Specht-Gruppe reagiert auf Kritik aus dem Rat / Zähe vorletzte Sitzung

„Das Gesicht wird schön“

Neue Visualisierung des geplanten Seniorenheims in der Syker Innenstadt: Ansicht aus Richtung Hauptstraße auf die „nicht ganz“ fensterlose Fassade. Grafik: Specht-Gruppe
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Neue Visualisierung des geplanten Seniorenheims in der Syker Innenstadt: Ansicht aus Richtung Hauptstraße auf die „nicht ganz“ fensterlose Fassade.

Syke – Da hatte Peter Ehrt die Ratssitzung fast schadlos überstanden, als er ganz zum Schluss doch noch auf seine Schimpftirade in der Kreiszeitung angesprochen wurde. In unserer Donnerstags-Ausgabe hatte sich der CDU-Ratsherr zum wachsenden Rohbau des Seniorenheims geäußert, das die Bremer Specht-Gruppe gerade an der Hauptstraße baut. Geärgert hat er sich über die „fensterlose Wand“, die die Fassade zur Hauptstraße bildet und die nicht dem entspricht, was Ehrt im Vorfeld erwartet hatte.

„Warum hat Herr Ehrt denn dann damals der Vorlage zugestimmt?“, wollte Donnerstagabend auf der Ratssitzung der Grüne Gerhard Thiel von ihm wissen – damit betonend, dass die Specht-Gruppe genau so baut, wie sie es von Anfang an präsentiert hatte. Ehrt bestreitet das gar nicht. Bei den Präsentationen sei der Fokus nur stets auf andere Konstruktionsmerkmale gelenkt worden. „Es wurde sehr getrickst“, empfindet er heute. Gerhard Thiel schloss daraus: „Für uns heißt das, wir müssen in Zukunft einfach noch genauer hinschauen.“ Womit er tatsächlich meinte: Ihr müsst. Dem neu gewählten Rat gehört Thiel - ebenso wie Peter Ehrt - nicht mehr an.

Die Specht-Gruppe hat unterdessen auf Ehrts Kritik reagiert und am Donnerstag eine neue Visualisierung erstellt, die das Gebäude von der Hauptstraße zeigt, wie es nach der Fertigstellung einmal aussehen soll. Tenor: Komplett fensterlos sei die Fassade ja nun nicht, und wenn erstmal die Begrünung wächst, sehe das alles gleich viel freundlicher aus. Investor Rolf Specht: „Wir geben uns in der Regel Mühe, dass wir nicht einfach was da hinhauen. Unser Anliegen ist, schöne Einrichtungen zu erstellen.“ Und er verspricht: „Das Gesicht wird schön.“

Bis zu diesem Schlusspunkt durch Ehrt und Thiel hatte sich der alte Rat in seiner vorletzten Sitzung vor Ende der laufenden Wahlperiode ein über weite Strecken zähes Ringen geliefert um Dinge, die in den vorbereitenden Fachausschüssen längst umfassend ausdiskutiert schienen. Insbesondere die Grünen brachten gebetsmühlenartig die gleichen (Gegen-) Argumente vor. Etwa beim Satzungsbeschluss für den Hundeplatz in Barrien (bei drei Gegenstimmen beschlossen), beim Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan westlich der Wachendorfer Straße (bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung beschlossen) oder beim Beschluss, für den Bereich Pennigbeck eine Außenbereichssatzung zu erarbeiten, die dort vier bis sechs Baugrundstücke ermöglichen soll (drei Gegenstimmen). Der Rat legte sich dabei fest: Es sollen genau fünf Bauplätze werden.

Zwei Vorstöße gab es, quasi im laufenden Spiel die Regeln zu ändern. Beide fanden keine Mehrheit. Florian Kastner (FWG) wollte den Verkauf eines Gewerbegrundstücks an den Kirchenkreis neu verhandeln – ohne das vorher mit seiner Fraktion abgestimmt zu haben. Wie berichtet, plant der Kirchenkreis einen Neubau für die Syker Tafel an der Ferdinand-Salfer-Straße. Ratsherr Kastner meinte, die Stadt müsse dafür entweder mehr Geld verlangen als den festgelegten Quadratmeterpreis oder alternativ das Grundstück nicht verkaufen, sondern tauschen: Gegen das Grundstück an der Straße Am Feuerwehrturm, an dem die Tafel jetzt ihren Sitz hat.

Die Gegenargumente: Der Quadratmeterpreis liege bereits über dem Bodenrichtwert, den das Katasteramt errechnet habe, das Grundstück sei der Ladenhüter unter den Syker Gewerbeflächen, für den es bisher noch nie eine Anfrage gegeben habe, und bei einem Kauf könne der Kirchenkreis Fördergelder beantragen, bei einem Tausch dagegen nicht. Der Rat stimmt mehrheitlich für den Verkauf.

Zuvor hatten die Grünen beantragt, den für Okel vorgesehenen Kindergarten neu zu planen. Statt in Massivbauweise solle er als Holzrahmenbau entstehen. Das sei umweltverträglicher, gehe schneller und sei billiger. Die Stadtverwaltung sowie die anderen Fraktionen betonten dagegen: Das Projekt sei bereits zehn Monate im Verzug. Im Juni hatte die Verwaltung bei den Fraktionen das Meinungsbild abgefragt, um frühzeitig das Leistungsverzeichnis für die Ausschreibung erstellen zu können. Die Mehrheit war für die Massivbauweise. Jetzt noch einmal ganz von vorne anzufangen, bedeute weitere Monate Verzögerung. Von der Verträglichkeit her hielten sich Massiv- und Holzrahmenbauweise die Waage, und es sei angesichts jüngster Preisentwicklungen und Lieferengpässe utopisch, zu glauben, Holzrahmenbauweise sei billiger und schneller. Das Gegenteil sei der Fall.

Der Rat stimmte mit großer Mehrheit zugunsten des Massivbaus.

Von Michael Walter

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