Kreismuseum präsentiert Ausstellung zur Archäologie am Heiligenberg

„Das ist Heimatgeschichte“

Archäologin Simone Arnhold und Friedrich-Wilhelm Wulf vom Landesamt für Denkmalpflege vor dem Ausstellungsplakat: Das Kreismuseum zeigt im Ackerbürgerhaus ausgesuchte Funde von den Grabungen beim Forsthaus Heiligenberg und dokumentiert die Geschichte dieses Ortes über mehrere Jahrhunderte.
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Archäologin Simone Arnhold und Friedrich-Wilhelm Wulf vom Landesamt für Denkmalpflege vor dem Ausstellungsplakat: Das Kreismuseum zeigt im Ackerbürgerhaus ausgesuchte Funde von den Grabungen beim Forsthaus Heiligenberg und dokumentiert die Geschichte dieses Ortes über mehrere Jahrhunderte.

Syke – Ab und zu muss er das Wort „Kreis“ in Kreismuseum Syke ein wenig deutlicher betonen: „Wir sind das Museum für den ganzen Landkreis und haben uns auch immer bemüht, das auch in unserer Ausstellung wiederzugeben“, sagt Leiter Ralf Vogeding. Mit seiner neuen Ausstellung kommt er diesem Anspruch nach.

Das Kreismuseum dokumentiert im Ackerbürgerhaus die Archäologie am Heiligenberg in Bruchhausen-Vilsen. Seit 2011 forschen dort verschiedene Teams unter der Leitung der Archäologin Simone Arnhold von der Uni Halle-Wittenberg nach Spuren der frühmittelalterlichen Burganlage, die dort einmal gestanden hat, und des Klosters, das in späteren Jahrhunderten dort war.

Die Ausstellung dazu ist relativ klein, aber in ihrer Kompaktheit umfassend. Alle Grabungskampagnen sind darin dokumentiert, und wer will, kann die gesamte Geschichte Heiligenbergs nachvollziehen – soweit sie bekannt ist.

Eigentlich, betont Friedrich-Wilhelm Wulf vom Landesamt für Denkmalpflege in Hannover, sei die Ausstellung schon fast wieder veraltet, so viele neue Ergebnisse hätten die Grabungsteams inzwischen geliefert. Aber wenn es danach ginge, hakt Ralf Vogeding ein, müsse man „bis zum Sankt Nimmerleinstag warten, bis man überhaupt eine Ausstellung eröffnen kann“.

Wobei: Von Eröffnung im klassischen Sinn kann streng genommen gar nicht die Rede sein. Stichwort Corona, Stichwort Abstand, Stichwort Raumgröße. Die Ausstellung ist ab sofort zu sehen und bleibt bis zum 8. November geöffnet. Für den 27. Oktober ist ein begleitender Vortrag geplant. „Schon im Forum Gesseler Goldhort“, sagt Vogeding. „Das wird dann die Premiere sein.“

Vielleicht, hoffen Arnhold, Wulf und Vogeding, ist ja auch die aktuelle Ausstellung nur eine Premiere für eine ganze Reihe weiterer in der näheren Zukunft. Wulf: „Es gibt noch eine ganze Reihe von Forschungsfragen zum Heiligenberg, die wir gerne noch abarbeiten würden.“ Zum Beispiel gibt es bis heute noch keinen Profilquerschnitt durch den Hauptwall. „Das war wegen des alten Baumbestands bisher nicht möglich.“ Inzwischen hätten aber einige Bäume gefällt werden müssen. Die Gelegenheit wäre also da.

Auch der genaue Standort des eigentlichen Klostergebäudes ist nach wie vor unklar. Bisher haben die Archäologen lediglich eine Mauerecke gefunden. „Und auch die hat nicht zum Kloster selbst gehört, sondern ist jünger“, sagt Simone Arnhold. „Da sind originale Klostersteine für ein anderes Gebäude wiederverwendet worden.“

Das Gelände am Heiligenberg ist deutlich mehr als 1000 Jahre durchgehend von Menschen genutzt worden. Deshalb haben die Grabungsteams auch jede Menge Gegenstände aus anderen Jahrhunderten gefunden. Zum Beispiel jede Menge Bierflaschen aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert. „Ich weiß gar nicht, wieviele“, sagt Simone Arnhold und erzählt begeistert von einem örtlichen Gästeführer, der auf Grundlage dieser Funde ein Inventar der lokalen Abfüller des 19. und 20. Jahrhunderts erstellt hat. „Das war so interessant“, strahlt sie. „Das ist Heimatgeschichte!“

Von Michael Walter

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