„Das kann mancher so gar nicht leisten“ 

FFP2-Masken-Ausgabe: Apotheker kritisieren mangelhafte Organisation

Ausgabe von kostenlosen FFP2-Masken an einen Kunden. Die recht kurzfristig angekündigte Aktion des Bundesgesundheitsministeriums hat die Apotheken vor Probleme gestellt – auch im Landkreis Diepholz.
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Ausgabe von kostenlosen FFP2-Masken an einen Kunden. Die recht kurzfristig angekündigte Aktion des Bundesgesundheitsministeriums hat die Apotheken vor Probleme gestellt – auch im Landkreis Diepholz.

Landkreis Diepholz – Zu kurzfristig, gefährlich, teuer und schlecht kommuniziert: Die kostenlose Ausgabe der FFP2-Masken am Dienstag hat in den Reihen der Apotheker des Landkreises nicht gerade für Jubelstürme gesorgt. Im Gegenteil: Im Gespräch mit der Kreiszeitung haben mehrere von ihnen die ihrer Ansicht nach mangelhafte Organisation kritisiert.

Das habe bereits mit der Verkündung der Aktion begonnen. Sie selbst habe aus der Presse davon erfahren – und nicht etwa von offizieller Seite, schildert eine Apothekerin aus dem Nordkreis.

Mit der anschließenden Koordination seien sie dann allein gelassen worden: Die Bestellung und – wenn man denn das Glück einer rechtzeitigen Lieferung hatte – Entgegennahme der Masken sowie die Verteilung an die Kunden kamen „on top“ auf die sonstigen Arbeiten. Das alles sei logistisch äußerst aufwendig und „sehr abenteuerlich“, umschreibt es eine Apothekerin aus dem Süden des Landkreises.

Auch dass am Dienstag an vielen Orten die Masken noch gar nicht vorrätig waren, kreidet die Pharmazeutin aus dem Nordkreis der Kurzfristigkeit der Planung an. „Und jetzt sind wir die Deppen vor Ort.“ Dabei müssten sie gewährleisten, dass die Masken die erforderlichen Zertifikate aufweisen. „Natürlich sollen wir auch Qualität garantieren.“ Ordnungsämter und Verbraucherzentralen kontrollierten – völlig zurecht – diese Qualität.

„Wir tun, was wir können, aber wir sind echt am Limit“

Und schließlich wolle auch das Finanzamt wissen, was mit den Masken passiert. Das seien „so viele Sachen“, heißt es aus dem Südkreis. „Wir tun, was wir können, aber wir sind echt am Limit.“

Ein Umstand, der in der Öffentlichkeit ebenfalls kaum bekannt sei: Die Apotheker müssen bei der Beschaffung der Masken zunächst in Vorleistung treten. „Wir zahlen die Masken, geben sie heraus – und bekommen das Geld über einen bestimmten Schlüssel irgendwann zurück.“ Und bei diesem „irgendwann“ gehe es nicht um Wochen, sondern eher um Monate. Es gebe Apotheken, die dafür bis zu fünfstellige Summen vorstrecken müssten. „Und das am Jahresende, wo sich die Rechnungen sowieso schon türmen. Das kann mancher so gar nicht leisten.“

Zu der finanziellen Belastung komme die personelle hinzu: Dass die Ausgabe von dem Fachpersonal erfolgen musste, stößt bei ihr auf wenig Verständnis. „Das könnte jeder Schüler machen.“

Apothekerinnen bietet FFP2-Service gerne an

Stattdessen bildeten sich am Dienstag Schlangen, in denen die vorgeschriebenen Mindestabstände auch nicht immer eingehalten würden. „Und die Diabetikerin, die ihre Spritzen braucht, steht dann mit den anderen in der Schlange.“

Beide Apothekerinnen betonen, den Service für ihre Kunden gern anzubieten – auch wenn aus Sicht der Kollegin aus dem Norden zumindest der Zeitpunkt der Aktion – am letzten Tag, an dem alle Geschäfte noch geöffnet hatten – fragwürdig gewählt ist. Und überhaupt: „Jetzt bekommen sie die Maske – jetzt, wo der Lockdown ist. Was soll das denn?“

Beide Apotheken waren am Dienstag „blank“. Die Kunden, die vertröstet werden mussten, zeigten aber allesamt Verständnis für den Lieferengpass. Viele wollten noch am Mittwoch wiederkommen und sollten dann ihre FFP2-Masken erhalten. Eine Apotheke hat eine Bestell-Liste für ihre Kunden erstellt. Eine kleine Spitze für die Besucher gab es dann aber doch noch: „Wie viele Leute sehen wir jetzt, die wir sonst nie sehen – weil die sonst im Internet kaufen...?!“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat noch am Dienstag Post aus dem Nordkreis bekommen. Allzu viel Lob dürfte nicht drin gestanden haben.

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