Es darf ein bisschen mehr sein

Frühjahrsempfang des Kirchenkreises Syke-Hoya: Popcorn, Musik und Impulse

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Bunt und voller Impulse: Der Frühjahrsempfang des Kirchenkreises Syke-Hoya in der Christus-Kirche in Syke.

Syke - Von Detlef Voges. „Darf’s ein bisschen mehr sein? Die Bedeutung des Christlichen für unsere Gesellschaft“ – Ja, bitte, lautete die Botschaft des Frühjahrsempfangs, zu dem der evangelische Kirchenkreis Syke-Hoya in die Syker Christuskirche eingeladen hatte.

Während draußen Petrus kalten Wind und frostige Temperaturen bescherte, hatte die Kirchenfamilie im Gotteshaus durchaus etwas mehr Party im Sinn. Farbige Luftballons sorgten für optische Tupfer, im Altarbereich spielte die Band „Jazz geht’s los“ flotten Swing, und die Sonne sandte durch die bunten Glasfenster erste Frühlingsgefühle.

Dass die Grippe einige Lücken im Sitzbereich geschlagen hatte, tat der Feier keinen Abbruch. Popcorn und andere Leckereien verfestigten bei den Besuchern das Leitthema, dass es ruhig ein bisschen mehr sein darf.

Selbst Superintendent Jörn-Michael Schröder ließ sich von so viel Säkularem anstecken, sprach vom Tag der Wunder und meinte den Sieg des deutschen Eishockeyteams gegen Abo-Weltmeister Kanada bei den olympischen Spielen.

Im Alltag des Kirchenkreises geht es dagegen mehr um handfeste Herausforderungen wie die geplanten Bauprojekte, unter anderem ein neues Gemeindehaus in Syke-Barrien. Schröder sprach von einem Konzentrationsprozess nach dem Motto: Wo vorher zwei Gebäude standen, steht jetzt eins. Thema im Kirchenkreis sind darüber hinaus die bevorstehenden Kirchenvorstandswahlen und der demographische Wandel. In den nächsten zehn Jahren verlieren die Gemeinden, so Schröder, rund 1 000 Pastoren in den Ruhestand.

Themen, die ruhig nach ein bisschen mehr verlangten und die Frage nach der Bedeutung des Christlichen in der Gesellschaft aufwarfen. Die Beantwortung gestalteten die Gastgeber durchaus unterhaltsam und spannend. Die zwei Bremer Filmemacher Tim Schrader und Olaf Clausing stießen mit ihren Kurzfilmen Grundsätzliches an, etwa Massentierhaltung, das Töten von Tieren sowie das Alleinsein der Menschen und leere Kirchen. „Die Kirche sollte sich mehr positionieren und nach außen gehen“, meinte Clausing im Gespräch mit dem stellvertretenden Superintendenten Albert Gerling-Jacobi. Der outete sich als Nicht-Fleischesser. Nach den deutlichen Bildern des Schrader-Films nachvollziehbar.

Im Gespräch mit dem Superintendenten und der Pressesprecherin des Kirchenkreises, Miriam Unger, markierten Cord Bockhop (Landrat), Constantin von Kuczkowski (Leiter der Industrie- und Handelskammer Syke) und Bernhard Zahn (stellvertretender Leiter der Berufsbildenden Schulen Syke) ihre Nähe zum Christlichen.

Der Glaube gebe ihm Halt, erklärte Bockhop. Besonders bei Entscheidungen. Kirche und Staat, das passe zusammen, betonte der Landrat, hob beispielhaft den Reformationstag hervor und lobte kirchliche Einrichtungen wie die Notfallseelsorge und die Diakonie.

Der Leiter der Syker IHK sieht in christlichen Werten eine Chance, nach der Finanzkrise wieder Vertrauen zu bilden. Beim Reformationstag als Feiertag schlagen bei Kuczkowski allerdings zwei Herzen in seiner Brust. Als Privatmann sei er dafür. Aus Sicht der Betriebe müsse er aber fragen, wer das bezahle. Für die Politik, so der IHK-Chef, sei es leicht, einen Feiertag zu beschließen, ohne an die Folgen zu denken.

Zahn hob das Fach Religion im Unterrichtskanon an der BBS hervor. Als wichtig bezeichnete er den Seelsorgeraum, weil dort den Schülern Hilfe geleistet würde, die mit Grenzsituationen wie Tod oder Unfällen nicht klar kämen.

Die Eingangsfrage, ob es bei der Kirche ein bisschen mehr sein könne, beantworteten alle drei Gesprächspartner mit ja. Offensiver wünscht sie sich der Landrat, voller nicht nur, wenn es den Menschen schlecht geht, der IHK-Leiter, engagierter bei schwachen Familien und im Jugendbereich der Pädagoge Zahn.

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