Deutschlands erfolgreichster Autor der Gegenwart Wolfgang Hohlbein kommt zu den Namenlosen Tagen nach Syke

„Ich könnte noch 2000 Bücher schreiben“

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Wolfgang Hohlbein

Syke - Von Frank Jaursch. Mehr als 44 Millionen Bücher hat Wolfgang Hohlbein bis heute verkauft. Der 62-Jährige gilt damit als erfolgreichster deutscher Autor der Gegenwart. Neben Fantasy und Science-Fiction hat er auch Kinder- und Jugendliteratur geschrieben, war als Autor von Barbie-Büchern und Jerry-Cotton-Bänden ebenso tätig wie als Verfasser von Horrorgeschichten. Ins letztere Genre passt auch das aktuelle Buch „Mörderhotel“ von Hohlbein, das er im Frühjahr auf den Namenlosen Tagen in Syke vorstellen wird.

Wolfgang Hohlbein, am 2. April sind Sie zu Gast bei den „Namenlosen Tagen“ in Syke. Wissen Sie, was Sie hier erwartet?

Wolfgang Hohlbein: Nein, überhaupt nicht. Ich lass mich überraschen.

Syke ist ja nur eine von mehreren Stationen, bei denen Sie Ihr neues Buch präsentieren. Frankfurt, Detmold, danach in Lauterbach. Das muss ziemlich Energie raubend sein…

Hohlbein: Find ich gar nicht. Ich will jetzt nicht sagen, dass Autofahren mein Hobby ist, aber ich tu‘s sehr gerne. Ich reise gerne. Natürlich strengt das an, aber – in Urlaub fahren strengt manchmal auch an.

Nehmen Sie die Fahrt eher als Belastung auf oder die Lesungen selber?

Hohlbein: Die Lesungen machen mir wirklich Spaß, auch wenn es manchmal anstrengend ist. Ich bin gerne unter Menschen und rede gern mit Leuten. Wenn ich‘s nicht gerne machen würde – dann tät ich‘s nicht.

Und die Fahrt?

Hohlbein: Das kommt drauf an. Wenn ich dann manchmal nachts um drei Uhr nach Hause komme, es hat geregnet und ich hatte gefühlt eine Million LKW vor mir, das ist dann doch nicht so lustig.

Mit Ihrem neuen Buch „Mörderhotel“ bewegten Sie sich ja ein bisschen abseits von den ausgetretenen Pfaden...

Hohlbein: Das höre ich immer wieder, das sehe ich eigentlich gar nicht so. Also für mich vom Gefühl her, vom Schreiben und auch, wenn ich das Buch jetzt lese, ist es eigentlich nichts Anderes als ein sehr düsterer Fantasy-Roman. Das liegt auch speziell an dieser Geschichte.

Wie sind Sie auf die Geschichte und ihren wahren Hintergrund gestoßen?

Hohlbein: Als ich das erfahren habe – ich bin durch eine Dokumentation der BBC darauf gestoßen, dass diese Geschichte wirklich passiert ist – hab ich das erst mal gar nicht geglaubt, weil ich das so fantastisch und so bizarr und auch schrecklich fand, dass ich dachte, das ist so eine Fake-Doku. Das macht die BBC ja manchmal, das können die ja richtig gut.

Das hat sich dann aber nicht geändert, als ich angefangen habe zu recherchieren und festgestellt habe: Das ist ja wirklich passiert.

Ich hab damals gesagt: Das kann doch nicht wahr sein, das kann nicht passieren. Und so ein Gefühl habe ich immer noch, wenn ich die Geschichte lese. Ich fürchte, es sind noch viel schlimmere Sachen passiert, die man nur noch nicht weiß.

Sie gehen in dem Buch ja von der theoretisch höchsten Summe an Taten aus – mit mehr als 200 Opfern…

Hohlbein: Das hat der Verlag draufgeschrieben, weil es dramatischer klingt. Es ist eigentlich klar, dass es mehr als die 23 Morde waren, die er zugegeben hat. Ob‘s denn wirklich 230 waren, das weiß ich nicht. Vielleicht irgendwas dazwischen. Oder mehr, wer weiß?

Passiert es öfter, dass Sie sich realer Vorbilder bedienen?

Hohlbein: Ich hab ja nicht nur Fantasy-Geschichten geschrieben, sondern noch eine ganze Reihe historischer Romane, die erstaunlicherweise genauso erfolgreich waren wie die Fantasy-Romane, die aber nicht so in den Köpfen der Leute drin sind.

So ungewöhnlich ist das also nicht. Im Gegenteil, ich finde das eigentlich ganz spannend, reale Ereignisse oder Personen zu nehmen und sie neu zu deuten. Mal zu kucken: Ist das wirklich so, wie immer alle behaupten? Oder könnte es vielleicht anders gewesen sein?

Wenn Sie eine Geschichte in Angriff nehmen, ist sie dann von vorn bis hinten durchstrukturiert, oder entwickelt sich da eine Eigendynamik beim Schreiben?

Hohlbein: Das ist ganz unterschiedlich. Wenn ich eine freie Geschichte schreibe, also irgendwas, das ich mir vollkommen ausgedacht habe, dann ist es eigentlich so, dass ich eine Ausgangssituation habe – also die Geschichte in groben Zügen – und relativ oft das Ende auch im Kopf. Ob es das Ende ist, was ich dann hinschreibe, das weiß ich gar nicht.

Das entwickelt sich dann, ich weiß wirklich manchmal nicht, was im nächsten Kapitel steht. Und das find ich auch unheimlich spannend.

Tauchen Sie beim Schreiben in die Welt ein, die Sie beschreiben, oder ist das eher eine distanzierte Betrachtung?

Hohlbein: Nein, es ist ganz genau so, wenn ich richtig drin bin in der Geschichte. Wenn ich den Stift in der Hand habe, dann erlebe ich das sozusagen. Dann sehe ich das wie einen Film vor meinem inneren Auge ablaufen. Dann muss ich eigentlich nur noch hinschreiben, was ich da sehe.

So einfach!

Hohlbein: Ganz simpel, ja. Das ist auch der Punkt, an dem ich merke, ob die Geschichte trägt oder nicht. Wenn ich in einer gewissen Zeit nicht „drin“ bin, dann hat das keinen Sinn, etwas mit Gewalt zu konstruieren. Ich bewundere Leute, die das können – ich kann‘s nicht.

Haben Sie ein Lieblingsuniversum, in dem Sie unterwegs sind?

Hohlbein: Im Großen und Ganzen gibt es keine Lieblingsgeschichten. Ich habe natürlich so ein paar Lieblingshelden, und es gibt auch so ein, zwei Serien, die ich geschrieben habe, die mir besonders am Herzen liegen. Ganz einfach, weil ich sie so gut kenne mittlerweile.

Sie haben jetzt über 200 Bücher geschrieben…

Hohlbein: Naja, die Zahl ist jetzt so beeindruckend; ich erschreck mich manchmal selber. Da sind aber auch ganz viele kurze Geschichten dabei, für Kinder. Früher habe ich auch Heftromane geschrieben, da kommt natürlich eine ganze Menge zusammen.

Wenn man die kürzeren Sachen weglässt, sind es sicherlich noch über 100. Ist ja auch noch 'ne Menge.

Stimmt. War Ihr bestes Buch schon dabei?

Hohlbein: (lacht) Das beste Buch ist immer das, was ich gerade schreibe. Wenn man nicht das Gefühl hat ‚Diese Geschichte ist gut, die muss raus“, dann sollte man es bleiben lassen.

Natürlich klappt‘s nicht immer. Ich habe auch Bücher geschrieben, die ich heute nicht mehr schreiben würde. Nicht weil ich mich dessen schäme oder sage ‚Das ist schlecht‘, aber wo mich jetzt das Thema vielleicht nicht mehr so interessiert oder was ich einfach nicht mehr kann.

Man entwickelt sich ja weiter. Am Anfang, diese ganz leicht dahingeschriebenen Jugendbücher, die auch so einen gewissen naiven Charme haben: Ich glaub, das kann ich nicht mehr.

Wovor haben Sie am meisten Angst: Dass Ihnen die Ideen ausgehen, die Zeit oder die Leser?

Hohlbein: Die Zeit natürlich, klar. Davor hat ja jeder Mensch Angst. Ideenmangel – davor nicht. Ich kenne persönlich auch keinen Kollegen, der sagt „Ich hab keine Ideen mehr“. Diese berühmte Schreibblockade, vor der wir alle irgendwo Angst haben, das hat nichts damit zu tun, dass man keine Ideen mehr hat. Da sitzt man dann vorm leeren Blatt, und es kommt nur Mist dabei raus. Oder auch gar nichts.

Bei den Ideen habe ich eher das Gefühl, ich könnte noch 2000 Bücher schreiben. Oft ergibt sich ja aus der einen Idee eine andere.

Jetzt zum Beispiel, aus dem Mörderhotel: Ich hab mich so ein kleines bisschen auch in die Zeit verliebt, die Epoche, weil die so unheimlich spannend ist und so tolle Bilder hat. Ich werde sicherlich noch mehr in dieser Richtung schreiben. Vielleicht keinen Krimi, sondern einen historischen Roman, der so um die Jahrhundertwende spielt.

Im September hatten wir Bernhard Hennen hier zu Gast in Syke. Ihn verbindet ja eine besondere Beziehung zu Ihnen, weil Sie ihm ja den Zugang zur Autorenwelt erst ermöglicht haben.

Hohlbein: Naja, ich glaube, ich war vielleicht derjenige, der ihm einen kleinen Schubs gegeben hat. Das wäre früher oder später sowieso passiert. Er ist sehr gut, er ist begeistert, das macht ihm genauso einen Spaß wie mir. Ich denke, sonst wäre es zwei Jahre später passiert oder drei. Aber mir ist auch geholfen worden am Anfang.

Wäre so ein Szenario heute auch noch möglich oder ist das im Zeitalter der Angst vor Plagiaten immer schwieriger in kreativen Kontakt mit Neulingen zu treten?

Hohlbein: Nein. Angst vor Plagiaten habe ich nicht. Wen ich 'ne gute Idee hab, dann schreib ich sie hin. Und ich habe ja das große Glück, dass ich sehr schnell bin. Ich muss keine Angst haben, dass mir einer eine Idee stiehlt. Das ist auch das Schöne, also die Autoren aus meiner Ecke, die ich kenne – ich will jetzt nicht sagen, dass wir alle gute Freunde sind, aber da gibt‘s auch keine Feindschaft, keine Eifersüchteleien.

Manchmal wird ein bisschen gutmütig gestichelt, das gehört dazu. Aber dass man sich gegenseitig Aufträge wegnimmt oder Ideen stiehlt, das ist die große Ausnahme.

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