Bauland, Breitband, Barrier Bäder

Wissen, was los gewesen sein wird: Der wahre Rückblick auf das Jahr 2022 in Syke

Aufgaben im Y-berfluss: Laut unserer Prognose wird die Syker Stadtverwaltung auch 2022 wieder viele Herausforderungen zu bewältigen haben.
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Aufgaben im Y-berfluss: Laut unserer Prognose wird die Syker Stadtverwaltung auch 2022 wieder viele Herausforderungen zu bewältigen haben.

„Wissen, was los ist“: Unter diesem Motto versorgt die Kreiszeitung ihre Leserschaft mit aktuellen Neuigkeiten aus aller Welt – und aus den Städten und Gemeinden dieser Region. Den Wahlspruch unserer Zeitung können wir einmal im Jahr erweitern – bei unserem ultimativen, garantiert ersten Jahresrückblick für das Jahr 2022 (!) heißt es: „Wissen, was los gewesen sein wird“.

Januar

Wieder ein milder Winter ohne Schnee und Eis. Ein Syker Unternehmer zeigt sich großzügig und spendiert der Stadt bis zum Frühjahr eine Kunsteisbahn auf dem Parkplatz am Mühlendamm. Das Geld dafür hatte er 2021 eigentlich für die Einweihungsfeier seines neuen Supermarkts in Barrien ausgeben wollen. Der TuS Syke gründet sofort eine Eishockeysparte.

Eine Syker Seniorin wird Opfer des Enkeltricks und vertraut einem Unbekannten ihr Hab und Gut an. Der Syker Kontaktbeamte der Polizei, Dirk Westermann, wird zum Helden, als er den schwer bepackten Täter mit seinem Pedelec einholt und verhaftet. Der Frau wird die Beute zurückgegeben: Schmuck und Geld, ein Plasma-Fernseher, das silberne Familienbesteck und ein ziemlich aufgeregter Cockerspaniel-Rüde.

Februar

Auf der Stadtratssitzung wird das Verkehrsproblem an der Hauptstraße hitzig diskutiert. Schließlich erklären sich die Volksvertreter bereit, sich für die Dauer von sechs Wochen dem Ergebnis einer Abstimmung unter allen Anliegern zu beugen.

Eine Bürgerinitiative läuft Sturm gegen die abendliche Nutzung der Kunsteisbahn durch die Eishockeyspieler für ihr Training. Nach zähen Verhandlungen steht am Ende ein Kompromiss: Jeden zweiten Abend wird die Fläche für Eiskunstlauf reserviert. Allerdings gibt es gar keine Eiskunstläufer, die das Angebot in Anspruch nehmen könnten. Die Eishockeyspieler bleiben.

März

Die Hauptstraßen-Abstimmung unter den Anliegern ergibt eine deutliche Mehrheit für die uneingeschränkte Freigabe für den Autoverkehr und den zweispurigen Ausbau. Bei Rat und Verwaltung regt sich zaghafter Widerstand.

Ende des Monats wird das Eishockeyteam des TuS Syke völlig überraschend Norddeutscher Meister. Die Öffentlichkeit ist sich einig: Die Eisbahn muss bleiben! Dem TuS fehlt jedoch das Geld für den Unterhalt, und die Mittel des Sponsors sind aufgebraucht. Neue wird es wohl auch nicht geben: Investor Hero Brahms aus dem ebenso idyllischen wie ostfriesischen Leer kündigt den Baubeginn des Edeka-Markts in Barrien „innerhalb weniger Wochen“ an, sobald die Wetterlage es zulasse. „Diesmal aber ganz bestimmt.“

Bei einem Stromausfall in Teilen des Syker Außenbereichs kommt es zum ersten praktischen Einsatz des neuen Notstromkonzepts der Stadt. Dabei offenbaren sich Schwachstellen: Das neue mobile Aggregat im Wachendorfer Feuerwehrhaus gibt seinen Geist auf, als rund 500 Bürger gleichzeitig versuchen, daran ihr Smartphone zu laden. Der Ortsbrandmeister erfährt davon erst Stunden später. Sein Handy-Akku war leer.

April

Rat, Anwohner und Verwaltung einigen sich auf einen Kompromiss in Sachen Hauptstraße: An Monaten mit R soll der Verkehr ungehindert fließen, an allen anderen soll aus der Straße eine reine Fußgängerzone werden. Die Werbegemeinschaft scheitert mit einem Vorstoß, Mai, Juni und Juli in „Maier, Junior und Juri“ umzubenennen.

Ein Versuch, auf dem Mühlenteich Eishockey anzubieten, scheitert am Wetter: Draußen sind es 16 Grad. Der Syker Unternehmer Roman Wohlgemuth treibt per Crowdfunding innerhalb einer Woche genügend Geld auf, um den Mühlenteich mit einem wärmeabweisenden Sonnensegel zu überdachen.

Luise-Chevalier-Schule? An der Ferdinand-Salfer-Straße? Das ist viel zu sperrig, findet eine Elterninitiative, die nun Unterschriften für eine Umbenennung der Grund- und Oberschule sammelt. Auch die Schüler würden gern den Namen ändern, wie eine Umfrage ergibt: Sie gingen viel lieber auf die Capital-Bra-Schule am Cro-Weg. Der Kreisheimatbund reagiert empört und kündigt „Gegenmaßnahmen“ an.

Mai

Demonstranten flanieren über die Hauptstraße und fordern die Einrichtung einer Skater-Anlage auf der derzeit für den Autoverkehr gesperrten Straße.

Der Baubeginn am Edeka-Markt in Barrien lässt weiter auf sich warten. Der Werbering beschließt, auf dem Gelände den ausgefallenen Weihnachtsmarkt nachzuholen. 6000 Besucher feiern bis spät in die laue Mainacht mit Eierpunsch und Glühwein.

Große Baufortschritte macht unterdessen das Syker Hallenbad. Nicht ganz so gut sieht es für das Baugebiet aus, das die Stadt auf dem benachbarten Areal vermarkten möchte: Ein Biologe entdeckt einen Bestand seltener Kreuzgeringelter Kerben-Koleopter. Das bei Natur- und Umweltschützern ohnehin umstrittene Vorhaben droht zu scheitern.

Schwarze Flecken, weiße Flecken: Der Breitbandausbau in Syke stockt. Wegen eines Kommunikationsfehlers wurden hunderte Kilometer Glasfaserkabel nicht in die schwarzen oder weißen Flecken geliefert und verbaut, sondern in den Flecken Bruchhausen-Vilsen. Bauamtsleiter Hein Sievers muss unschuldig hunderte Beschwerden über sich ergehen lassen und erweitert die Flecken-Palette um die Nuance „hektische Flecken im Gesicht“.

Juni

Die Neuregelung des Verkehrsflusses auf der Hauptstraße von Seiten der Stadtverwaltung sieht vor, dass der Mitarbeiter des Monats im Rathaus über die Einschränkungen bestimmen darf. Was wann erlaubt ist, werde künftig auf der großen Plakatwand an der Kafu-Kreuzung veröffentlicht.

Der Bestand der seltenen Käfer-Art am Hallenbadgelände ist wie durch Zauberhand verschwunden. Anlieger berichten von vermummten Gestalten mit Taschenlampen, die sie mehrfach nachts auf dem Gelände gesehen haben wollen. Die Stadtverwaltung streitet jede Beteiligung mit dem Käferverschwinden energisch ab. Eine Onlinebestellung über zwei Dutzend dunkle Overalls verschiedener Größen, zwei Dutzend Taschenlampen und zahlreiche Plastikbehälter erklärt die Bürgermeisterin mit einem für die Mittsommernacht geplanten Theater-Projekt.

In der Auseinandersetzung über den Namen der Grund- und Oberschule stehen sich die Parteien unversöhnlich gegenüber. Eine Online-Abstimmung auf der Homepage der Stadt soll für Klarheit sorgen.

Juli

Investor Hero Brahms aus dem ebenso idyllischen wie ostfriesischen Leer muss den Baubeginn des Edeka-Markts in Barrien ein weiteres Mal verschieben: Auf dem Baugelände sind Exemplare des seltenen Kreuzgeringelten Kerben-Koleopter entdeckt worden. Wo die plötzlich herkommen, bleibt rätselhaft.

Die bereits ausgehobene Baugrube überlässt Brahms großzügig dem Förderverein Barrier Bad, der innerhalb einer Woche daraus in Eigenleistung ein provisorisches, aber schickes Freibad mit 50-Meter-Becken, Wasserrutschen und Sprungturm macht. Zum Monatsende bildet sich eine Bürgerinitiative gegen die Wiederaufnahme der Bauarbeiten. Die Barrier wollen ihr Freibad behalten.

In der VHS gibt es einen rätselhaften Run auf alle Computer-Kurse für Senioren. VHS-Leiterin Lydia Neumann zeigt sich begeistert von der sprunghaft gestiegenen Bereitschaft hunderter Senioren, sich fortzubilden.

August

Der Antrag von Investor Rolf Specht, aus der Hauptstraße eine zusammenhängende Seniorenresidenz zu machen, scheitert im Stadtrat relativ deutlich. Zwei der großen Fraktionen regen stattdessen eine „tagesaktuelle individualisierte Privilegierung“ an: Wer die letzte Ziffer des jeweils aktuellen Tagesdatums auf seinem Kennzeichen hat, darf mit dem Auto passieren. Ein findiger Heiligenfelder Landwirt reserviert nur wenige Stunden später beim Landkreis das Kennzeichen SY-WH 1234567890.

Investor Hero Brahms aus dem ebenso idyllischen wie ostfriesischen Leer beschließt, die Barrier Bürgerinitiative ernstzunehmen, und teilt mit, die fast schon so gut wie begonnenen Bauarbeiten am Edeka-Markt in Barrien nach den Ferien vorerst nicht wieder aufzunehmen und die Gesamtsituation neu bewerten zu wollen. Da sich der Kreuzgeringelte Kerben-Koleopter vermehrt wie blöde, bleibt ihm auch gar nichts anderes übrig.

Auf die Homepage der Stadt Syke werden mehrere Hackerangriffe ausgeübt. Die IT-Experten der Stadtverwaltung können allerdings keinen konkreten Schaden feststellen.

September

Die Online-Abstimmung auf der Homepage der Stadt Syke über den künftigen Namen der Oberschule endet mit einer Überraschung. Mit großem Abstand bekommt der Namensvorschlag „Christoph-Willibald-Gluck-Schule an der Gotthold-Ephraim-Lessing-Straße“ die meisten Stimmen. Unbekannte bringen in einer nächtlichen Aktion vor der Schule ein Transparent an – mit dem Text „Das habt ihr jetzt davon!“.

Für die Hauptstraße bahnt sich ein neuer Lösungsweg an: Die Verkehrsführung soll monatlich vom Verwaltungsausschuss ausgewürfelt werden. Wer zuerst einen Pasch hat, darf bestimmen.

Bei der Gewerbeschau in Barrien beschreitet der Werbering neue Wege: Die dreitägige Mammutveranstaltung soll „semi-virtuell“ ablaufen. Jeder Besucher steigt in einen Ganzkörperanzug inklusive VR-Brille und kann auf diesem Weg nicht nur alle Stände besuchen, sondern auch Regengüsse im Außenbereich und das Gedränge in den Zelten nachempfinden. Um den tausenden erwarteten Besuchern genug Raum für ihre Spaziergänge durch die virtuelle Welt zu geben, mietet der Werbering die ÖVB-Arena in Bremen.

Oktober

Horst Nicoley, erfahrener Besucher von Rats- und Ausschuss-Sitzungen und geübter Leserbriefschreiber, regt an, mit Hilfe von versenkbaren Pollern vor jeder Straßeneinfahrt die Situation an der Hauptstraße ebenso zu entschärfen wie optisch aufzuwerten. Sein energischer Appell während der obligatorischen Bürgerfragestunde im Rat verhallt jedoch weitgehend resonanzlos.

Der Kreuzgeringelte Kerben-Koleopter entwickelt sich zunehmend zum Problem, da er einen regen Appetit entwickelt und in kürzester Zeit große Flächen in Barrien kahlfrisst. Dass ihm das Klima dort so gut bekommt, hat zumindest einen Nebeneffekt: Er könnte von der Liste der bedrohten Arten gestrichen werden. Allerdings frühestens in 25 Jahren.

November

Investor Hero Brahms aus dem ebenso idyllischen wie ostfriesischen Leer erklärt mit großem Bedauern, dass er nun doch Abstand vom geplanten Edeka-Markt in Barrien genommen habe. Unter den gegebenen Umständen sei eine Realisierung des ambitionierten Projekts nicht umsetzbar, begründet er.

Der Werbering Barrien bringt daraufhin noch einmal das Freibad als Dauerlösung ins Gespräch. Der TuS Syke prüft die technischen Möglichkeiten, das Schwimmbecken außerhalb der Sommersaison als Kunsteisbahn für Eishockey nutzen zu können. Den Kreuzgeringelten Kerben-Koleopter könne man mit wenig Aufwand umsiedeln. An den Mühlenteich zum Beispiel. Oder auf das Gelände neben dem Syker Hallenbad. Aus dem Rathaus dringen Schreie.

Dezember

Dem Rat liegt ein neuer Vorschlag zur Umgestaltung der Hauptstraße vor. Das Areal soll zum komplett überdachten Einkaufszentrum umgestaltet werden. Als Investor soll ein Unternehmer aus dem ebenso idyllischen wie ostfriesischen Leer bereitstehen, der aber vorerst anonym bleiben möchte.

Von Frank Jaursch und Michael Walter

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