Dichter Zigarrenqualm beim Doppelkopf

Kneipen in Wachendorf: Zeitzeugen, Dokumente und Döntjes gesucht

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Käthe Bobrink und Werner Köhler erforschen das Wachendorfer Kneipenleben von einst. Auf dem Bild in Köhlers Händen ist die Bahnhofsgaststätte mit Hermann Willenbruch zu sehen.

Wachendorf - Von Dieter Niederheide. Was das Kneipenleben ihres Heimatortes Wachendorf angeht, ist Käthe Bobrink (75) im Grunde ahnungslos. „Ich war nie Kneipengängerin“, sagte sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Trotzdem hat sie sich in zwischen voller Begeisterung zu einer mehr symbolisch zu sehenden „Kneipentour“ aufgemacht. Nicht alleine. An ihrer Seite: Werner Köhler (78), Colonie Wachendorf, der als Mitglied heimischer Vereine schon besser Bescheid weiß, was das Leben in Wachendorfer Gasthäuser einst und jetzt angeht.

Das Interesse an Gaststätten von einst und jetzt hat einen besonderen Grund. Käthe Bobrink und Werner Köhler sind seit 2016 für die Aktion „Gaststättenwesen im Landkreis“ unterwegs und damit der Historie alter Gasthäuser in Wachendorf auf der Spur. Dazu bitten sie die Bevölkerung des Dorfes um Unterstützung.

Wer, so fragen sie, hat noch alte Fotos von Gasthäusern (Innen- und Außenansicht), von Festen, die dort gefeiert wurden? Wer weiß um alte Begebenheiten, die damals an den Theken oder Stammtischen die Runde machten? „Nichts wie her damit“, sagt das Duo.

Kneipen vergangener Tage

Was gab es eigentlich vor vielen Jahren im Dorf für Gasthäuser? Käthe Bobrink ist dabei, zum Beispiel die Geschichte der einstigen Bahnhofsgastwirtschaft zusammenzutragen. Darin stehen am Anfang Schenkwirt und Hokenhändler Lüdeke Willenbruch und Gesche Marie, die im Dezember 1861 mit dem Dorfkrug den Grundstein zur späteren Bahnhofsgaststätte im Dorf legten.

Es wurde eine Kegelbahn gebaut. Mit der Kleinbahn und der Haltestelle wurde aus dem Dorfkrug die Bahnhofsgaststätte. Später erwarb Hermann Willenbruch die Mühle mit dem Wohnhaus nebenan, richtete dort unter anderem die neue Bahnhofsgaststätte ein. In jüngeren Jahren gab es hier das Abendlokal „Mühle 23“ – ein Ziel über die Region hinaus.

Erzählungen, Unterlagen und eigene Erinnerungen

Aus Erzählungen, Unterlagen und der eigenen Erinnerung hat Werner Köhler die Geschichte des Gasthauses Zum Jägerkrug in Colonie Wachendorf niedergeschrieben. 1834 erbaute Neubauer Heinrich Ludwig Fischer das Gasthaus. Werner Köhler erinnert sich: „Die Senioren pafften Zigarren, dicke Qualmschwaden kreisten beim Doppelkopf über alle Köpfen.“

Im Jägerkrug wurde ihm nach der Konfirmation Doppelkopf beigebracht. „Allerdings spielten wir Jungen nicht um Geld oder Bier, sondern bekamen vom Wirt jeder 20 Bohnen, um die spielten wir. Nach dem Spiel sammelte der Gastwirt die Bohnen wieder ein.“ Gastwirte waren Hans Trümper und Sohn Herbert.

Was ist geblieben?

Das Üben nach der Konfirmation im Gasthaus hatte für ihn kostspielige Folgen. Das neue Fahrrad, vom Konfirmationsgeld gekauft, hatten Unbekannte vor dem Gasthaus gestohlen.

Die wohl älteste Wachendorfer Gaststätte war das Gasthaus Zum Kirchberg, das Vereinslokal der Wachendorfer Vereine schlechthin, das erst vor einigen Jahren endgültig schloss.

Die Aufnahme von 1922 zeigt die Gastwirtschaft von Heinrich Trümper.

Was ist vom Gaststättenwesen im Dorf geblieben? Meyers Gasthaus in Colonie mit der Wirtin Irmgard Meyer (93), die mit Tochter und Schwiegersohn nach wie vor am Tresen steht (wir berichteten). Aus dem einstigen Schützenheim ist das Dorfgemeinschaftshaus geworden – und das hat sich längst als Treffpunkt etabliert.

Wer hat noch „Döntjes“ auf Lager?

Käthe Bobrink und Werner Köhler sind sich einig: „Es macht uns Freude, auf den Spuren unserer ehemaligen Gastwirtschaften zu wandern. Was der Kreisheimatbund mit der Aktion in Gang gesetzt hat, ist wichtig und muss getan werden, bevor es keine Zeitzeugen, Fotos oder Dokumente mehr gibt.“

Wer noch Fotos und Unterlagen aus dem Gaststättenleben in Wachendorf hat oder eigene „Döntjes“ von damals erzählen kann, wird gebeten, sich an Käthe Bobrink (04240/471) oder Werner Köhler (04240/401) zu wenden.

Chronik-Wachendorf@gmx.de

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