zurück. Das war von Anfang an mein Wunsch.“

Über eine Stellenanzeige in einer Publikation für Akademiker erfuhr sie vom Volontariat im Forum Gesseler Goldhort. „Von Syke hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört“, erzählt sie. „Inzwischen habe ich rausgefunden, dass es witzigerweise viele private Verbindungen gibt. Ich habe ein paar Bekannte, die aus Syke und umzu kommen. Und mein Vater ist hier mal während seiner Studienzeit mit dem Motorrad liegen geblieben.“

Ende November 2018 hatte sie ihr Vorstellungsgespräch. „Ich habe von meinen Ausgrabungen erzählt, welche museumspädagogische Arbeit ich schon gemacht habe und dass ich Verbindungen zur Neueren Geschichte habe.“ In Berlin hat Nele Miethig in einem Dokumentationszentrum für NS-Zwangsarbeit gearbeitet. Das befindet sich in einem ehemaligen Arbeitslager, das fast vollständig erhalten geblieben ist. „Das war kein Konzentrationslager“, erklärt sie. „Die Lebensumstände waren nicht ganz so fürchterlich. Trotzdem ist das ziemlich starker Tobak, in diesen Baracken zu arbeiten. Die Besucher sind teilweise in Tränen ausgebrochen.“ Nele Miethig findet es wichtig, sich auch mit diesem Kapitel der Geschichte zu befassen. „Das ist aber durchaus belastend. Da kann man gar nicht so viel Schokolade essen, als dass es einem dabei nicht schlecht geht.“

In Syke ist sie seit Januar 2019 und im Prinzip für alles zuständig, was sich im Forum Gesseler Goldhort abspielt. Sie war bei den Baubesprechungen dabei, hat das museumspädagogische Konzept erarbeitet und die Eröffnungstage organisiert.

Die letzten Tage vor der Einweihungsfeier waren der pure Stress: „Das war ein enormer Druck für uns alle“, erzählt sie. „Der Bau, die Vorbereitungen, Corona und dann kurz vor der Eröffnung noch der Sturmschaden. Wir mussten also nebenbei auch noch den Umzug der Museumsverwaltung organisieren. Und vor allem wollten wir nach außen zeigen, dass der Goldhort was Besonderes ist. Wir haben wirklich alle an einem Strang gezogen, sonst hätten wir das alles auch nicht wuppen können.“

Wer weiß, wozu es gut ist, dass kurz nach der Eröffnung der Teil-Lockdown kam. „Das Interesse am Goldhort ist groß“, sagt Miethig. „Wir konnten nie so viele Besucher reinlassen, wie kommen wollten. Wir hatten zuletzt Wartezeiten von bis zu zwei Stunden.“ Aktuell ist das Museum komplett geschlossen.

Was macht Nele Miethig gerne, wenn sie sich nicht mit Archäologie beschäftigt? Worüber freut sie sich, was ärgert sie? – Da wird sie einsilbig: Ihr Privatleben möchte sie am liebsten privat bleiben lassen. Auch im Umgang mit Sozialen Medien ist sie daher extrem sparsam.

Zum 31. Dezember läuft Nele Miethigs Vertrag aus. „Ich hoffe, dass ich übernommen werde und hierbleiben kann.“

Von Michael Walter

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