Deko-Diebe: Prozess endet frühzeitig mit Geldstrafe

Anklage auf zu dünnem Eis

Syke - Von Dieter Niederheide. Schon am ersten von fünf eingeplanten Verhandlungstagen endete gestern überraschenderweise der Strafprozess gegen das wegen Diebstahls von Gartendekorationen in über 40 Fällen angeklagte Syker Ehepaar (43 und 41). Nebeneffekt: 48 von 50 geladenen Zeugen müssen jetzt nicht mehr gehört werden.

Das Schöffengericht verurteilte die Angeklagten zu je 500 Euro Geldstrafe wegen einfachen Diebstahls in elf Fällen, die vom Januar 2014 datierten. Komplett fallen gelassen wurde die Anklage wegen 29 weiterer Diebstähle aus dem Jahr 2013. Die Beweislage war dafür zu dünn. Aus dem gleichen Grund musste die Anklage am Ende auch vom Vorwurf des gewerbsmäßigen Diebstahls abrücken.

Verteidiger Rechtsanwalt Matthias B. Koch (Bremen) übte Kritik daran, dass die Polizei im Einverständnis mit der Staatsanwaltschaft noch vor der Anklageerhebung die etwa 140 bei den Eheleuten sichergestellten Deko-Gegenstände an die Geschädigten herausgegeben hatte. Der Anwalt betonte, er habe sich darüber geärgert, da es sich dabei um Beweismittel handelte. Bevor die eigentliche Verhandlung so recht begann, gab es juristische Spitzfindigkeiten. Rechtsanwalt Dr. Stephan Weinert (Verteidiger der Ehefrau) hatte Wortfetzen aus den Zuhörerreihen gehört und glaubte daraus schließen zu können, dass die Zuhörer eventuell als Zeugen zu hören und vom weiteren Verlauf der Verhandlung auszuschließen seien. Das lehnte das Gericht ab.

Dann forderte Rechtsanwalt Matthias B. Koch von den Schöffen eine Erklärung, dass sie in keinem persönlichen Verhältnis zu den Geschädigten stünden. Staatsanwalt Pleuß verlas anschließend die Anklageschrift, die von gewerbsmäßigem Diebstahl sowie in einigen Fällen gewerbsmäßiger Hehlerei ausging. Danach kam es zu einem Gespräch zwischen den Prozessbeteiligten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Ergebnis: Kann die Anklage gewerbsmäßigen Diebstahl beweisen, gibt es Gefängnis. Kann sie es nicht, gibt‘s eine Geldstrafe.

Die Gewerbsmäßigkeit konnte die Anklage jedoch nicht beweisen. Denn sie hatte nachweisen wollen, dass die Angeklagten ihre Beute systematisch auf Flohmärkten verkauft haben und sich mit den Diebstählen also eine Einnahmequelle verschaffen wollten. Zwei Zeugen aus der Flohmarktszene sagten jedoch aus, die beiden Angeklagten hätten auf ihren Ständen lediglich „ganz normalen Trödel“ angeboten, nicht aber Gartendekorationsstücke.

Rubriklistenbild: © dpa

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