TuS Syke sucht Nachwuchs im Kampfsport / Schnuppertraining möglich

Box dich glücklich!

Foto oben: Die Box-Sparte des TuS Syke ist für viele Sportler wie eine Familie. Foto rechts: Coach Godwill Moevi-Ames (li.) und sein Assistent Manfred Retzlaff trainieren Boxer jeden Alters. Fotos: Lisa-Marie Rumann

Syke - Von Lisa-marie Rumann. Boxen – eine Sportart, die dein Ventil für Stressbewältigung sein kann, dich glücklich macht oder einfach nur fit hält. Doch im Gegensatz zu früher stünde dieser Sport heute eher im Hintergrund. Viele würden lieber Fußball oder am Computer spielen, meint Trainer Godwill Moevi-Ames. Sehr zum Leid für die Box-Sparte des TuS Syke, die nämlich Nachwuchs sucht.

Eines lässt sich nicht leugnen: Der Ton beim Boxen ist rau. „Runter!“, ruft Coach Godwill Moevi-Ames in die Halle. Damit fordert er einzelne der rund 20 Trainierenden zu Liegestütz auf. „Bestrafung muss sein“, sagt er. Sie sind scheinbar nicht schnell genug gelaufen. Respekt und Fleiß sind zwei Eigenschaften, die Moevi-Ames besonders wichtig sind. „Wenn ich Respekt vorlebe, möchte ich ihn auch zurück bekommen“, sagt er. Und damit meint er eben fleißiges und diszipliniertes Trainieren.

Seine Schützlinge finden genau das gut – und alles andere als streng. Die 16-jährige Dlvin boxt seit einem Jahr in Syke. Sie sagt: „Wenn ich Stress oder Probleme habe, gehe ich boxen – danach bin ich glücklich.“ Dreimal die Woche trainiert sie beim TuS – montags, mittwochs und freitags. Damit schöpft sie das Angebot des Sportvereins maximal aus. „Wenn ich mal nicht hin kann, fühle ich mich kaputt“, beschreibt sie.

Dlvin kommt aus dem Irak. Dort sollen Mädchen keinen Sport machen – schon gar keinen Kampfsport. Deshalb, und weil es zu gefährlich sei, waren ihre Eltern anfangs skeptisch. Doch Coach Moevi-Ames, der auch gleichzeit Dlvins Sportlehrer in der Schule ist, konnte ihre Eltern überzeugen.

Victoria ist eine weitere Boxerin beim TuS Syke. Die 18-Jährige ist se0n dabei. Was sie am Boxen liebt? „Einfach alles“, sagt sie und lacht. Ganz egal, ob es die geforderte Disziplin oder das harte Training ist – es schweißt die Gruppe zusammen, man hilft sich. „Das Training ist sehr familiär.“

Sie möchte beim Boxen „mehr erreichen“. Als nächstes steht die niedersächsischen Landesmeisterschaft an. Coach Moevi-Ames entscheidet, wer fit genug ist, um dort mitzumachen. „Mal gucken, ob ich dabei bin“, sagt sie.

Doch warum interessieren sich so wenige fürs Boxen? „Kinder sind nicht mehr leistungsfähig“, sagt der Coach. Gerade beim Boxen bräuchten sie explosive Kraft und gute Kondition – beides Dinge, die mit einem 08/15-Training nicht zu bekommen seien. „Boxen ist ein sehr intensives Training“, sagt er. Gerade für Kinder und Jugendliche, die noch keinen gefestigten Charakter haben oder gar gemobbt werden, sei Boxen der beste Sport. Jemand, der mit hängenden Schultern durchs Leben geht, „fängt nach drei bis vier Monaten Boxen an, zu atmen“. Auch Mobber würden merken, mit wem sie es zu tun haben, behauptet der Trainer. „Die Kinder haben dann einen ganz anderen Blick.“

Ein weiteres Problem: Helikopter-Eltern. Beim Stichwort Boxen würden sie sich Bilder aus Film und Fernsehen vor Augen führen, die nur das Schlimmste darstellen – und projizieren sie auf ihre Kinder. Auch wenn Boxen früher tatsächlich etwas brutaler gewesen sein soll, sei es heute längst nicht mehr so schlimm, meint Moevi-Ames.

Da stimmen ihm die Boxer aus der älteren Genearation zu. Für die meisten dort sei der Sport zur Lebensphilosophie geworden. Das Wissen, das sie damals aus dem Training mit Spartengründer Karl-Heinz Gluschak, auch bekannt als Charlie, gewonnen haben, geben sie heute an die Jüngeren weiter – und begleiten sie auf ihrem Werdegang. Sie sind stolz, ihren Beitrag leisten zu können und freuen sich, wenn sie weiterkommen.

Coach Moevi-Ames besitzt neben seiner Trainer A-Lizenz mehr als 50 Jahre Box-Erfahrung und hat schon einiges erlebt. Deshalb sei es ihm besonders wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen nach dem Schnuppertraining einen Arzt aufsuchen, der ihre allgemeine Fitness checkt. Moevi-Ames und sein Assistent Manfred Retzlaff sind immer offen für Schnuppertrainings. Eine Woche lang ist das möglich. „Danach muss man sich entscheiden“, sind sie sich einig.

Die Sportler sollen bloß Sportkleidung, Turnschuhe mit heller Sohle, ein Badetuch, ein T-Shirt zum Wechseln und Leitungswasser mitbringen. „Wenn man beim Boxen Wasser mit Kohlensäure trinkt, kann es passieren, dass einem alles hoch kommt“, erklärt Moevi-Ames. Kopfschutz und Handschuhe können zum Anfang vor Ort ausgeliehen werden. „Irgendwann macht eigenes Equipment aber Sinn“, so der Coach. Denn wer will sich einen Handschuh auf Dauer mit 100 anderen teilen?

Schnuppern

montags, mittwochs und freitags ab 19 Uhr in der Sporthalle Riederdamm

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