Das Päckchen-Mysterium

Richtiger Aufkleber auf der falschen Sendung – DHL schert es nicht

Das ist das Päckchen, das bei Ralf und Nadia Michels Verwandten in Frankreich angekommen ist. Auf der Rückseite prangt ihr Adressaufkleber.

Syke – Wenn jemand ein Päckchen verschickt und das spurlos verschwindet, ist das sehr ärgerlich. Wenn jemand ein Päckchen verschickt und das spurlos verschwindet, dafür aber ein falsches ankommt, ist das sehr ärgerlich und ein seltsamer Zufall.

Wenn aber jemand ein Päckchen verschickt und das spurlos verschwindet, dafür aber ein falsches ankommt, das jedoch den Adressaufkleber vom verschwundenen eigenen Päckchen trägt, dann wird’s völlig verrückt.

Ralf Michel ist genau das passiert. Und trotz intensiver Bemühungen ist es ihm nicht gelungen, dieses Rätsel zu lösen. Vor allem, weil sich bei DHL – Tochterunternehmen der Deutschen Post AG und einer der weltweit führenden Paketdienste – ganz offensichtlich niemand dafür interessiert.

Der Reihe nach: Ralf und Nadia Michel hatten ein Geschenk für ihre Verwandten in Frankreich gepackt. Bei der Post in Syke gab Ralf Michel die Sendung als Päckchen auf. Nach einiger Zeit meldeten sich die Verwandten aus Frankreich, dankten artig für das Päckchen, waren aber ziemlich ratlos, was sie mit dem Inhalt anfangen sollten. Und schnell stellte sich heraus, dass sie ein ganz anderes Päckchen bekommen hatten, als Ralf und Nadia Michel abgeschickt hatten. Dieses falsche Päckchen trug aber den von Hand beschriebenen Adress- und Absenderaufkleber, den Michels auf ihrem eigenen Päckchen angebracht hatten.

Das ist die Vorderseite mit der ursprünglichen Adresse.

„Und das war kein selbstklebendes Etikett“, sagt Ralf Michel. „Das konnte sich nicht einfach ablösen, sodass es jemand irrtümlich auf ein anderes Paket hätte kleben können. Da hat jemand unser Päckchen aufgemacht, aus Schabernack unseren Aufkleber fein säuberlich ausgeschnitten und dann genauso säuberlich mit Klebeband auf die Rückseite eines anderen Päckchens geheftet.“ Auf dem stand auf der anderen Seite nämlich noch die ursprüngliche Adresse, an die es eigentlich hätte gehen müssen. „Da hat die Maschine im Versand sich wohl einfach für die größere Schrift entschieden“, mutmaßt Michel.

Bei der Post in Syke wollte er den Vorfall melden. „Die Mitarbeiter dort waren sehr freundlich und sehr interessiert, aber eben auch nicht zuständig“, erzählt Ralf Michel.

DHL-Telefonhotline

Man verwies ihn an eine Telefon-Hotline und an eine Internetadresse. „Auf den Internetseiten von DHL gelangt man dann sehr schnell an die Information: Päckchen, unversichert, keine Nachverfolgung, keine Erstattung und Ende der Fahnenstange.“ Auch die Telefon-Hotline erwies sich als Flop. Nach gefühlten Ewigkeiten in der Wartschleife bekam Ralf Michel zweimal jemanden an den Apparat. „Beim ersten Versuch verwies man mich auf genau die gleichen Internetseiten, auf denen ich vorher schon keinen Erfolg gehabt hatte. Und beim zweiten Versuch hat die Mitarbeiterin wohl keine Lust auf komplizierte Sachverhalte gehabt und mitten im Gespräch einfach aufgelegt.“

Ralf Michel versuchte es dann noch einmal persönlich bei der Post in Bremen. Aber ebenfalls ohne Erfolg. Danach gab er es auf. „Ich bin es leid. Das kostet einfach zu viel Zeit und Nerven.“

Momentaufnahme in einem Paketzentrum der Post-Tochter DHL. „Die Anzahl der Beschwerden ist im Verhältnis zur Anzahl der beförderten Brief- und Paketsendungen äußerst gering“, sagt DHL-Pressesprecher Stefan Laetsch. Bei rund 19 Milliarden Sendungen im Jahr gebe es statistisch gesehen nicht einmal eine Beschwerde pro eine Million.

Weit mehr als der Umstand, dass anscheinend jemand Schindluder mit seinem Päckchen getrieben hat, ärgert Michel etwas ganz anderes: „Dieses völlige Desinteresse eines Großkonzerns an seinen Kunden! Die müssten doch wissen wollen, wenn da jemand in einem ihrer Frachtzentren die Päckchen aufmacht und Adressen vertauscht. Aber ich kann diesen Hinweis ja noch nicht mal anbringen!“

In der Tat scheint DHL daran aber eher wenig Interesse zu haben. Unsere Redaktion erhält trotz mehrfacher Rückfrage lediglich ausweichende Antworten: Im Verhältnis zum gesamten Frachtaufkommen seien die Beschwerden äußerst gering und man könne „leider nicht mehr nachvollziehen, was genau hier schief gelaufen ist“, so DHL-Pressesprecher Stefan Laetsch. „Sollte der Fehler bei uns liegen, möchten wir uns dafür entschuldigen.“ Pannen könne man leider nicht ausschließen und alle betrieblichen Abläufe „sind darauf ausgerichtet, die Sendungen zügig und unversehrt zuzustellen“.

Aber warum gibt es keine Möglichkeit, DHL solche ungewöhnlichen Vorfälle überhaupt zu melden? Warum fühlt sich niemand zuständig, wenn man es trotzdem versucht? Warum lässt DHL seine Kunden mit dem Problem allein? Warum hört ihnen niemand zu?

Keine Antwort!

Hätte Ralf Michel das Geschenk übrigens nicht als Päckchen, sondern als (teureres) Paket verschickt, wäre es automatisch versichert und nachverfolgbar gewesen. „Ich will mich aber nicht damit abfinden, dass ich erst noch ‘ne Art Versicherung abschließen muss, damit mein Päckchen überhaupt ankommt.“

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