Der Frust mit dem Plus

Trotz Selbsttests unter Aufsicht vor dem Restaurant: Die Gäste bleiben aus

Gastronom Toni Seferi versucht alles: Wer keinen Test hat, kann bei ihm vor der Tür einen Selbsttest unter Aufsicht machen. Und wer kein Test-Kit hat, der kann von ihm eins bekommen. Der Erfolg ist bisher jedoch sehr übersichtlich: Seit 2Gplus gilt, bleiben die Gäste aus.
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Gastronom Toni Seferi versucht alles: Wer keinen Test hat, kann bei ihm vor der Tür einen Selbsttest unter Aufsicht machen. Und wer kein Test-Kit hat, der kann von ihm eins bekommen. Der Erfolg ist bisher jedoch sehr übersichtlich: Seit 2Gplus gilt, bleiben die Gäste aus.

Syke – Toni Seferi ist ein grundsätzlich positiv denkender Mensch. Zwei Lockdowns hat der Gastronom mehr oder weniger gut überstanden. Doch jetzt bekommt er Sorgenfalten auf der Stirn. Denn 2Gplus kommt für ihn faktisch einem weiteren Lockdown gleich. Nur, dass es diesmal keine Überbrückungshilfen vom Staat gibt. Deshalb zieht er alle Register, um seine weitgehend ausbleibenden Gäste zurückzugewinnen.

Rund 95 Prozent aller Reservierungen für den Dezember sind storniert. Und besonders weh tun ihm die abgesagten Weihnachtsfeiern von Firmen und Vereinen. Da geht es Toni Seferi nicht anders als seinen Kollegen (siehe Bericht auf „Kreis und Region“).

„Die Leute kriegen keine Tests“, sagt Seferi. „Sie müssen zu lange auf einen Termin warten und sagen daher ab. Und wenn sie dann anrufen und ich ihnen erzähle: Wieso? Ihr könnt euch doch auch bei uns testen – dann wissen das die meisten gar nicht.“

Sogar die Test-Kits kann man bei Seferi bekommen. Nicht umsonst. Dafür ist ein heißes Getränk während der Wartezeit aufs Ergebnis draußen vor der Tür mit drin. „Die Leute, die kommen, finden das richtig gut“, sagt Seferi. Bloß: Es kommen nicht genug.

Zwei Erklärungen hat der Betreiber des Restaurants Maximilian dafür parat: „Die Leute haben Angst. Und sie sind es leid.“ Seferi weiter: „Ich kann nicht mehr, ich hab keinen Bock mehr – das hört man jetzt viel, viel öfter als letztes Jahr im Lockdown. Und dann kommt fast immer hinterher: Wozu haben wir uns denn doppelt impfen lassen, wenn wir jetzt trotzdem nur mit Test reindürfen?“

Seferi selbst ist von „kann nicht mehr“ und „will nicht mehr“ noch weit entfernt. Aber die Sorgen werden nicht kleiner. Er blickt zurück und versucht ein Gesamtbild zu zeichnen: „Im ersten Lockdown hatten wir drei Monate zu“, sagt er. Es gab Überbrückungsgelder vom Staat. Allerdings seien jetzt Rückzahlungen im Gespräch: Weil wohl einige diese Gelder zu unrecht in Anspruch genommen hätten, werde jetzt bei allen noch mal nachgeprüft. Seferi hat ein gutes Gewissen. Aber die Möglichkeit steht halt im Raum.

Der zweite Lockdown war von Oktober bis Mai. Sieben Monate geschlossen. Die Beihilfen kamen nie pünktlich, aber sie kamen, sagt Seferi. „Danach hatten wir wieder richtig gut zu tun. Die Gäste hatten Nachholbedarf“ – aber Seferi kein Personal mehr. Vier feste Aushilfen mussten sich während des Lockdowns notgedrungen etwas anderes suchen. Und sind danach nicht wieder zurückgekommen. Ersatz zu finden, war schwer. Denn auch alle anderen Gastronomen standen zeitgleich vor demselben Problem.

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Aktuell arbeiten im Restaurant Toni Seferi, seine Frau Gonja, zwei Mitarbeiter in Vollzeit und zwei Aushilfen. „Die will ich auch behalten. Das sind gute Leute und wir sind ein eingespieltes Team“, sagt Seferi. Bis jetzt hat er noch keinen entlassen oder in Kurzarbeit schicken müssen. Aber wenn‘s so weiter läuft, wird er da mittelfristig nicht drumrum kommen, weiß der Gastronom. Denn die Kosten laufen weiter.

„Du kannst nicht zumachen, du kannst aber auch nicht planen“, sagt Seferi. „Du musst einkaufen, du musst alle Geräte anschmeißen – und dann wartest du, ob jemand kommt.“ Ans Geldverdienen ist da nicht mal zu denken. „Für uns ist erst mal nur wichtig, überhaupt die Fixkosten zu decken.“ Im Moment kann Seferi das nicht. Wie so viele andere in der Branche auch.

Am Horizont zeichnet sich der berühmte Silberstreif ab: Im Entwurf der neuen Coronaverordnung, die ab Ende der Woche gelten soll, ist für die Gastronomie nur noch von 2G die Rede. Ohne Plus.

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