Ruth Cordes setzt Zeichen für Solidarität und Wertschätzung

Die große Kraft der Kunst

Ruth Cordes in ihrem Atelier in Syke.
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Ruth Cordes in ihrem Atelier in Syke.

Syke – Querdenker-Demos, Corona-Leugner,... – Ruth Cordes geht das gehörig auf den Geist. Die Syker Künstlerin ist überzeugt: „Wir können gemeinsam durch diese Zeit steuern, ohne uns spalten zu lassen. Ohne Hetze, ohne Polemisieren.“ Und sie will ihren Teil dazu beitragen. Mit dem, was sie am besten kann: Kunst.

„Kunst hat die große Kraft, Menschen zu einen“, sagt Ruth Cordes. Selbst wenn nicht jeder alles gut findet. Selbst wenn jeder in einem Kunstwerk etwas anderes sieht als sein Nachbar. Selbst wenn Kunst ein Programm für Minderheiten ist und sich Studien zufolge nur sieben Prozent der Menschen in Deutschland für Kunst interessieren. Was wie ein Widerspruch wirkt, ist für Ruth Cordes keiner. Weil Kunst für sie zunächst einmal Vielfalt bedeutet – und damit das Gegenteil von Einfalt.

Das große Problem dabei ist nur: Die wenigsten Künstler werden derzeit noch gesehen. Erstens weil der Lockdown Ausstellungen verbietet. Zweitens weil die meisten Künstler ohnehin gar keine Ausstellungsmöglichkeiten haben. Ruth Cordes hat da einen großen Vorteil: Zusätzlich zu ihrer Werkstatt in den eigenen vier Wänden an der Kirchstraße hat sie in Bremen eine Galerie: „Einen kleinen Showroom und ein Atelier im Schnoor. Zusammen 35 Quadratmeter“, erzählt sie. Und die darf sie öffnen. „Das fällt offiziell unter Einzelhandel.“

Ruth Cordes hat dort so etwas wie eine Verkaufsschau mit wechselnden Anbietern eingerichtet. „18 Künstler haben Arbeiten gebracht oder geschickt. Die kann man von innen oder von außen ansehen, wenn man sich nicht reintraut. Ich lasse die Tür offen und arbeite dort. Menschen, die vorbeikommen, haben die Gelegenheit, sich einen Eindruck zu verschaffen.“ Und zu kaufen. Aber darum gehe es im Moment höchstens an zweiter oder dritter Stelle, bekräftigt Cordes. „Das war keine geplante Geschichte, sondern eine spontane Reaktion.“

Der Sinn ist: Ihren Kollegen eine Chance zu geben, überhaupt wahrgenommen zu werden. „Die, die zuhause sitzen und arbeiten, das ist die große Masse.“ Vor allem sind das gleichzeitig aber auch die, „die im regionalen Bereich unsere Kulturlandschaft gestalten und unser aller Leben bunt werden lassen“, sagt Cordes. „Die ein Stolpern unserer Gedanken herbeiführen und unseren Blick erweitern.“

Das sind übrigens auch größtenteils Künstler, die bisher von keinerlei Hilfspaket erfasst werden. Weil sie – wie auch viele Musiker, Schauspieler oder etwa Straßenkünstler – keine Betriebskosten haben, für die sie Zuschüsse oder Erstattungen beantragen könnten.

Wenigstens einem Teil dieser Leute eine Plattform zu bieten, ist Ruth Cordes’ Antrieb. „Künstler und Kulturschaffende bringen unsere Städte zum Vibrieren und geben ihnen die Seele. Deshalb ist es wichtig, sie jetzt nicht wegzusperren.“

Ihr Feldversuch, wenn man es so nennen will, läuft jetzt in der dritten Woche. Cordes’ Zwischenbilanz: „Ich fühle mich total bestätigt.“

Die Menschen kämen sehr gezielt, sagt sie. „Die laufen uns zwar nicht die Bude ein, aber sie kommen.“ Und sie zeigen dabei ein großes Maß an Solidarität. „Leute kommen und sagen: Ich wollte schon immer mal ein Bild von dir haben, aber ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür.“ Sie selbst hat das ähnlich erlebt: „Meine Vermieterin ist auf mich zugekommen und hat gesagt: Ich glaube, wir reduzieren mal deine Miete.“

Diese Art von unaufdringlicher Solidarität sieht Ruth Cordes aber auch an vielen anderen Stellen. Sie denkt dabei zum Beispiel an die Gruppe «Syke hilft» im Internet. Oder etwa an Schüler, die für andere einkaufen gehen. „Es gibt so viele! Das passiert im Stillen. Und ich möchte es jetzt ein bisschen laut sagen.“

Von Michael Walter

Ihren Showroom in Bremen hatte die Sykerin zu Anfang des Lockdowns selbst zum Kunstobjekt gemacht, um damit zum Nachdenken über die Wertschätzung von Kunst anzuregen: Ohne Kunst ist es grau – mit Kunst ist es richtig, lautet ihre Botschaft. Und so heißt auch ihre aktuelle Verkaufsausstellung dort.

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