Marco Gonnermann lehrt die traditionelle japanische Kampfkunst Kenjutsu

Der Weg des Schwerts

Schwertmeister Marco Gonnemann (links) und seine Schüler Maxim Behrens, Claudia Schumann und Florian Adolph.
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Schwertmeister Marco Gonnemann (links) und seine Schüler Maxim Behrens, Claudia Schumann und Florian Adolph.

Syke – Nacheinander ziehen sie ihre Bahnen auf einen Spiegel in der Ecke der mit Matten ausgelegten Fläche zu. Mit Holzschwertern in der Hand nehmen sie auf Kommando unterschiedliche Haltungen ein. Hohe Position – tiefe Position – seitliche Position... Die Kommandos kommen auf Japanisch. Sie gelten einer Frau, einem Mann und einem zwölfjährigen Jungen.

Das sind die ersten Schüler von Marco Gonnermann, der in einem lange leerstehenden Ladenlokal zwischen Euronics und Netto seine Schule betreibt. Er lehrt Kenjutsu: traditionellen japanischen Schwertkampf.

Eigentlich wollte er das bereits vor anderthalb Jahren machen. Schon Anfang April 2020 berichteten wir über den „Syker Samurai“. Doch dann kam Corona, und Marco Gonnermann musste seine Idee von einer Schwertkampfschule erstmal wieder zu den Akten legen. Zum Glück für ihn, wie sich bald herausstellen sollte. Denn der Weg zur erforderlichen behördlichen Genehmigung erwies sich als ebenso langwieriges wie mühevolles bürokratisches Geduldsspiel: Marco Gonnermann hätte seine Schule gar nicht betreiben können. „Ich durfte noch nicht mal die Räume betreten, um selber dort zu trainieren“, sagt er.

Die ungewollte Wartezeit hat der 50-Jährige genutzt: Er hat die Prüfung zu seinem ersten Meistergrad nachgeholt, die wegen der Pandemie ebenfalls zunächst abgesetzt worden war. Und jetzt darf er selber an Schüler weitergeben, was er gelernt hat. Sowohl mit Meistergrad als auch mit amtlichem Segen.

Seine erste Schwertkampfklasse ist überschaubar: Claudia Schumann (48) aus Syke, Florian Adolph (34) aus Barrien und Maxim Behrens (12) aus Bruchhausen-Vilsen. Alle drei haben gewissermaßen im Vorbeigehen gesehen, dass Marco Gonnermann in dem leerstehenden Laden ein Dojo – einen traditionellen Trainingsraum – einrichtet und waren sofort begeistert.

„Florian hat mich ein halbes Jahr gelöchert: Wann geht’s los? Wann geht’s los?“, erzählt Marco Gonnermann und lacht.

Maxim sagt: „Ich mache schon seit vier, fünf Jahren Taekwondo. Im Fernsehen habe ich Dokus über Samurai gesehen. Da wollte ich hier sofort mitmachen.“

Warum will jemand überhaupt traditionellen japanischen Schwertkampf lernen? Wozu ist das gut?

„Du musst sehr fokussiert sein“, erklärt Claudia. „Du bist sehr bei dir. Du fängst schon mit der Begrüßung an, dich auf dich selbst zu konzentrieren.“ Folge: „Der ganze Stress des Alltags fällt von dir ab.“ Maxim weiß jetzt schon: „Ich möchte das gerne weitermachen. Weil es Spaß macht und ich hier eine schöne Gemeinschaft gefunden habe.“

„Was wir hier lernen, kannst du nicht in Spielfilmen sehen“, hakt Claudia ein. „Das ist kein sinnloses Draufhauen.“ Und Meister Marco spinnt den Gedankenfaden weiter: „Wir machen hier keinen Kampfsport, das ist Kampfkunst“, betont er. „Das hat viel mit japanischer Tradition und Geschichte zu tun. Das Wissen darum wird später zum Beispiel auch in den Prüfungen abgefragt. Wer sind die Reichsgründer Japans? Was sind die Reichsinsignien?“ Gonnermann weiter: „Wir sind ja keine klassischen Krieger, die hier ausgebildet werden. Wir halten alte Gebräuche am Leben. Und das geht über Theorie und Praxis.“

Nichts entgeht dem strengen Blick des Meisters.
Maxim übt die Bewegungen vor dem Spiegel.

Die Schwerter, mit denen seine Schüler trainieren, sind aus Holz. Später, wenn sie die Grundtechniken beherrschen und ein bisschen Erfahrung gesammelt haben, gehen sie zu Trainingsschwertern aus Metall über – mit stumpfer Klinge. „Das erste scharfe Schwert bekommt man in der Regel nach anderthalb bis zwei Jahren“, sagt Gonnermann. „Das ist individuell verschieden.“ Die Entscheidung darüber trifft der Meister. Also er. „Wenn mir einer sagt: Ich bin soweit – dann bin ich immer noch die Instanz, die sagt: Nein, bist du noch nicht.“

Trotzdem kriegt Claudia demnächst ihr eigenes Übungsschwert – aus Holz. „Ich bin zu klein“, sagt sie. „Die Schwerter aus der Schule sind zu lang für mich.“

Mehrere Schwerter pro Nase, dazu das Gewand: Das hört sich ziemlich aufwendig an. „Das täuscht aber“, sagt Marco Gonnermann. „So ein Kenjutsu-Anzug kostet 30 Euro. Und zum Ausprobieren kann man auch in Jogginghose oder Sportklamotten kommen.“ Die Übungsschwerter gehören der Schule. Und wenn man irgendwann ein eigenes möchte, liegt die Einstiegsklasse bei 100 bis 150 Euro. „Das ist dann schon sehr ordentliche Qualität“, sagt Marco Gonnermann und urteilt: „Es ist keine Materialschlacht.“

Von Michael Walter

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