Stadt nimmt Fotovoltaikanlage im Rathaus in Betrieb

Die Batterie im Keller macht’s

Die Fotovoltaik-Zellen auf dem Rathausdach erzeugen im Jahr mehr als 60 000 Kilowattstunden Strom.
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Die Fotovoltaik-Zellen auf dem Rathausdach erzeugen im Jahr mehr als 60 000 Kilowattstunden Strom.

Syke – Was lange währt,...: 2019 hatten die Genossenschaft Bürgerenergie und die Stadtverwaltung zum ersten Mal darüber nachgedacht, das Rathaus mit selbstgemachtem Strom aus Solarenergie zu versorgen. Jetzt ist die Anlage fertig.

Erst hatten Genehmigungsprobleme die Planung verzögert, dann waren die Solarmodule nicht lieferbar (wir berichteten). Aber schließlich hat alles noch geklappt. Als letztes fehlte noch die Betriebsgenehmigung für den Batterriespeicher. Die hat das Land Niedersachsen dann Mitte April erteilt. Und jetzt ist alles verkabelt, angeschlossen und eingerichtet.

Um die 60 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen die Solarmodule auf dem Rathausdach. Oder genauer: auf den Dächern. Tatsächlich hat die Stadt gleich drei Flügel des Gebäudes damit ausgestattet. Mit Ausrichtung nach Süden, Osten und Westen. „Das ergibt zwar eine etwas geringere Jahresausbeute, als wenn die Module komplett nach Süden ausgerichtet wären. Aber dafür hat man über den Tag verteilt eine gleichmäßigere Stromerzeugung.“ Die Erklärung kommt von Robert Buschmann. Der Diplom-Ingenieur betreibt in Twistringen eine Firma, die sich auf Fotovoltaik und Batteriesysteme spezialisiert hat.

Sein Auftraggeber ist die Genossenschaft Bürgerenergie Syke. Und die ist Vertragspartner der Stadt. Die Genossenschaft hat die Anlage gebaut, die Stadt bekommt den Strom zu einem günstigeren Preis als sie ihn am regulären Strommarkt bekommen würde. Die Genossenschaft verdient Geld, die Stadt spart Geld und der Strom wird klimaneutral erzeugt. Eine Win-win-win-Situation.

Inbetriebnahme der Fotovoltaik-Anlage im Syker Rathaus. Bis zu 75 Prozent des eigenen Strombedarfs produziert das Rathaus damit selbst.

Der entscheidende Baustein ist der Batteriespeicher im Rathauskeller. Ralf Borchers, der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, erklärt: „Bisher wurde bei Solaranlagen der Strom, den man im Moment gerade nicht selber verbraucht hat, ins Netz eingespeist. Jetzt können wir ihn speichern und später verbrauchen.“ Etwa wenn es draußen dunkel ist oder stark bewölkt. „Bis zu 75 Prozent des Stroms, der im Rathaus insgesamt verbraucht wird, kann auf diese Weise selbst im Rathaus erzeugt werden.“

Borchers’ Vorstandskollege Medard Andrae hakt ein: „Nur durch den Eigenverbrauch rechnet sich so eine Anlage heutzutage noch.“ Überschüssigen Strom ins Netz einzuspeisen sei nicht mehr wirtschaftlich. Andrae gibt ein Beispiel: „Als wir 2008 unsere erste Fotovoltaikanlage gebaut haben, lag die Einspeisevergütung noch bei 46 Cent pro Kilowattstunde. Heute bekommt man dafür nur noch 9 Cent.“

Gekostet hat diese erste Fotovoltaikanlage damals übrigens noch mehr als die neue: Rund 120 000 Euro im Vergleich zu den 100 000, die jetzt fällig werden. „Aber da ist sogar der Batteriespeicher schon mit eingerechnet“, sagt Ralf Borchers. „Und die erste Anlage hatte nicht mal halb so viel Leistung.“

Was kommt als nächstes? „Fragezeichen“, sagt Ralf Borchers bloß. Die Stadt möchte gerne weitere Fotovoltaik-Anlagen mit der Bürgergenossenschaft bauen. Zum Beispiel auf den neuen Kindergärten. Doch Medard Andrae winkt ab. „Kindergärten verbrauchen nicht genug Strom, und ein bisschen kaufmännisch denken müssen wir schon.“ Manuel Schulenberg, der Aufsichtsratsvorsitzende, gibt sich sphinxig: „Wir sind offen für alles. Für Wind, zum Beispiel.“ Bürgermeisterin Suse Laue fände das gut: „Über ein Bürgerwindrad reden wir in Syke ja schon sehr lange.“

Von Michael Walter

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